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Warum Schüler unsinnig büffeln müssen – Brief eines Vaters an seine Tochter zur Erklärung

Prolog vom 29.09.2013: Wenn ich nach den Klickraten dieses Artikels beurteilen sollte, ob das Thema Schule unter den Fingernägeln brennt, dann muss ich deutlich mit ja antworten. Über 115.000 Tausend Aufrufe bedeuten ein Fünftel aller Klicks auf diesem Blog. Der Frust, das Leid und die Empörung, die ja notwendig ist, dass sich was ändert, scheint nun Fahrt aufzunehmen. Ich wünsche allen unseren Kindern, aber auch den Eltern und Lehrern, dass wir unser Bildungssystem so umgestalten können, dass ein gesundes geistiges und soziales Wachsen die Regel wird!

Den Eltern und zukünftigen Eltern möchte ich die folgende Erkenntnis des Dichters von Gibran Khalil Gibran vor der weiteren Lektüre mit auf den Weg geben: Eure Kinder sind nicht Euer Besitz, sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst…

Und noch etwas: inzwischen gibt es eine ganze Reihe „Köpfe“, die zur Um-Bildung unseres Schulsystem aufrufen. BeGEISTerung solle im Vordergrund stehen. Siehe die Referenten des diesjährigen Vision Summit EduAction.

Den im Folgenden aus Gründen des Urheberrechts nur kurz hier wiedergegebene, sehr ergreifenden Brief, hat Henning Sußebach an seine Tochter geschrieben und auf Zeit Online veröffentlicht. Der Vater zeigt an vielen Punkte auf, woran so Vieles auch in der Aus-bildung krankt.

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Liebe Marie,

erinnerst Du Dich noch an den Tag, an dem wir das letzte Mal im Kino waren? An diesen Tierfilm, den Du so gerne sehen wolltest? Wie hieß der bloß noch? Ich glaube, Tiger, Bären und Vulkane, aber sicher bin ich mir nicht. Denn unser Ausflug liegt schon ein paar Monate zurück. Wir sind alle zusammen mit dem Auto in die Stadt gefahren: Mama, Henri, Du und ich. Es war Sonntag – und wir beide saßen mit Karteikarten auf der Rückbank und haben gelernt. