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Warum Schüler unsinnig büffeln müssen – Brief eines Vaters an seine Tochter zur Erklärung

Prolog vom 29.09.2013: Wenn ich nach den Klickraten dieses Artikels beurteilen sollte, ob das Thema Schule unter den Fingernägeln brennt, dann muss ich deutlich mit ja antworten. Über 115.000 Tausend Aufrufe bedeuten ein Fünftel aller Klicks auf diesem Blog. Der Frust, das Leid und die Empörung, die ja notwendig ist, dass sich was ändert, scheint nun Fahrt aufzunehmen. Ich wünsche allen unseren Kindern, aber auch den Eltern und Lehrern, dass wir unser Bildungssystem so umgestalten können, dass ein gesundes geistiges und soziales Wachsen die Regel wird!

Den Eltern und zukünftigen Eltern möchte ich die folgende Erkenntnis des Dichters von Gibran Khalil Gibran vor der weiteren Lektüre mit auf den Weg geben: Eure Kinder sind nicht Euer Besitz, sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst…

Und noch etwas: inzwischen gibt es eine ganze Reihe „Köpfe“, die zur Um-Bildung unseres Schulsystem aufrufen. BeGEISTerung solle im Vordergrund stehen. Siehe die Referenten des diesjährigen Vision Summit EduAction.

Den im Folgenden aus Gründen des Urheberrechts nur kurz hier wiedergegebene, sehr ergreifenden Brief, hat Henning Sußebach an seine Tochter geschrieben und auf Zeit Online veröffentlicht. Der Vater zeigt an vielen Punkte auf, woran so Vieles auch in der Aus-bildung krankt.

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Liebe Marie,

erinnerst Du Dich noch an den Tag, an dem wir das letzte Mal im Kino waren? An diesen Tierfilm, den Du so gerne sehen wolltest? Wie hieß der bloß noch? Ich glaube, Tiger, Bären und Vulkane, aber sicher bin ich mir nicht. Denn unser Ausflug liegt schon ein paar Monate zurück. Wir sind alle zusammen mit dem Auto in die Stadt gefahren: Mama, Henri, Du und ich. Es war Sonntag – und wir beide saßen mit Karteikarten auf der Rückbank und haben gelernt. Wie viel ist 172? Wie viel 56? Wie viel 28? Auf dem Weg nach Hause dann noch mal: 27 = 128, 182 = 324, 56 = 15625. Und noch mal. Und zur Sicherheit gleich noch mal.

Wir hätten so viel Sinnvolleres tun können auf unserem Heimweg! Den Bildern der Bären nachhängen und Bonbons lutschen zum Beispiel. In dem Zauber verweilen, den jeder kennt, der aus dem Kinodunkel ins Licht tritt – als laufe man erwachend durch einen Traum. Aber noch nicht mal an einem Sonntag ist es mir gelungen, Dich das Kind sein zu lassen, das Du sein solltest mit zehn Jahren.

Bitte mach mir diesen Mist nicht nach, wenn Du erwachsen bist, Marie!

Du merkst schon: Der Brief, den ich Dir schreibe, ist eine verzwickte Angelegenheit. Du wirst ihn genau lesen müssen, damit Du alles verstehst. Und dass Du verstehst, ist wichtig: Denn es geht um Dein Leben und um das, was wir Erwachsenen daraus machen.

Ich werde Dir von Schülern berichten, die krank werden vom dauernden Üben. Von Bildungsexperten, die Euch vorm Lernen warnen. Und von Eltern, die ihre Kinder trotzdem nicht in Ruhe lassen. Von Zeile zu Zeile werde ich wütender werden – weil ich wütend bin auf mich und auf ein Land, das Euch alle zu Strebern macht.

Deshalb habe ich meinen Brief auch nicht auf Deinen Platz gelegt, dort am Küchentisch, an dem wir morgens Einkaufszettel schreiben und abends Vokabeln lernen: Wie lautet das englische Wort für Gummistiefel, Stiefvater, Drachenfestival, Schiffsausguck, Küstenstadt, Karaoke-Gerät, Schatzkarte, Gartenschuppen, Geschmacksrichtung Hühnchen? Ich schreibe diesen Brief in der Zeitung, weil es noch 275.000 andere Fünftklässler in Deutschland gibt, die ein Gymnasium besuchen wie Du. Die gerade wie Du für die letzten Arbeiten vor den Zeugnissen büffeln. Und die wie Du trotzdem nur mit halbem Ohr diese rätselhaften Wörter hören:»Turbo-Abi«, »Schulzeitverkürzung«, »G8«.

In diesem Brief, Marie, möchte ich Dir und Tausenden anderer Schulkinder etwas verraten. Es gibt da ein paar Geheimnisse, von denen Ihr nichts ahnt, denn jedes Kind nimmt die Welt ja erst einmal als gegeben hin.

Stopp, das war zu kompliziert! Ich meine: Ein Kind hält sein Leben, so wie es ist, für ganz normal. Woher soll es wissen, dass alles auch anders sein könnte? Oder …

Ist es Zufall, dass Dein Freundeskreis nur noch aus Klassenkameradinnen besteht? Oder liegt es daran, dass Ihr im selben Rhythmus lernt und lebt?

Wie viel Platz wird Dir Dein Alltag für Liebeskummer lassen? Für die Pubertät? Für den Aufstand?

Wird Dir jemals ein Lehrer erzählen, dass das Wort Schule aus dem Griechischen stammt und eigentlich »freie Zeit« bedeutet?

Warum wird das Buch einer verkniffenen chinesisch-amerikanischen Mutter, die über das Drillen ihrer Töchter schreibt, in Deutschland ein Bestseller? Wieso beschäftigen wir uns ernsthaft mit dieser Frau, die ihren Töchtern droht, die Stofftiere zu verbrennen, wenn sie faul sind?


Weißt Du, was passiert ist, als eine Mutter eine Lehrerin Eurer Schule gefragt hat, ob sie nicht zu schnell zu viel von Euch verlangt? Da hat die – eine junge Frau – kühl geantwortet: »Sicher ist dieses Lernen nicht für alle geeignet.« Und Klassenarbeiten seien dazu da, »zu überprüfen, ob die Kinder auf dem Gymnasium Schritt halten können«.

Weißt Du, was das bedeutet, Marie?

Ich werde es Dir erklären: Es bedeutet, Klassenarbeiten sollen nicht nur helfen, herauszufinden, welcher Schüler wo Schwächen hat – um dafür zu sorgen, dass es beim nächsten Mal besser klappt. Nein: Sie sollen auch helfen, die Schwächsten zu finden und auszusortieren. Deine Lehrerin hat nicht gesagt, es gehe ihr darum, alles zu tun, »damit« Kinder Schritt halten können. Sondern zu prüfen, »ob«.

Meine Lehrer hätten so etwas nie gesagt, selbst wenn sie heimlich so dachten. Du wirst das verrückt finden, Marie: Als vor 25 Jahren in der Ukraine ein Atomkraftwerk explodierte, schickten meine Lehrer uns zum Demonstrieren! Als vor 20 Jahren in Kuwait ein Krieg losbrach, ließ mein Mathelehrer uns aus Protest nicht mit Äpfeln und Birnen rechnen, sondern in der Recheneinheit »Leichensäcke«. Das hört sich ziemlich grotesk an, was? Einige meiner Lehrer sprachen im Unterricht voller Pathos, wie ein Pastor in der Sonntagspredigt. Aber es ging ihnen darum, uns mitzureißen. Uns zu gewinnen. Wenn auch nur für ihre eigenen Träume von einer besseren Welt.

Und jetzt? Spricht diese Lehrerin wie die Jurypräsidentin einer gigantischen Castingshow – in der nicht Werbeverträge vergeben werden, sondern Lebenschancen. Und zwar nur an die Passgenauen.

Das macht mich wütend. Sie hat G8 zwar nicht erfunden – aber sie hat sich damit abgefunden. Mindestens das. Andererseits gibt sie nur den Druck weiter, den andere aufgebaut haben. Und zu diesen anderen gehöre – ich. Die Versuchung, mit Dir auf die Jagd nach immer besseren Noten zu gehen, ist so groß. Wie schnell passiert es, dass ich eine gute Klassenarbeit nach den wenigen Fehlern ausspähe, nicht nach den korrekt gelösten Aufgaben. Es gibt Eltern in unserer Stadt, die ihren Kindern das Taschengeld kürzen, wenn die keine Eins heimbringen. Die mit all den fleißigen Chinesenkindern drohen, von denen wir noch gar nicht wissen, ob die ganze Paukerei sie wirklich schlau macht oder bieder.

Wenn Du Geburtstag feierst und Deine Klassenkameradinnen kommen, freue ich mich über all die wohlerzogenen Kinder, die den ganzen Tag keine Mühe machen – aber ich wundere mich auch. Wo sind die Querköpfe, die Nervensägen, die Rotznasen? Wer hat sie aussortiert?

Vor fünf Jahren hat ein Kollege in dieser Zeitung geschrieben, er finde die verkürzte Schulzeit gut, denn es sei noch »Luft im System«. Schon möglich. Aber ist Luft schlecht? Ist sie nicht zum Atmen da? Und lernt, wer atmen darf, nicht sogar mehr? Oder jedenfalls lieber?

Das Gerede von der »Luft im System« ist gefährlich, Marie. Man kann so lange sagen, es sei »Luft im System«, bis keine mehr da ist.

Wir haben Euer Leben den Regeln der Wirtschaft unterworfen: In einem Motor kann Luft schaden, in einem Windkanal ist Druck sinnvoll. Aber wer hat uns eingeredet, dass ein beschleunigtes Leben ein gelingendes Leben ist? Wenn ich sehe, wie Manager auf Flughäfen und in ICE-Abteilen ihre iPhones und BlackBerrys anstarren, auf eingehende Mails so angewiesen wie Junkies auf Rauschgift, und wenn ich höre, wie sie endlos von »Quartalszahlen«, »Jahresabschlüssen« und der Marktforschung faseln, die sie nur noch »Mafo« nennen, wie sie von Hamburg nach München fahren, ohne dabei auch nur einen einzigen eigenen Gedanken zu äußern – dann glaube ich, wir sollten uns kein Beispiel an ihnen nehmen.

Du sollst wissen, warum ich Dich manchmal dressiere wie ein Dompteur sein Zirkuspferd – und mir dann wieder auf die Lippen beiße, statt nach der Schule zu fragen.

Du sollst wissen, dass Du mehr bist als die Summe deiner Leistungen.

Du sollst wissen, warum es manche Deiner Freundinnen nicht schaffen werden, warum ihre Stühle irgendwann leer bleiben werden.

Du sollst wissen, dass Depression keine Kinderkrankheit ist.

Du sollst wissen, dass die Schulzeit mehr sein sollte als ein Trainingslager fürs Berufsleben.

Du sollst wissen, dass die Gesellschaft an denen wächst, die sie infrage stellen.

Und Du sollst wissen, dass ich Dir das gestohlene Jahr zurückgeben möchte. An jedem Tag, an jedem Wochenende – und nach dem Abitur. Am besten kein Auslandsstudium. Kein Sommerseminar. Sondern einfach eine Reise ohne Weg und ohne Ziel. Denn wenn Du Deine Seele bis dahin nicht in einem Klassenzimmer gefunden hast, wirst Du sie auch in einem Hörsaal nicht finden. Aber vielleicht tief in einem finnischen Wald, mitten in einem äthiopischen Dorf oder auf der Sitzbank eines amerikanischen Überlandbusses. Irgendwo, irgendwann, wenn Du es nicht erwartest.

Und ich hoffe, dass Du mich dann, wenn es losgehen soll, nicht mitleidig anschaust und sagst: »Das ist doch reine Zeitverschwendung.«

Dein Papa, Henning Sußebach
zum kompletten Artikel auf Zeit Online

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Eine noch strukturiertere Kritik hatte der US-Amerikanische Lehrer John Taylor Gatto in seinem Buch “Die sieben Lektionen des Lehrers“niedergelegt: Kritik an unserem Schulsystem: darüber, wie wir unsere Kinder verdummen …

Es gibt bei aller Kritik aber auch schon viel versprechende Alternativen in unserer Schulen, denen ich in diesem Artikel und weiteren Kommenterierungen daran nachgegagngen bin: So sollte Schule funktionieren: über Erfahrungsräume im Umgang mit Unvorhersehbarem und Übernahme von Verantwortung,

Auch Wolfgang und Susanne, die hier mit lesen und schreiben, haben sich Gedanken über eine Reform gemacht:  Entwurf einer neuen Struktur von Schulfächern und passender Lehrerskills

Nicht zuletzt darf man doch auch mal fragen: Geht das: Demokratie in der Schule?

Nachtrag vom 30.09.2013: Ausschnitte aus Prof. Gerald Hüthers Vortrag darüber, was wir tun können, um Bildung gelingen zu lassen:

  1. April 19, 2012 um 9:13 pm

    Der Gehirnforscher Prof. Gerald Hüther:

    Es wird Zeit zu erkennen, dass Bildung etwas ganz anders ist als stupides Auswendiglernen.

    Das Gehirn entwickelt sich am besten im Zustand der Begeisterung, und das sein Leben lang!

    Hinweis: Es werden 2:21:37 angezeigt, aber es ist doch „nur“ eine Stunde. Der Rest ist eine Wiederholung.

  2. April 20, 2012 um 9:25 am

    ‎Die Anforderungen von Schule, Studium und Arbeitsplatz kommen nicht allen Menschen gleichermaßen entgegen. Besonders die Talente der introvertierten mit Dominanz der rechten Hemisphäre lassen sich oft nur schwer in den Alltag übersetzen, wo Analysefähigkeit und verbale Stärken gefragt sind. Wenn man jedoch versteht, wie das eigene Gehirn funktioniert, spart man sich die Scham- und Schuldgefühle, die aus der Inkompatibilität resultieren können. Man kann sich mit diesem Wissen eher eine Umwelt schaffen, die einem entgegen kommt. Man kann sogar dazu übergehen, die eigenen Talente höher zu schätzen, als an den eigenen Schwächen zu leiden. Und darum geht es schließlich auf dem Weg durchs Leben: Sich selbst annehmen, lieben und das beste daraus machen.

    gefunden in Introvertiert: linksrum oder rechtsrum?

  3. April 28, 2012 um 1:25 am

    Kann es sein, dass wir gerade unter dem Nachwuchs der 68-er leiden? Jenen Kindern, denen man damals das Konzept der antiautoritären Erziehung angedeihen ließ? Die nicht gelernt hatten, was ihr Handeln beim jeweils anderen Menschen auslöste? Die also Empathie nicht lernen konnten und damit ähnlich stehen wie die Psychopathen? Und die nicht mehr die Werte der Humanisten kennenlernen durften, da diese Themen aus dem Schulkanon gestrichen wurden, weil ihre Eltern mit diesem Wissen zu aufmüpfig waren?

    Um das Thema Wissen und Macht dreht sich ein Artikel von Armin Rütten, der darin schreibt:

    Wie generieren wie unser Wissen?

    Letzten Endes tut jeder Mensch beim Prozess der Wissensgenerierung das, was etwa religiös (Ergänzung: ideologisiert) fanatisierte Eltern zu tun versuchen, die ihre Kinder nach „eigenen“ Vorstellungen erziehen, um sie gegen Wissensinhalte abzuschirmen, die ihren persönlichen Glaubensvorstellungen zuwiderlaufen.

    Die Ergebnisse sind auch jeweils gleich: Eine Beschränkung des Wissens, damit des Denkens, die sich natürlich wiederum in einer Beschränkung des Handelns ausdrücken muss; denn was man nicht einmal denken kann (oder sich denken zu dürfen erlaubt), das kann man nicht in die Tat umsetzen. Und das heißt nichts anderes als: eine Reduzierung der Kreativität und damit der Möglichkeit zur praktischen Lebensbewältigung.

    Wie sich zeigt, wird unser Denkapparat mit einem Betriebssystem basierend auf passenden/begrenzenden Worten versehen, dass entweder frei oder manipuliert in die Welt blickt.

    • federleichtes
      April 28, 2012 um 2:45 am

      Ich möchte mich beziehen auf eine der letzten Aussagen Guidos. Er sagte,dass, solange die Chaos-Struktur angelegt ist, ein Wandel nicht möglich ist. Das sehe ich auch so. Die KInder werden ruhig gehalten, abgelenkt, auf einem Level kontrollierten Widerstands gehalten. In einem gewissen Sinne heißt das: Störe die Glucke nicht beim Brüten.

      Die „Erwachsenen“ könnten allerdings einen sehr wichtigen Beitrag leisten, ohne jedes Aufsehen zu erregen: Ihr Leiden beenden, bedeutet, mit ihrer Energie nicht mehr Schweine füttern, die in einer veganen Gesellschaft fehl am Platze sind.

      Unsere „Betriebssysteme“, nun ja, können wir nicht davon ausgehen, dass sie perfekt funktionieren und den Output zeitigen, der dem Input adäquat ist?

      Insofern verweise ich gerne wieder auf die Natur. Sie ist auch ein Output, frei von Feindschaft und Destruktivität, streng ausgerichtet auf Nutzen, freiheitlich ausgerichtet auf Gestaltung, konditioniert durch eine klare Ordnung und eine Bandbreite an Flexiblität, die das Böse erlaubt und das Gute nicht verhindert. Bedeutet: Ohne Gefühl geht gar nichts!

      Wolfgang.

  4. Mai 4, 2012 um 5:45 pm

    Der Weg ist vorgezeichnet

    Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans oft nur schwer. Ein Gespräch mit dem Würzburger Psychologen Wolfgang Schneider

    Zwanzig Jahre lang beobachteten Forscher die Entwicklung von 200 Kindern. Ihre weltweit einzigartige Studie nannten sie Logik – Longitudinalstudie zur Genese individueller Kompetenzen. Die Mammutuntersuchung begann am Max-Planck-Institut für psychologische Forschung in München und wurde später unter der Leitung von Wolfgang Schneider von der Universität Würzburg fortgeführt. Bis zu dreimal im Jahr wurden die Kinder in mehrstündigen Tests untersucht. Die Forscher befragten auch Eltern und Freunde.

    In der Gesamtschau der Studie lautet die wichtigste Schlussfolgerung: Wir müssen die frühe Phase des Lebens sehr viel ernster nehmen. Die Jahre vor der Schule sind die prägendsten für die Entwicklung eines Menschen. Hier müssen wir Defizite erkennen, hier muss Förderung einsetzen. Geschieht das nicht, scheinen die Pfade des Lebens ziemlich vorbestimmt. Bei der Rechtschreibung zeigt sich das besonders.

  5. federleichtes
    Mai 5, 2012 um 5:52 pm

    „Wir müssen die frühe Phase des Lebens sehr viel ernster nehmen.“

    Und, was gibt’s da zu meckern? Sie WIRD sehr ernst genommen, leider von den falschen „Menschen“. Sie greifen früher nach den Wesen, um sie zu manipulieren, deformieren und so Grundlagen zu legen, um Unmenschen zu züchten.

    Spruch des Tages:
    „Unser Kind reagiert auf Schläge nicht mehr, was soll bloß aus ihm werden“.

    Wolfgang

    • Mai 5, 2012 um 7:06 pm

      Wieder gruselig!

