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Ist das Gemeingüter-basierte Leben die Lösung für alle unsere Probleme?

Auf keimform.de – Ein Blog auf der Suche nach dem Neuen im Alten – ist wieder ein innovativer Artikel erschienen, der ein Leben auf Basis von Gemeingütern aus vielen Richtungen beleuchtet und mich sehr angesprochen hat, da er wieder Vieles anspricht, was ich in meinen Artikeln auf der Suche nach einer besseren Welt schon selbst vorgeschlagen habe.

Der Artikel lautet Produzieren ohne Geld und Zwang und wurde von Christian Siefkes eingestellt.

Für Christian ist eine Zukunft denkbar, in der wir alle gleichberechtigt leben und dabei produzieren, was uns Spaß macht (was ja auch die Gruppe Realexperiment – sinnvoll Wirtschaften vertritt), und in der wir dabei sogar ohne Geld auskommen können, ja sogar ohne Tauschen. Denn in dieser Gesellschaft ist alles Bedürftige für alle vorhanden und kann genommen werden.

Er zeigt auf, dass Vieles in seinem Gesellschaftsmodell auch heute schon erkennbar ist. So haben schon viele Open Source Software-Produkte kapitalistisch produzierte Waren vom Markt zurück gedrängt:

Dies betrifft etwa Internetsoftware, Software für Programmierer/innen und Enzyklopädien. In diesen Bereichen haben sich frei verwendbare Programme wie Apache, Firefox, WordPress, frei nutzbare Programmiersprachen wie Python, Entwicklungsumgebungen wie Eclipse sowie die freie Internet-Enzyklopädie Wikipedia durchgesetzt. Konkurrenzangebote, die gemäß der üblichen kapitalistischen Logik nur käuflich erwerbbar sind, haben nahezu keine Chance mehr. Indem sie Märkte zum Verschwinden bringt, weist diese Bewegung über den Kapitalismus hinaus.

Er beschreibt, wie die Open Source Projekte sich selbst verwalten, ohne dass es Hierarchien braucht. Aber es sind nicht nur Projekte auf Basis von immaterillen Strukturen, wie das Software ist oder Bauplane. Er spricht auch schon existierende Hardware Projekte an.

Nun wird diese Gesellschaft nicht nur Schlaraffenlandtätigkeiten erledigt wissen. Arbeiten, die keinem gerne liegen, werden heute von den in unserer Gesellschaft durchs Rost Gefallenen gegen geringsten Lohn druchgeführt. Wenn ich das mal so sagen darf: wir halten uns unsere Arbeitsklaven durch eine massenhafte Arbeitslosigkeit. Wer Glück hat, hat interessante Arbeit, die Spaß macht und verdient dabei auch noch recht gut. Wer Pech gehabt hat, hat die Arschkarte und muss neben, was übrig ist und dass für einen Preis, wo das Erledigen dieser Drecksarbeit noch zusätzlich keinen Spaß macht. Und so müssen wir uns ja nicht wundern, dass es so viele an Depression Erkrankte gibt. Und wer Angst hat, auch bald durchs Rost zu fallen, strampelt sich so hart ab, dass er am Ende auch krank wird. Nur dieses Mal am Burn-Out-Syndrom. Alle diese Symptome sind würden in dieser Gesellschaft nicht auftreten. Denn was wenig Spaß macht, wird weitestgehend automatisiert werden. Und was dann noch bleibt, wird auf alle gemeinschaftlich verteilt.

Ich bin sehr überzeugt, dass diese Gesellschaft ein Höchstmass an Eigenmotivation (intrinsiche Motivation) aufweisen wird. Denn, wenn ich mich dort einbringen kann, wo ich den meisten Sinn drin sehe, habe ich den größten Antrieb. Jedes Baby kommt mit diesem Antrieb auf die Welt, sonst würde es nicht mit großemn Willen Krabbeln, Sprechen und Laufen lernen. Und wenn wir uns anhören, wie viele wissbegierige Fragen Kinder stellen und alles ausprobieren wollen, dann wir schnell klar, dass wir diesen Drang nur erhalten und weiter fördern müssen. Und dabei tun es diese Kinder intial Alles ohne eine Gegenleistung einzufordern. Erst wenn wir mit Belohnungen anfangen, dass werden sie beim nächsten Mal z.B: den Müll nurnoch rausbringen, wenn es dafür auch etwas gibt. D.h. Belohnungen sind in der Regel demotivierend, zumindest dort, wo mit Kreativität und Spaß gearbeitet wird.

Ich würde mir wünschen, wenn unsere Politiker, oder noch besser wir, ein reales Experiment in einem Dorf oder einer Kleinstadt wagen würden, um zu überprüfen, wie so etwas funktionieren kann.

  1. Juli 24, 2011 um 9:45 am

    Ich denke, dass das System dabei ist, sich ganz allein zu diskreditieren. Dennoch eine interessante Liste von Angriffspunkten 😉

  2. Juli 24, 2011 um 9:41 pm

    Melde mich vom Aufklärungsflug zurück 😉 Ist schon interessant, was Nick da so schreibt, kleiner Anarchist Du 😉 aber ich glaube, das läuft am Ende auf schon Dagewesenes hinaus: „eine Revolution frisst ihre eigenen Kinder“. Ich glaube, der Mensch ist nicht für solche Massenveranstaltungen gemacht, jedenfalls nicht um etwas dabei für sich mitzunehmen. Nach dem wir uns die Finger wund geschrieben haben, werden wir begreifen müssen, dass wir auch nicht die Weisheit mit Löffeln zu uns genommen haben, weil es gilt auch von der Empathie der Menschen zu lernen und uns selbst weiter zu entwickeln. Ich bin der Meinung, und ich weiß das klingt nicht gerade revolutionär, solln die doch noch eine Weile wurschteln und wir haben Zeit, unsere Strukturen zu schaffen. Es wird sich freiwillig kein Dorf als Versuchskaninchen finden lassen, höchstens wir sind dort Bürgermeister und wir haben die Gabe, den Großteil der Bewohner für uns zu gewinnen. Stellt Euch vor, jeder Blogger von uns ist doch schon so etwas wie ein kleiner Bürgermeister. Nun müssen wir nur noch die Sache zusammen bringen oder sehe ich das falsch?

    • Juli 25, 2011 um 8:38 am

      Hallo Mike,
      „Blogger der Welt, vereinigt Euch“ 😉
      Es ist zumindest so, dass mit dem Bloggen sich doch zumindest eine Grundstimmung verbreitet, was auf die Umsetzung der universalen Menschrechte hinaus läuft. Ideologien scheinen mir da auch nicht wirklich verfochten zu werden. Insofern wäre es wünschenswert, wenn immer mehr zu Bloggern würden, selbst wenn sie nicht schrieben 🙂

    • Juli 31, 2011 um 2:55 pm

      Wenn es soweit ist, werden wir vielleicht eines Besseren belehrt. Wer sagt denn, dass der Mensch so ist wie er angeblich ist?
      Ich habe bis jetzt erlebt, dass viele viel Mehr Zufriedenheit ud Glück empfinden, wenn sie in einem glücklichen, zufriedenen Miteinander existieren. Dass einem der 92. Rolls Royce in der Garage nicht glücklich macht, ist ja offensichtlich ….
      Ich glaube, wir Menschen unterschätzen uns gewaltig und sind uns unsere Fähigkeiten und Talente gar nicht bewusst 😉

  3. Juli 25, 2011 um 10:38 am

    Das wäre doch ein Motto für das es sich zu leben lohnt. Ich habe mit meinem letzten posts auch wieder festgestellt das es wichtig ist, nicht all zu theoretisch an die Sache heran zu gehen. Der fundi post ist in Windeseilen der Renner geworden. Ich glaube, viele wollen wie zu Hemmingways Zeiten nur wissen wie es wirklich ist und die ganze ideologische Ka…. ist ihnen egal. sie machen sie sorgen sogar um die Menschen, stehen aber hilflos der Sache gegenüber, die früher oder später in Resignation oder Ignoranz umschlägt, weil sie denken, doch nichts zu bewirken. Ich war jetzt öfters zu Konzerten in der Rose, immer kleines Publikum, meist nicht einmal voll, aber die Künstler geben was und jeder nimmt ein stück mit nach hause. wir sollten anfangen unsere Schreibstube zu verlassen und mit unseren arbeiten mit Leuten darüber diskutieren. also Werbung für uns betreiben. mein umfeld weiß was ich treibe und ab und zu höre ich mal den Satz so ganz nebenbei, der Artikel war ja ganz interessant. Da würde ich am liebsten vor Freude ein Glas Bier ausgeben. „Vor vielen Jahren weit vor der Wende habe ich mal den Satz in einem Gedicht geschrieben „Wenn du morgens lachend durch die Straßen gehst, habe ich wieder einen stein aus der Mauer gerissen“.
    In den nächsten Tagen gibt es den Bericht zur Baraka Primary School. Ich gestehe ich habe tränen in den Augen gehabt als ich die Fotos gesehen habe und weich Knie bekommen bei der Verantwortung die wir damit übernommen haben, nichts ist schlimmer als eine enttäuschte Hoffnung in Afrika! Gestern habe ich mit Hadija telefoniert, sie hat Malaria. die Sorgen hören eben nicht auf. Dir noch einen schönen Tag mike

