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Haben wir den Mut zur Wahrheit verloren? Oder sind wir dabei, ihn zurückzugewinnen?

Ist es nicht an der Zeit, selbst Verantwortung zu übernehmen für die Dinge, die in der Welt in unserem Namen im Kampf gegen den Terror, den wir mit unserer Wirtschaftskultur selbst verursacht haben, passieren?

Können wir uns noch ins Gesicht sehen, nun wissend, was da passiert, weil wir nicht mehr wegsehen?
Müssen wir Älteren uns nicht wundern, wenn unsere Jugend sich nicht mehr für Politik interessiert, während wir all die Jahre zugesehen haben, wir unsere Welt immer weiter abgewirtschaftet, ja entmenschlicht wurde, nur um immer mehr Profit durch mehr Umsatz zu machen, koste es, was es wolle, auch unsere Gesundheit?
„Nur unsere Taten zählen“, hat mir ein Freund in den letzten Tagen häufiger gesagt. „Was bringt es Dir, nur zu lesen, Dich nur zu informieren und immer nur ärgerlich den Kopf über die vielen Fehlentscheidungen zu schütteln?“
Aber so wie es aussieht, haben wir bald Alle viel zu tun, wenn unser Geldsystem endgültig zusammenbricht. Griechenland ist ja so nicht zu retten. Und da alles miteinander verflochten ist, werden wir in unserem Land auch bald so weit sein. Noch mehr Schulden können auch wir wie die USA nicht mehr stemmen.
Packen wir es also an, wenn es so weit ist. Eine Krise ist immer eine gute Chance, etwas zu ändern. Hoffentlich dann aber in die bessere Richtung. Mit mehr echter Demokratie. Und so wie es aussieht, wohl auch weltweit. Der Globalisierung sei dieses Mal Dank?
Der Mittelmeerraum hat schon begonnen, den Mut zur Wahrheit zurückzugewinnen. Zwar berichten unsere Standardmedien nur sehr bruchstückhaft, aber es gibt daneben inzwischen viele ander Informationsquellen, die mehr berichten. Eine davon ist der schon seit 23 Jahren aktive Verein „Mehr Demokratie“ in Deutschland. In seinem heute veröffentlichten Artikel Revolutionen rund um das Mittelmeer berichtet ein Mitglied des Vereins, der in Barcelona war:

„Man kann das Protestcamp mit einer großen, lebendigen Zeltstadt vergleichen. Tag und Nacht finden Aktivitäten statt. Einige Demonstranten haben ihr Matratzenlager sogar in die Bäume verlegt. Diese Methode erinnert an die Proteste rund um Stuttgart 21.“ erzählt Armin. Die Politikgegner sind buntgemischt, aber vereint durch eine dynamische Aufbruchsstimmung und Tatendrang. „Am Tag treffen sich verschiedene Kommissionen, die sich jeweils mit einem Fachgebiet beschäftigen. Themen sind zum Beispiel Recht, Medizin, Energie. In den Kommissionen werden über Probleme, Lösungsvorschläge und Forderungen diskutiert. Diese werden in abendlichen Versammlungen vorgestellt und abgestimmt. Hierbei ist es sehr wichtig, dass eine entschiedene Mehrheit den Forderungen zustimmt“. Das Camp ist gut organisiert. Experten beraten die Kommissionen mit ihrem Fachwissen. Zudem trägt eine Presseabteilung die Forderungen an die Öffentlichkeit und Medien. Die Demonstranten distanzieren sich ausdrücklich von allen Politikern und Parteien; ein Zeichen ihrer Unzufriedenheit mit der politischen Klasse.

In Spanien und Griechenland ist die Not der Jugend inzwischen hoch genug, dass das Umdenkenmüssen kaum noch anders geht. Bin ich zu vermessen, wenn ich davon ausgehe, dass es für unsere Jugend in den nächsten Monaten ähnlich schwierig wird?

Kategorien:Ethik, Gesellschaft Schlagwörter: , , ,
  1. Juni 18, 2011 um 11:34 am

    Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war kein Kommunist.
    Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war kein Sozialdemokrat.
    Als sie die Juden holten, habe ich nicht protestiert; ich war kein Jude.
    Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

    Martin Niemöller

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