      • federleichtes
        Mai 5, 2012 um 7:51 pm

        DAS sind doch nur Worte!
        Hamburger Avbendblatt, 26.06.2012
        „Dem Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) sind in den ersten vier Monaten dieses Jahres deutlich mehr Verdachtsfälle auf Kindesmisshandlung gemeldet worden. „In der Zeit von Anfang Januar bis Ende April ist die Zahl der Meldungen deutlich angestiegen“ sagte Dragana Seifert, Koordinatorin des Kinderkompetenzzentrums am UKE. „Wir haben knapp 100 Kinder auf Verdacht auf Misshandlungen untersucht, so viele wie im vergangenen Jahr in sechs Monaten.“ In den meisten Fällen habe sich der Verdacht bestätigt.“Überwiegend sind die Kinder Opfer von körperlicher Gewalt geworden“, sagt Seifert. Die Tatverdächtigen seien meist die Eltern gewesen.“ Zitatende

        Körperliche Misshandlungen sind furchtbar, aber, weil sie leicht zu entdecken sind, „nur“ eine Misshandlungsmethode, derer, die ihre Aggressionen nur wenig kontrollieren können. Die Misshandlungen auf der psychischen (seelischen) Ebene kommen als Spitze des „Eisbergs“ in der Schule ans Licht.

        Focus:
        „Schläge und andere körperliche Gewalt müssen jedes Jahr vier bis 16 Prozent der Kinder in den reichen Ländern erdulden. Bis zu 15 Prozent der Mädchen und fünf Prozent der Jungen werden Opfer sexuellen Missbrauchs vor ihrem 18. Lebensjahr. Ein bis 15 Prozent werden bedrohlich vernachlässigt, so dass ihre emotionalen und körperlichen Grundbedürfnisse nicht erfüllt sind. „ Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass Vernachlässigung in der Kindheit ebenso schädlich sein kann wie körperliche Misshandlung oder sexueller Missbrauch“, heißt es in dem Bericht. Psychische Misshandlung, durch die sich Kinder wertlos, unerwünscht oder verängstigt fühlen, betreffe pro Jahr rund zehn Prozent aller Kinder.“ Zitatende.

        Wir haben hier im Stadtteil einen Jugenddienst. Ich habe mit dem Leiter gesprochen, gefragt: „Gehen sie auch mal in die Familien?“
        „Natürlich (entrüstet!) nicht, da ist das Sozialamt vorgeschaltet“.
        Feige Schweine, ich sage das mal deutlich, sind das, die so genannten selbst-ernannten Sozialarbeiter.

        Und der Focus schreibt
        … dass Vernachlässigung in der Kindheit ebenso schädlich sein kann wie körperliche Misshandlung oder sexueller Missbrauch, …

        Sein KANN? Das ist noch furchtbarer, die Schädigung eines Menschen durch Misshandlungen in frage zu stellen.

        Kinder fürchten sich vor einer FLIEGE? Behütet aufgewachsen?

        Manchmal, ich sag’s Dir, ….

        Wolfgang
        gruselt’s auch nicht, wenn eine Hornisse in 10 Zentimeter Abstand an seinem Kopf hin und her fliegt.

  6. Michael Molli
    Mai 5, 2012 um 6:11 pm

    Vor vielen Jahren habe ich irgendwo gelesen, daß die ersten drei Monate eines Neugeborenen weitgehend über die Entwicklung eines Kindes entscheiden. Man solle sich von der Passivität eines so jungen Menschen nicht täuschen lassen, wieviele Eindrücke und Reize das frisch geborene Gehirn fähig ist aufzunehmen und zu verwerten.
    Daran erinnere ich mich gerade, als ich das Zitat von oben aus der Longitudinalstudie gelesen habe.

    • federleichtes
      Mai 5, 2012 um 6:45 pm

      Ja, Michael. Schauen wir ins Römische Reich, kamen dort bereits, wenn man Stanislav Grof Glauben schenkt, traumatisierte Kinder zur Welt, beeinflusst und geprägt zusätzlich auch von den Erlebnissen der Mutter während der Schwangerschaft.
      Werfen wir auch einen Blick auf die Reinkartionstheorien, die postuliert, ein disponiertes Wesen komme auf die Erde, bleibt uns kaum eine andere Feststellung, als dass die grundsätzlichen Grundlagen für eine irdische Existenz strukturell und informell auf allen Seins-Ebenen geprägt sind und hier (nur) noch mit weiteren Informationen „gefüttert“ werden.

      Ja, Passivität, man sollte sich nicht täuschen lassen. Auch nicht von Aktivität!

      Herzliche Grüße auch an Dich.

      Wolfgang

    • Mai 5, 2012 um 8:01 pm

      Nicht nur 3 Monate nach der Geburt, sogar 3 Monate nach der Empfängnis geht der Einfluss des Außens schon los … wenn Mütter die berühmte Übelkeit plagt, und Nahrungsaufnahme zur Qual wird, dann nur, weil es bei der Zellteilung nach drei Monaten zu einer wichtigen Entwicklung kommt und durch die Übelkeit der Mutter das Einbringen von unerwünschten Substanzen reduziert wird. Die Entwicklung im Innern ist immer in Abhängigkeit vom Außen, nur das später leider mitunter noch schlagende Hände hinzukommen, oder aber Aufmerksamkeit abhanden kommt …

      Gruß Guido
      http://www.gold-dna.de

  7. Juni 1, 2012 um 9:22 am

    Viele Eltern meinen, ihre Kinder schon so früh wie möglich in die Krippen zu geben, weil ihre Kinder so schon möglichst früh auf das „Leben“ vorzubereiten (und auch Arbeiten gehen zu können):

    Fremdbetreuung der eigenen Kinder kann so herrlich praktisch sein, da Frau oder Mann in den Genuß gelangen, endlich sich sorgenfrei beruflich weiter zu entwickeln, während die heranwachsenden Anwärter im Sinne einer selbstgefälligen Wirtschaft geeicht werden für die Zukunft: Viel Wissensvermittlung im trauten Miteinander, um frühestmöglich entsprechend gewappnet zu sein für die Herausforderungen der schönen neuen Berufswelt, oder?

    gefunden in: Kinderbetreuung: ein Politikum im Sinne einer selbstgefälligen Wirtschaft, von Lotar Martin Kamm

  8. Juni 6, 2012 um 11:08 pm

    Die Übertragung betriebswirtschaftlicher Prinzipien auf Lehre und Studium verlangt eben nach Messen, Vergleichen, Output-Kennziffern, Workload-Berechnungen, Prüfungen, Evaluierungen oder Akkreditierungen etc.
    Stefan Kühl wendet sich zwar dagegen, von einem „neoliberalen Umbau“ der Hochschulen zu reden, weil sich die Hochschulangehörigen damit nicht angesprochen fühlen, was er aber beschreibt und kritisiert, ist nichts anderes als die Übertragung der Wettbewerbs- und Marktideologie auf Lehre und Studium.