    • Juli 25, 2011 um 10:41 pm

      Ich muss mich korrigieren: „Blogger der Welt, vernetzt euch“ zum Erfahrungsaustausch. Denn das Tun kann auch immer wieder besser getan werden.
      In meinem Inneren wiederstrebt etwas, sich zu Gruppen zu vereinigen, weil dann Andere automatisch draußen sind. Denn wir sind doch alle Menschen mit gleichen Grundrechten. Also sollen wir Gleichen unter Gleichen sein können.

  4. haN
    Juli 25, 2011 um 11:02 pm

    http://www.whatis-theplan.org hier können wir uns alle weltweit organisieren, kollektiv ohne hierarchische strukturen, vereint als 1 geteilt durch 0 !

  5. Elke
    Juli 26, 2011 um 5:01 pm

    Lieber Martin,

    Wäre super, wenn jeder kostenlos haben könnte was er zum Leben benötigt. Somit wären zumindest die materiellen Ungerechtigkeiten vom Tisch. Auf der anderen Seite könnte man von vornherein Güter in begrenzter Menge und mit allerhöchster langlebiger Qualität herstellen. Warum muss denn jeder alles haben, was der Nachbar auch hat, wenn man es ohnedies nur ein paar Mal im Jahr benutzt – wie zum Beispiel Werkzeug für den Heimwerker. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen- Der ultimative Beitrag zum Umweltschutz. Zugleich, bedingt durch die lange Haltbarkeit, mit der Option der Reparaturfähigkeit und das Wegfallen von Wachstumszwängen/Expansionswillen im Wirtschaftstreiben wären Kraft, Zeit und Arbeitnehmerressourcen frei um gemeinnützige Dienste zum Wohle der Menschheit zu leisten.

    Dass das Belohnungssystem demotiviert sehe ich übrigens nicht so. Es kommt immer darauf an wie man belohnt. In der Erziehung ist sie oft sogar Motivation zum Wiederholen des belohnten Verhaltens oder sogar noch besser zu werden. Es schafft also Anreize mehr zu leisten.Verhaltensforscher haben das schon lange erkannt. Angst erzeugt Zwang und „Arbeit nach Vorschrift“, macht auch krank.

    Aufgrund der Tatsache, das Menschen sehr unterschiedlich sind, in ihren intellektuellen Fähigkeiten, sowie in ihren Interessenlagen, was die körperlichen Kräfte anbelangt, aber auch ob sie weiblich oder männlich sind, entscheidet darüber , welcher Tätigkeit nachgegangen werden kann oder werden will. Man müsste noch nicht einmal alle „unliebsame“ Arbeitsfelder automatisieren – es gibt tatsächlich Menschen die gerne putzen oder aufräumen, servieren u.u.u.

    Eine Schwierigkeit sehe ich darin, alle dazu zu motivieren mitzumachen. Wir haben immer schon „Faulpelze“ gehabt die nicht arbeiten wollen – wie stellt man es an, sie einzugliedern, ohne sie zu zwingen?
    Denn Zwang finde ich schrecklich!
    .
    Positiv bei dieser Form des Wirtschaftens wäre auch, dass alle im Rahmen ihrer Möglichkeiten arbeiten und gleichviel erhalten. Meiner Meinung nach ist unser derzeitiges Renten- und Lohnsystem ungerecht hoch 3. Wer schwere körperlich Arbeit verrichtet, oft über vierzig Jahre lang, erhält eine Minirente. Börsenindianer Banker, Politiker haben eine wesentlich kürzere Lebensarbeitszeit und erhalten im Alter (oder sogar in den „besten Jahren“) um ein Vielfaches mehr, als Menschen die seit dem 14. /16. Lebensjahr geschuftet haben

    Ausbeutung/Arbeitersklaven

    Das sehe ich genauso – Geringverdiener werden heute wie Sklaven behandelt. Arbeiten, Klappe halten, bloß nicht aufmucken – sonst gibt es die Kündigung. Prekäre Abeitsverhältnisse, Arbeitervermietungen, keine Arbeitsplatzsicherheit.