    Werden wir als Nächstes auch unsere Schulen streamlinen?

  9. Juni 8, 2012 um 7:15 pm

    Das wirkliche Talent eines Kindes wird nicht erfasst

    Kronigs Schweizer Kollege Anton Strittmatter macht auf eine weitere Ungereimtheit im deutschen Schulwesen aufmerksam. „Da werden die Schulen in die Selbstständigkeit entlassen, sollen möglichst individuell fördern und auf die Entwicklung jedes einzelnen Kindes eingehen“ – aber am Ende soll dann doch alles wieder in ein einheitliches Notenschema gepresst werden. „Das passt nicht“, sagte Strittmatter jüngst auf einem Ganztagsschulkongress in Berlin.

    Schulnoten ließen auf einen Blick erkennen, ob ein Kind im Fach X bei der Lehrperson Y in der Klasse Z ein eher guter, gerade so genügender oder eher schlechter Schüler sei. „Unbekannt aber bleibt, was das Kind wirklich kann, welche konkreten Teilfähigkeiten es auszeichnen, welche Teilschwächen da noch einer Verbesserung harren“, bedauert Strittmatter. Unbekannt bleibe auch, ob die Note eher streng oder eher großzügig verteilt worden sei, ob dasselbe Kind nicht bei einer anderen Lehrerin, einem anderen Lehrer und in einem anderen Klassenumfeld eine völlig andere Note erhalten hätte.

    Die Notenkritiker haben jüngst Argumentationshilfe durch eine Untersuchung im Auftrag der Vodafone-Stiftung erhalten. Der Potsdamer Bildungsforscher Kai Maaz fand darin mit Kollegen aus Tübingen und der Schweiz heraus, dass Schüler aus Elternhäusern einer niedrigeren sozialen Schicht bei gleicher Leistung schlechter benotet werden als Kinder besser gestellter Eltern. Bei weiterführenden Schulempfehlungen zum Ende der Grundschule wirkten sich die subjektiven Einschätzungen der Lehrer besonders nachhaltig für die Bildungskarriere aus. Zu 25,5 Prozent ließ sich der Nachteil der sozial schwächeren Schüler durch die ungleiche Notenvergabe erklären.

    gefunden in: Schulnoten sind häufig ungerecht

  10. Juni 18, 2012 um 11:13 pm

    „Haltet euch an euch selber fest“

    Der Pädagoge Wolfgang Bergmann und seine Botschaft an junge Menschen
    Wolfgang Bergmann im Gespräch mit Jürgen Liminski
    Der Pädagoge und Psychologe Wolfgang Bergmann warnt vor einer Überangepasstheit, an die sich auch Eltern und Lehrer orientieren. Die Deutschen neigten dazu, zu akademisch und mit Rezepten bewaffnet in die Erziehung zu gehen.

    Die Deutschen erklären die Kinder sozusagen zu Gegenständen, die man so und so behandeln muss, und dann wird schon was Ordentliches daraus werden. Das ist natürlich ein Irrtum. Man kann Kinder überhaupt nicht behandeln, so und so nicht und anders herum auch nicht. Man kann überhaupt nicht einwirken in dieser Form auf die kleinen Menschen, sondern man kann sie nur sozusagen zu sich selber kommen lassen, und dieses zu sich selber kommen, das ist ein schwieriger Vorgang für Eltern und für die Kinder selber auch, schwierig auch in dem Sinne, dass die Kinder ja eine Erfahrung ihrer selbst machen müssen, die über das hinausgreift, was sie jetzt gerade sind. Sie sind immer mehr, als sie in diesem Moment sind, und dies zu erfahren und zu erfüllen, das ist schwierig genug und reicht aus für ein Erziehungskonzept. Leider tun wir, die Eltern, wir Lehrer, wir Pädagogen insgesamt, da immer noch irgendwelche gute Ratschläge oder irgendwelche optimalen Bezugspunkte hinzu, und das schadet.

    • Michael Molli
      Juni 19, 2012 um 4:49 am

      Mir fällt gerade eine Begebenheit dazu ein, die ich früher mal während einer Aushilfsarbeit in einem Buchladen hatte. Im Keller arbeitete ich zusammen mit einer älteren Frau (schätzungsweise 65). Wir sortierten die neuen Bücherlieferungen und versahen sie jeweils mit Aufklebern. Während der Arbeit wechselten wir natürlich immer ein paar Worte. Dabei merkte ich regelmäßig wie stark autoritär ihre ganze Denkensweise war und bei einem bestimmten Punkt warf sie mir sogar mangelnden Respekt vor. Ich fragte nach, was sie genau damit kritisieren wollte und sie erklärte, daß ich (gefälligst) vor ihrem Alter Respekt haben solle – vermutlich um ihr „weniger“ zu widersprechen.

      Daraufhin habe ich spontan geantwortet, daß meiner Meinung nach Alter nichts mit Respekt zu tun hat. Sie schaute mich sekundenlang unglaubwürdig an, wie ich ihr denn schon wieder (!) widersprechen konnte. Dann fuhr ich fort und gab ihr ein plausibles Beispiel: wenn ich einem sehr jungen Menschen begegne, der mir sehr freundlich und höflich erscheint, dieser all mein Respekt bekommt, den ich geben kann – während ein alter bzw älterer Mensch der mir ungezogen und frech erscheint, von mir nicht den Funken an Respekt zu erwarten hat. Somit also finde ich, daß sich Respekt nicht automatisch mit dem Alter linear erhöht.

      Dazu noch ein Erlebnis von mir ein paar Jahre später. Ich befand mich in einem vollen Bus auf einem Sitzplatz. Nichts ahnend und an einem veregneten Tag aus dem Fenster schauend spürte ich plötzlich einen starken Schmerz am meiner rechten Wade. Ein (sehr) alter Mann, welcher auf der andern Seite (auch an einem Fenster) nahe zu mir saß, hatte mit seinem Stock mit voller Wucht ohne jegliche Vorwahrnung auf mein Bein eingehauen. Es tat ungewöhnlich weh und ich hatte minutenlang ein Schwerzverzerrtes Gesicht. Es dauerte ein paar Sekunden bis ich verstanden hatte was dieser Mann von mir wollte. In dem vollen Bus standen einige Leute im Gang rum, weil es keinen freien Sitzplatz mehr gab und der Mann deutete darauf hin, daß ich einer jungen Frau gefälligst den Sitz anbieten solle (!!). Ich zögerte etwas, weil ich große Schwierigkeiten hatte den Grund für seine arge Aggression verstandsmäßig aufzunehmen, dann fragte ich aber die junge Frau, welche nahe neben mir stand, ob sie sich hinsetzen möchte. Sie gab mir freundlich zu verstehen, daß sie das nicht möchte. Der offensichtlich schlechtgelaunte Mann blaffte mich wieder an, warum ich immer noch sitzen bliebe und holte mit seinem Stock wieder aus – ich reagierte schnell und packte das Ende seines Stocks und zo es ihm weg.