    Überall dort wo zu Billigpreisen billiges Personal geködert wird, das woanders keine Chance hat. Überschüssiges Humankapital zu Hungerlöhnen. Der Staat hilft mit, indem er Hartz IV –Bezieher in 1€ Jobs zwingt., oder zu Hungerlöhnen vermittelt- ansonsten Sperre!

    Überhaupt, wer maßt es sich an, jemanden der vielleicht nur eine Sonderschule besucht hat so zu behandeln? Auch ein Mensch mit eingeschränkten Fähigkeiten ist und bleibt ein Mensch der ein Anrecht auf eine würdevolle Behandlung hat.
    Wenn unser System Menschen durch das Raster fallen lässt – sind nicht die Menschen schuld, sondern das System dass die Schwierigkeiten dieser Personen nicht wahrnimmt/ignoriert!

    Außerdem haben wir genug Arbeit- nur keine AG, die bereit sind diese auf mehr Schultern zu verteilen. Siehe Lidl, Aldi & Co. machen Milliardenumsätze im Jahr. Lidl hatte (Handelsblatt) ca. 60 Milliarden Umsatz in 2010 und einen dreistelligen Millionengewinn – aber besetzt seine Läden nur 1:2 oder sogar 1:1, letzteres bedeutet 1 Verkaufstellenverwalter und eine Verkäuferin! Personalkosten am Umsatz bemessen um die 4%! Preisdrückerei auf Kosten von (fehlenden) ArbeitnehmernInnen!

    Lieben Gruß
    Elke

  6. Juli 28, 2011 um 11:44 am

    Hier noch ein kleines Filmchen zur Erklärung der Vorteile von Gemeingutlizensierungen:
    .

  7. Juli 30, 2011 um 6:01 pm

    @ Elke, Bildung kann umsonst gewesen sein, kostenlos geht nun aber gar nichts, weil jemand etwas aufwenden muß, um etwas herzustellen. Das wir damit gerade nicht besonders gut umgehen, steht auf einem anderen Blatt. Ich bin der Auffassung, das wir nicht alle diesem System dienlich sein sollten, Schaffen wir doch unsere eigene Welt und nutzen diese so ungerechte welt von mir aus noch als Geburtshelfer, denn aus dem nichts wird es auch bloß nicht gehen. also checkliste fertig, noch einmal einkaufen und dann runter von den schienen und rein in den Wald…
    Zur Zeit zementieren wir dieses System mit jedem noch so wohl überlegten Einkauf, weil selbst der biologischte Boi-Bauer an Rahmenbedingungen gebunden ist. Sein Produkt ist vielleicht qualitativ hochwertiger, aber viele Prozesse unterliegen dem alten Schema. Also es glit langfristig nicht eine neue Wahl anzustellen, sondern die Sache von Grund auf selbst in die Hand zu nehmen. Es ist weder vorstellbar noch realistisch das die zu erwartenden 9 Milliarden Erdbewohner alle unseren Standard erreichen können.Wenn wir die Sache umkehren und wieder selbst viele Dinge im Kleingarten herstellen, brauchen wir nicht mehr diese Massenproduktion in der Landwirtschaft und 20 verschiedene Gewürzgurkenhersteller, weil uns zu einem nicht kleinen Anteil selbst versorgen können. Spätestens dann wird das Land wieder interessant. Die Zukunft liegt nicht in den Superstädten, die man uns heute suggeriert. Städte entwickeln sich schon jetzt zurück und das Angebot an Arbeit wird weiter sinken. Hast du eine Parzelle, hast du immer Arbeit, die dich noch gesund erhält. Lebt der Wolf in den Wäldern ist er gesund, schafft der Mensch auf den Feldern, gedeiht auch er!

  8. September 22, 2011 um 11:31 pm

    Ich glaube nicht, dass das Gewünschte auf breiter Front sich verwirklicht. Es wird immer wieder Vorstöße in diese Richtung geben mit dem Ergebnis pluralistischer Eigentumsformen, und das Ganze auch erst, nachdem das Volk das Konvergenzverfahren gelernt und verinnerlicht hat. Dazu eine Text von mir aus Facebook: „Eine Gesellschaft, in der es Pflicht zweier Kontrahenten ist, ihre verschiedenen Interessen nicht mehr durch Verheimlichen, Missachtung, Unterdrückung oder gar Liquidierung des Widerparts durchsetzen zu wollen, sondern sie aufzulösen durch intensiven Dialog und Konsens, ohne dabei ihre Identität aufzugeben, möchte ich als KONVERGENZDEMOKRATIE bezeichnen. (Wie ich schon schrieb), wäre dies die erste Phase der kommenden gesellschaftlich-politischen Umwälzung, während der die Menschen ideale Bedingungen vorfinden werden, um zu lernen, wie man vertikal und horizontal gelagerte widerstreitende Interessen verstehen, akzeptieren und schließlich verinnerlichen kann. So wird ein Bauarbeiterteam wissen, wie sein Chef denkt und entscheidet, so wie umgekehrt dieser seine Kollegen genau kennen wird. Da beide Widerspruchspartner in der Konvergenzdemokratie gleichgewichtig sein werden und somit zur Einigung gezwungen sind, wird die vertikale Differenz zwischen Chef und Team sich auflösen. Gesetzlich verordnet und nach dem Muster der paritätischen Mitbestimmung haben die widerstreitenden Kontrahenten bei Unfähigkeit, eine Einigung herbeizuführen, die Möglichkeit, einen Schlichter zu bestellen. Sollte selbst dieser keine beide Seiten befriedigende Lösung finden, dann gilt das Primat der Mehrheit – in diesem Fall wäre es das Team, das sich wird durchsetzen dürfen. Staatlich unterstützt muss dieses Modell auch auf Widerspruchskonstellationen wie Regierung und Bürger, Parteien und ihre Mitglieder sowie Wähler, Vermieter und Mieter u.ä. angewendet werden. – Weil das Volk auf diese Weise die Selbstverwaltung von der Picke auf erlernt, kann die Konvergenzdemokratie später in die zweite Phase übergehen: in die Gesellschaft des selbstbestimmten Lebens, für die ich den Namen OMNIALISMUS vorschlagen möchte (omnes = alle oder alles). Die Slogans der Sozialdemokraten „Mehr Demokratie wagen“ und „Wandel durch Annäherung“ erhalten hiermit unversehens eine neue und tiefere Bedeutung.“

    • September 24, 2011 um 10:35 pm

      Hallo Reinhart,
      vielen Dank für Deine ausführliche Stellungnahme und ja, das ist ein Richtung, mit der ich mich anfreunden kann.
      Liebe Grüße
      Martin

  9. Oktober 22, 2011 um 1:14 pm

    „Ich würde mir wünschen, wenn unsere Politiker, oder noch besser wir, ein reales Experiment in einem Dorf oder einer Kleinstadt wagen würden, um zu überprüfen, wie so etwas funktionieren kann.“

    Ich denke, auf die Politik kann man hier lange warten. Die ist meistens zu sehr damit beschäftigt, das Alte zu bewahren, als Neues auszuprobieren.

    Es liegt vielmehr an uns, es zu wagen!

  10. Februar 6, 2012 um 10:36 pm

    Es gibt wieder einen schönen Artikel zum Thema Gemeingüter. Besonders mit einem prägnanten Titel:

    Privatisierung ist Diebstahl an der Öffentlichkeit
    Das Gemeineigentum braucht Verfassungsrang, von Ugo Mattei


    Der Staat als schlechter Hüter

    Eine neue Auffassung von den Gemeingütern, nämlich als Werkzeuge, die der Befriedigung gemeinsamer Bedürfnisse und der Wahrnehmung allgemeiner Grundrechte dienen, entsteht jedoch nicht auf dem Papier.2 Sie bildet sich im Verlauf von weltweit geführten Auseinandersetzungen, die zwar oft erfolglos, aber immer emanzipatorisch sind. In vielen Fällen sind dabei die eigentlichen Gegner genau jene Staaten, in deren Obhut sich die Gemeingüter befinden. Aber statt auf sie achtzugeben, beuten sie sie zum Nutzen multinationaler Konzerne aus und begeben sich in eine Position der Abhängigkeit und Schwäche gegenüber Unternehmen, die ihnen ihre Privatisierungs-, Landnutzungs- und Bewirtschaftungspolitik diktieren.