      Da er wohl schlecht hörte, erklärte ich mit relativ lauter Stimmer, daß ich die Dame soeben gefragt hätte, sie jedoch das Angebot verneinte. Er schaute mich an, weil ich seinen Stock ihm drohend gegenüber hielt. „Was fällt ihnen eigentlich ein, mir so weh zu tun?“, fragte ich. „Warum konnten Sie mich nicht einfach ansprechen?“ Er tat nicht so als ob er eine Antwort darauf hätte. „Soll ich Ihnen mit dem Stock auf auf ihr Bein hauen?“
      Er wehrte ängstlich mit seinen Händen ab, um sein Kopf zu schützen weil ich mit einer Drohgebärde vor ihm stand – inzwischen hatte wir die gesamte Aufmerksamkeit der Fahrgäste. Dann übergab ich ihm den Stock mit der Bemerkung, daß er das nie wieder machen solle. Ohne zu übertreiben hatte ich Schwierigkeiten die Schmerzen meines Beines zu ignorieren, was sich auch in meinem Gesicht ausdrückte.

      Ich möchte dazu bemerken, daß mir dies wären jungen Jahren passierte, ich hatte damals ein nur sehr geringes Selbstwertgefühl und das vehemente Auftreten in der Öffentlichkeit fiel mir außerordentlich schwer. Würde mir das heute passieren, hätte ich den alten Mann bei der Polizei angezeigt und wegen den Schmerzen eine Entschädigung gefordert.

      Soviel zu Respekt älteren Leuten gegenüber.

  11. Juli 9, 2012 um 11:01 pm

    Ich liebe die Vera F. Birkenbihl. Leider ist sie inzwischen nicht mehr live unter uns, aber per Video dürfen wir ihren inspirierenden Geist noch immer genießen. Hier erklärt sie uns, warum UNSERE Schulen scheitern MÜSSEN:

  12. Juli 28, 2012 um 8:08 pm

    „Wir werden Zeugen eines Wandels, der sich vor allen Augen vollzieht. Denn der Aufstand der Narren des Wiederstand gegen die Thoren der Macht hat bereits begonnen.“
    Es geht um nichts anderes, als unsere Verblödungssyteme wieder in gen Griff zu bekommen. Anstallt uns weiter zu verbilden wollen wir wieder gebildet werden. Nicht Quantität zum Folgen sondern Qualität zum Mündigsein ist angesagt, oder? Ein sehr empfehlenswertes Video zum Status Quo unserer Verblödung und wie wir da wieder rauskommen können

  13. Juli 29, 2012 um 12:25 am

    Autsch: „Schule wird von Schülern als Bildungs-KZ wahrgenommen“, ca. 20. Minute (Danke an Solveigh, die das Video auf FB empfohlen hatte):

    Auch der Ich-gestärkte Mensch kommt ab 23:30 zur Sprache!

  14. Juli 29, 2012 um 9:52 pm

  15. Juli 31, 2012 um 11:07 am

    Und wenn unsere Kinder auf allen Kanälen vorgeführt bekommen, wie prickelnd es ist, ein Star zu werden, dann kommt am Ende das hier raus:

    „Generation Casting“ im Stress

    Der Beste gewinnt, kriegt den Studienplatz, den Job. Wonach sollten wir uns denn sonst richten, wenn nicht nach Leistung? Der Wettbewerb gehört schlicht dazu. Doch viele meiner Altersgenossen treiben dieses Casting exzessiv voran.

    Wenn aber Abiturienten mit einem Einserdurchschnitt befürchten, keinen Studienplatz zu kriegen und frische Akademiker keinen Job finden, läuft etwas falsch. Dass sich dann jeder ein besseres Ich zusammenkleistert, um seine Chancen zu steigern, ist nachvollziehbar – und traurig.

    Es wird immer klarer, dass solch eine Systematik nur krank machen kann. Es wird Zeit, dass wir wieder den Wert der Kooperation in den Vordergrund stellen! Ubuntu: ich bin, weil Du bist

  16. August 23, 2012 um 3:34 pm

    Kinder erleben Er-zieh-ung . Aus dieser Sicht betrachtet sieht die Welt völlig anders aus.
    Es heißt auch, die Deutschen hätten die best-dressiertesten Kinder.
    Die Erzieher versuchen einen unschuldigen Menschen durch den Wolf zu drehen – ihn durch ein Schlüsselloch zu schieben, damit am Ende ein passendes Humankapital herauskommt.
    Alles Menschliche ist vergessen.
    Als ich mein Kind aufgrund meiner Arbeitsstelle in die eine zugewiesene Kinderkrippe bringen musste – war da ein kleiner Raum zwischen zwei Türen gebaut. Eine große Glasscheibe, eine schmale Tür auf der Seite, Ohne Fenster. Gerade so groß, dass ein Gitterbettchen hinein passte. Am ersten Tag dachte ich, das wäre ein Museum – über ein Kindergitterbettchen. Am zweiten Tag waren da Windeln am Gitter festgebunden. Und am dritten Tag sah ich, dass ein kleines Kind in diesem Bettchen stand mit Windeln festgebunden und herzzerreißend schrie. Die Schreie waren zu sehen – aber nicht zu hören.
    Die studierte und gut ausgebildete Krippenerzieherin erklärte, dass sie ihr Programm nicht durchführen kann, wenn da ein Kind schreit – also wird es aussortiert – und schreien gelassen bis es nicht mehr kann . . .
    Die Behörde fragte mich: ob sie eine Auseinandersetzung mit dem Krippenpersonal führen sollten oder ob ich mein Kind in eine andere Krippe bringen will.
    Die Krippenerzieherinnen haben diesen Käfig nicht gebaut. Und es war ein neues modernes Gebäude. Kinder soll man sehen aber nicht hören – sagten unsere Eltern aus der Kriegsgeneration. – auch meine Mutter hat ihr Baby vor die Tür gestellt, bis es nicht mehr schreien konnte weil der Vater arbeiten musste und früh die Nacht herum war.
    Ich habe es anders gemacht – ich bin mit meinen Kindern ins Bett gegangen damit sie Ruhe und Schlaf finden konnten und sich nicht abgeschoben fühlen mussten und bin dann nachts aufgestanden um die Hausarbeit zu machen. Aber ich war geschieden. Eine Ehe hat diese Kinderfürsorge nicht ausgehalten.
    Ich kann noch sehr viele Beispiele erzählen über Erlebnisse von Kleinkindern in staatlichen Kindereinrichtungen – zB. dass das Kind mit Bisswunden auf dem Körper nach Hause kam. Beim Töpfen . . . ein Kind ist ein Beißer. . .
    Oder dass mein Kind das Hören aufgegeben hat – und mit einem Hörgerät von der Kindergärtnerin nur noch mehr schikaniert worden ist.
    Kinder erleben Erziehung – und die Kleinen können nicht erzählen, was sie erleben.
    Sie werden nur krank und das mindestens alle 6 Wochen. Weil sie das unnatürliche frühe Aufstehen, den unnatürlichen fremden Rhytmus stressig empfinden und chronisch müde sind. Aber was muss alles nicht stimmen, bevor ein Kind krank wird? Normalerweise versucht ein Kind immer, sich anzupassen – weil es abhängig ist.
    Wenn Linkshänder gezwungen werden rechtshändig zu agieren – ist es genauso, als wenn sich Kinder einem unnatürlichen Leben anpassen müssen und sich selbst und ihre eigenen Bedürfnisse verleugnen. Wie können sie dann ihr eigenes Potential erfahren ?
    Wie ihre Kreativität wahrnehmen und ein gesundes „aha“ Erlebnis haben ?
    Kinder sind keine Dinge, kein Besitz der Erwachsenen.
    Kinder sind Menschen, eigene Persönlichkeiten, die uns Erwachsenen nur zeitweise anvertraut sind.
    Würden wir die Kinder durch einen Fleischwolf drehen – wäre das körperlich wohl ein analoges Empfinden als diese Erziehung, Dressur und Konditionierung für eine unnatürlich kranke Welt

  17. August 23, 2012 um 6:53 pm

    Der Brief ist wunderschön und enthält sehr viele wahre Aussagen – aber was hat dieser Vater dagegen getan ? – außer sich bei seiner jüngsten zu ent-schuld-igen ?
    Ich habe zum Beispiel keines meiner Kinder in der fünften Klasse aufs Gymnasium geschickt.
    Nach der 10. Klasse haben sie einen Beruf gelernt und dann auf dem 2. Bildungsweg weiter gelernt. Holger fehlte sogar ein ganzes Schuljahr, als er den Abschluss der 10. Klasse in der Volkshochschule machte. und er sagte – endlich. Die Lehrer behandeln uns wie Erwachsene und nicht mehr wie dumme Kinder. Auf dieser Basis lässt sich leicht lernen.
    Die Jüngste besuchte die Waldorfschule – ohne Stress. Mit vielen interessanten Projekten zwischendurch. So ist sie ganz geblieben und selbstbewusst. Hat ein soziales Jahr absolviert und einen Beruf gelernt. Sollte sie Arbeits-stellen-los werden wird sie auch weiterstudieren. Aber dieser Zwischenstopp ins praktische Leben ist auch für die Persönlichkeitsreife sehr vorteilhaft. Nicht auf Zensuren kommt es an, sondern auf persönliche Erfahrungen.
    Kinder,die in den Staatsschulen kämpfen mussten – und nicht die besten Noten hatten – sind im Leben sehr viel stabiler und gereifter als Kinder, die immer vornean standen und bei der ersten Windboe des Lebens umknicken.
    Ich erinnere mich auch an ein Gespräch mit einem Psychologen des Arbeitsamtes Suhl, der mir erzählte, dass die mit den besten Zeugnissen nicht die Intelligenten sind – sondern vielmal diejenigen, von denen man das nicht erwartet. Maurer, LKW Fahrer, usw.
    Weil letztere nicht vom Ehrgeiz zerfressen werden – sind sie sehr viel erfolgreicher im Leben.
    Studium und gute Noten sind kein Zeugnis für persönliche Reife.
    Auf den Maßstab kommt es an.

  18. August 27, 2012 um 9:01 pm

    Alle Menschen sind als Individuen biologisch betrachtet ungleich. Dies hat seine Ursache nicht nur in einer jeweils anders gestalteten Umwelt, sondern auch in unterschiedlicher Genausstattung. Bildungspolitiker und -institutionen müssen davon ausgehen, dass diese Ungleichheit nicht durch Angleichung der konkreten schulischen Situation zu beseitigen ist. Aufgabe der Schule hat es zwar zu sein, allen Schülern gleiche Startbedingungen zu schaffen. Jedoch zu meinen, dass nach Schaffung dieser Bedingungen (Einheitsschule!) alle das gleiche Ziel erreichen, verkennt die Realität. Denn eine so konzipierte Schule führt dazu, dass viele Schüler permanent überfordert, ein anderer Teil in der Leistung unterfordert wird. Beides, Über- wie Unterforderung, kann negative Folgen mit sich bringen.

    gefunden in: Welche Erkenntnisse wir aus der menschlichen Stammesgeschichte für eine nachhaltige Politik gewinnen sollten – Die verkannte Evolution, von ROLF W. MEYER

  19. September 4, 2012 um 10:27 pm

    Wenn Schüler etwas lernen sollten, dann darüber, wer die Welt wirklich regiert. Und das lliegt nun sehr gut recherchiert auf dem Tisch:

    Goldman Sachs regiert die Welt:

    Sie sollte an Schulen ausgestrahlt werden, um schon junge Menschen darauf vorzubereiten, in welche Art von Welt sie hineinwachsen. Und jeder, der sich vom Grundtenor der Massenmedien bis jetzt mitreißen ließ, Kritik an Investment-Banken wie Goldman Sachs als „Verschwörungstheorie“ abzutun, der müsste sich nun die Fragen stellen, was dem österreichischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ORF in den Sinn gekommen ist, diese Sendung auszustrahlen.

  20. September 28, 2012 um 9:27 am

    wir sind keine Menschen mehr. Wir sind Konsum gesteuerte Marionetten und in der Schule werden wir darauf gedrillt.

    • September 28, 2012 um 1:33 pm

      Hallo Harald,
      habe gerade mal auf Deiner Web-Site nachgeschaut. Du hast ja auch reichlich von dem zusammengetragen, was wir hier schon seit einiger Zeit besprechen 🙂
      LG Martin

    • federleichtes
      September 28, 2012 um 1:39 pm

      Mir wäre es nicht unangenehm, wenn wir Kinder sehen als eingebettet in ein Wirk-System. Klar, Schule beteiligt sich wirkend daran, aber NUR im Rahmen anderer Teil-Systeme, z.B Eltern/Familie, Politik, Wirtschaft und einer Rechtsordnung.