    Die Dialektik von Staat und Privateigentum hat sich in einem historischen Moment herausgebildet, als nur das Privateigentum Schutz vor autoritären und allmächtigen Regierungen zu benötigen schien. Deshalb ist beispielsweise das „öffentliche Interesse am Schutz des Privateigentums“ in den Verfassungen verankert, deshalb sind im demokratischen Rechtsstaat durch den sogenannten Gesetzesvorbehalt Grundrechtseinschränkungen möglich (allerdings nicht in Form einzelner Verordnungen oder Verwaltungsakte), und deshalb existieren genaue Regeln für Entschädigungsfragen.

    Da sich mittlerweile das Kräfteverhältnis zwischen Staat und Privatsektor verschoben hat, braucht auch das Gemeineigentum Schutz und langfristige Garantien. Doch die sind innerhalb des etablierten Rahmens, der die öffentlichen Aufgaben auf den Staat beschränkt, kaum vorstellbar. Der liberale Schutz der Privatsphäre vor dem Staat reicht nicht mehr aus.

    Oft entsteht beim Kampf für Trinkwasser, öffentliche Universitäten und Ernährungssicherheit oder gegen umweltschädliche Großprojekte zunächst nur ein vages politisches Bewusstsein für die Enteignung oder Ausbeutung von Gemeingütern, aus dem sich noch kein richtungsweisendes, neues theoretisches Instrumentarium entwickelt. Hier kommt der Kategorie der Gemeingüter eine neue Funktion zu, denn sie kann die Allgemeinheit sowohl vor dem neoliberalen Staat als auch vor der Macht der Privatwirtschaft schützen.

    Das Konzept der Gemeingüter hat einen qualitativen Sprung nach vorn getan, als 2009 die US-Ökonomin Elinor Ostrom für ihre Arbeiten über die commons und insbesondere für ihr Buch „Die Verfassung der Allmende“(3) den Wirtschaftsnobelpreis erhielt. Leider hat diese Aufwertung das kritische Potenzial des Konzepts weitgehend entschärft. Viele Wissenschaftler sträuben sich einfach, die revolutionären Konsequenzen von Ostroms Entwurf anzuerkennen – die bestünden nämlich darin, den Gemeingütern in den Kategorien des Rechts und der Politik eine zentrale Rolle einzuräumen.

    Die „Tragik der Allmende“(4) besteht angeblich darin, dass gemeinsame Ressourcen, wenn sie frei zugänglich sind, übernutzt und in ihrer Existenz gefährdet werden. Demzufolge wäre das Gemeinschaftliche der rechtsfreie Raum schlechthin, vergleichbar mit einem üppigen Büfett, auf das sich der geladene Gast stürzt, um sich auf Kosten anderer ein Maximum an Kalorien einzuverleiben. Der gefräßige homo oeconomicus würde in kürzester Zeit die größtmögliche Menge an Nahrung verzehren.

    Wie ein Nimmersatt am Büfett

    Elinor Ostrom hat gezeigt, dass Menschen aus Fleisch und Blut in der realen Welt kaum je ein derartiges Verhalten an den Tag legen. Anders die Privatunternehmen und die neoliberalen Staaten, die alle beide dazu neigen, sich den Gemeingütern gegenüber genauso aufzuführen wie ein Nimmersatt am Büfett: Sie versuchen, sich auf Kosten der Allgemeinheit ein Maximum an Ressourcen anzueignen. Getrieben von den Interessen der Manager und Aktionäre sowie der Staaten und ihrer führenden Politiker, streben sie nach dem schnellen, eigennützigen Gewinn und verbergen ihr Verhalten meist hinter einem dichten ideologischen Nebel.

    • Februar 7, 2012 um 12:24 am

      Wären wir nicht ein Besatzungsgebiet,
      würde ich sagen: „Occupy Germany“,
      und das gesamte Land von Schädlingen befreien.

    • Februar 7, 2012 um 3:57 pm

      Hallo Martin, da scheint dir ein Mißgeschick geschehen zu sein. Mit dem link lande ich immer auf meiner Seite, war das gewollt? 😉 Viele Grüße Mike

  11. Februar 7, 2012 um 4:55 pm

    So jetzt noch mal icke, nun ist meine Ernährungssicherheit um einige Tage gewachsen. Wir hatten ja schon vor einem 1/4 Jahr über das Thema Genossenschaften “ als eine der gemeinschaftlichen Eigentumsformen gesprochen, Martin, nun entsteht in „Mehr Demokratie wagen“ unter Punkt 2 der Komplex nachhaltig wirtschaften. ich denke in dem Zusamenhang werden wir dann auch den komplex arbeiten. Schreibe gerade an der Einleitung.
    Hier möchte ich paar Erfahrung hinzufügen.
    Ich glaube man muß das Gemeineigentum sehr detailliert betrachten. Also per Gesetz das Volkseigentum aus zu rufen, ist gescheitert. Der anfängliche Plan es in einem Staat schrittweise einzuführen, ist genau so untauglich. De fakto bleibt nur der Weg das es ähnlich wie in Genossenschaften in kleineren Einheiten organisiert sein kann, die noch einen Bezug zu den Werkzeugen und Maschinen haben. Ich erlebe gerade in unserem Wächterhaus am eigenen Leib die Auswirkungen, der „Eigentumlosigkeit“. Ich muß eine nicht unerhebliche Zeit für Reparaturen an Gebrauchsgegenständen aufwenden. Ich finde zertrümmerte Stühle vor, als ob jemand aus 3m Höhe darf gesprungen wäre. Sie sind teilweise pulverisiert, das ich mich frage, wie kann man so einen Schaden durch normalen Gebrauch verursachen. Deshalb halte ich die einzige Lösung in übersehbare Einheiten. Jegliche Form des Gigantismus ist gefährlich.
    Meine Beobachtungen unterstreichen auch meine Theorie, das wir dabei sind und im sozialen Verhalten zurückentwickeln, weil der habtische Bezug zu unserer Umwelt (Handarbeit) immer mehr zurück geht. Gerade die Bevölkerungsschichten, die studieren oder schon fertig sind verursachen die größten Schäden. Bildungsreform läßt grüßen. Mike

    • Februar 7, 2012 um 5:24 pm

      Hallo Mike,
      ja, alles was einen direkt selbst betrifft, dafür wird sich eingesetzt. Daher finde ich den Ansatz zurück zu Kleinen unbedingt wichtig.
      Ich lese gerade das Buch Jamilanda – Die Ökoligente LebensArt von Alander Baltosee. Das ist ein in romanform geschriebenes Buch über das Leben in einem Dorf, wie wir uns das in etwa ausmalen. Und es gibt viele Quellenangaben zu den geschilderten Fakten. Sehr lesenswert. Vieles in dem Buch haben wir hier an der einen oder anderen Stellen schon gesehen 🙂
      Und ja, wir sollten wieder mehr unsere Hände selbst benutzen. Auch das kommt in dem Buch vor …
      Gruß Martin

  12. Februar 18, 2012 um 7:13 pm

    Wieder ein wichtiger Artikel zu den Commons:

    Teile, was du teilen kannst
    Commons: Nicht Eigentum zählt, sondern wer was tatsächlich braucht und gebraucht

    Der Begriff »Commons«, auf Deutsch auch »Gemeingüter« oder »Allmende«, fällt immer öfter, wenn es um Alternativen zu unserem profitorientierten Wirtschaftssystem geht. Sowohl materielle (Grund und Boden, Saatgut, Wasser) als auch immaterielle (Wissen, Kunst, Kultur) Ressourcen können Gemeingüter sein. Aber keine Gemeingüter ohne Gemeinschaft, die sie durch kollektive Nutzung pflegt und erhält – diese Praxis wird »Commoning« genannt. Commons stehen somit für eine Ökonomie des Teilens, in der das Gedeihen des gemeinsamen Besitzes im Vordergrund steht.