      Verhalten sich gar Schuld und Schule wie Splitter und Balken?

      Wolfgang

  21. November 25, 2012 um 12:14 am

    Nachdem Hans-Joachim Maaz sehr verständlich und lesenswert die narzisstischen Phänomene in den verschiedenen Lebensbereichen der Menschen und der Gesellschaft beschrieben hat, kommt er am Ende zu dem nüchternen und skeptisch-hoffungsvollen Ergebnis:
    ‘Solange die Ursachen früher seelischer Verletzungen von Kindern nicht wesentlich vermindert werden können, habe ich die Befürchtung, das sich kollektiv- destruktive Fehlentwicklungen in immer neuen Formen wiederholen. Wenn wir die destruktiven Folgen der narzisstischen Problematik vermeiden wollen, müssen wir uns ernsthaft und engagiert folgenden Aufgaben zuwenden.‘

    gefunden in: Die narzisstische Gesellschaft

    • federleichtes
      November 25, 2012 um 5:12 am

      Es gibt keine Fehlentwicklungen, sondern folgen-richtige Entwicklungen. Die Ergebnisse wiederholen sich nicht, sondern verschlimmern sich als Folge der Zunahme einer Macht, die die Zerstörung der Zivilisation mit Entmenschlichung betreibt. Für einige Menschen scheint das ein sehr lustiges Spielchen zu sein – an dem sie sich eifrigst beteiligen.

      Gruß
      Wolfgang

  22. Erik
    November 26, 2012 um 2:24 am

    Leute,

    was soll ich dazu sagen. Gut recherchierter Artikel. Ich kann dazu nur folgendes sagen. Ich komme aus einem Bundesland in dem es noch niemals 13 Schuljahre gab und somit das ganze auch niemand Turboabi nennt. Ich habe in der 5. und 6. Jugend forscht gewonnen war was Schule betraf immer ziemlich faul und habe ein durchschnittliches Abi von 2,7. Schulschluss hatte ich meistens 12:30 oder 14:30 bis in der 12. und unter Druck gesetzt gefühlt habe ich mich dadurch nie. Ich will damit nur einen neuen Denkanstoß zu diesem Thema liefern.

  23. Dezember 1, 2012 um 4:55 pm

    Tolles Video darüber, was wir in der Schule tatsächlich veranstalten und wie wir das zuträglicher gestalten könnten:

  24. federleichtes
    Dezember 1, 2012 um 10:15 pm

    „Tolles Video darüber, was wir in der Schule tatsächlich veranstalten und wie wir das zuträglicher gestalten könnten: …“

    Gut, dass in Deinen einleitenden Worten das Wort „Kind“ nicht vorkommt. Aber es geht ja hier auch um „Schule“ – ein Begriff, der nach meinem Verständnis nicht thematisierbar ist. Sollten wir doch mal Lehrpläne besprechen? Und fragen, wer sie warum genauso gestaltet?
    Sollten wir genauer danach fragen, welche Menschentypen Lehrer werden dürfen, und wie sie ausgebildet werden? Sollten wir mal fragen, in welchem „Zustand“ Kinder aus ihrem Elternhaus kommen, bevor sie die Schule betreten? Sollten wir auch fragen, was Lehrer in einer 28iger Klasse menschlich für die Kinder – realistisch – tun können?

    Schüler büffeln unsinnig – eine sehr intelligente Fragestellung mit entsprechender Antwort.
    Was ist Büffeln? Originalton einer Lehrerin: „Ich bin froh wenn 5 (von 28) bei der Arbeit einen halbwegs vernünftigen Satz heraus bringen“. Da könnte man doch bei Büffel-n glatt an den Ochs vor dem Scheunentor denken.
    Drei von 28 Eltern erscheinen zum Elternsprechtag. Wau, dieser Andrang, dieses Interesse, dem „Teufel Schule“ mal richtig die Zähne zu zeigen. Eine Befragung eben dieser 28 Schüler ergab einen Fernsehkonsum von durchschnittlich 5 (fünf) Stunden – na ja, vielleicht wurde da von den Schülern auch ein bisschen geflunkert.

    Und was ist bitte „Unsinnig“?
    Etwas, das keinen Sinn macht, gell. Stellt sich da nicht die Frage an die Eltern: „He, warum schickt ihr eure Kinder in Unsinns-Anstalten?“ „Warum geht ihr arbeiten, um das Unsinnige für eure Kinder zu finanzieren?“ „Und mal ganz im Vertrauen gefragt, was machen SIE mit ihrem Kind, dass es nicht nur lernunfähig wurde, sondern auch noch das Lernen der Anderen stört? Warum kümmern sie sich nicht um die Schularbeitenerledigung?“

    Ja, Schuldige suchen macht wirklich Spaß. Ne, nichts auf die Eltern schieben, die sorgen ja wohlschaffend für eine bessere Zukunft ihrer Kinder, gehen betrübt zur Arbeit und kommen hoffnungslos und erschöpft zurück, Tag für Tag, Jahr für Jahr; damit ist ja wohl mehr als genug geleistet.

    Das eigentlich Faszinierende für mich an diesem Thema ist das rege Interesse. Mag es entstehen durch das Wittern einer Chance, der eigenen Verantwortungslosigkeit gegenüber seinem/n Kind/er ein sauberes Mäntelchen umhängen zu können?

    Ich schrieb das, weil ich Schule dank einer menschlich sehr engagierten Lehrerin ganz gut kenne – und ich dieser Lehrerin nicht schuldig bleiben möchte, ihren Leistungen auch mit ein paar Worten Respekt zu zollen.

    Wolfgang

    • Dezember 1, 2012 um 11:00 pm

      Ja, wenn wir nun wissen, wie diese Systematik funktioniert, dann kann man nur jedem Lehrer, der in dieser BeGEISTerungswüste noch eine Niesche findet und Kinder mitnimmt nur Respekt zollen. Und Kinder wünschen, dass sie auf solche treffen mögen.
      Und den Lehrern Kraft wünschen, dem Mut aufzubringen, sich gegen den Wind zu stellen.
      Machen Flugzeuge übrigens auch, damit sie überhaupt abheben können.
      Es wird Zeit, dass wir das Thema Mut und Liebe anpacken …
      LG Martin

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  1. April 13, 2012 um 2:12 pm

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