  13. Juni 15, 2012 um 7:19 pm

    Kapitalismus ist mehr als eine Produktionsweise. Die kapitalistische Logik strahlt aus auf die gesamte Gesellschaft. Sie prägt Institutionen, bestimmt die Machtverhältnisse und geht durch uns selbst hindurch. Sie kolonialisiert unser Denken und besetzt unser Land. Progressiven Bewegungen geht es darum, sich von dieser Kolonialisierung zu emanzipieren und alle Herrschaftsformen über Andere zu beenden. Dafür müssen die Fundamente der Modernität infrage gestellt werden. Wir müssen unsere Geisteshaltung und die dominierenden mentalen Infrastrukturen erschüttern. Damit dies gelingt, müssen wir selbst uns ändern, denn kommerzielle Institutionen und Logiken werden von konkreten Menschen reproduziert. Sie sind es, die die gegenwärtigen Strukturen erhalten.

    gefunden in dem Artikel Schluss mit B.A.U.: Eine andere Zukunft ist möglich, der einen Text vorstellt, der übermorgen auf dem Gipfel der Völker in Rio stattfindet.

    Interessant ist auch die Diskussion des Artikels, der zeigt, wie schwer es Manchem fällt, sich von den sozialisierten Glaubenssätzen rund um das Geld zu lösen (-> Lösung).

  14. Juni 18, 2012 um 12:31 pm

    Da bin ich sehr skeptisch. News from Nowhere, Kunde vom Nirgendwo?

    Nach den Erfahrungen mit den Beglückern in der DDR (Sie wissen schon: Sie predigten Wasser und tranken Wein…. Heine eben) bezweifle ich sehr, dass das jemals machbar sein wird. Jede wohlgemeinte Idee wird sofort und heimlich unterwandert, wie die Occupy-Bewegung.

    Übrigens sah ich letzthin einen Beitrag von einem Milliardärs-Erben (Gamble), der auch so schöne utopische Idyllen verbreitet. Ich glaube davon kein Wort. Wenn Peter Schiff (ja eben auch ein Erbe) wunderschöne volkswirtschaftliche Reden hält, bin ich sehr kritisch. Cui bono? Der sägt doch auch nicht den Ast ab, auf dem er sitzt. Aber viele beten ihm nach, ja was erwarten die denn? Verbesserungen? Gehirngewaschene Schafe.

    Wir dürfen Privatisierungen der Infrastrukturen nicht zulassen, da stimme ich Ihnen zu. Wir sollten sie sogar rückgängig machen, E-Werke, Wasserwerke, Gaswerke, sozialer Wohnungsbau der öffentlichen Hand, Autobahnen, Schienenverkehr und Überflugsrechte dürfen nie globalisiert und meistbietend verhökert werden.

    Die Effizienz der Beamten muss wieder überwacht werden, damit das Argument entfällt, dass Firmen die Verwaltung besser und preiswerter machen können.

    Solveigh Calderin möchte sogar die Abschaffung aller Nationen. Denkt sie denn, dass die UNO einen einheitlichen Weltstaat zum Wohle der Menschheit führen würde?

    Schaut auch BanKiMoon an, wie er als künftiger Weltherr am diesjährigen Opernball in Wien seine Enkelin als Debütantin den künftigen Untertanen vorstellt. Lächerlich zu glauben, dass er es besser mit den Unterdrückten in dieser Welt meint.

    • federleichtes
      Juni 18, 2012 um 1:21 pm

      Du sprichst einen sehr wichtigen Punkt an: Aufmerksamkeit.

      Und ich glaube, es ist sehr wichtig zu lernen, Menschen/Ideen/Projekten nicht einfach zu folgen – das können Kinder gar nicht früh genug lernen, ein Gefühl/Intuition dafür zu entwickeln, was richtig (lebensfreundlich-konstruktiv) und falsch (lebensfeindlich-destruktiv) ist. Intuition ist oder ist eine Folge von Bewusstsein.

      Ich werde Deine Anregung bei „Scharlatanerie und Parasitentum“ aufgreifen.

      Vielen Dank.

      Wolfgang

      PS.
      Am Rande: Wir können uns von der Vorstellung befreien, wir könnten etwas im Außen verändern, ohne dabei auch unser Inneres zu verändern.
      Und: In Leben ist die Frage eingewoben, auf die Folgen seines Handelns zu achten.

  1. Juli 23, 2011 um 11:13 am
  2. Juli 31, 2011 um 2:42 pm

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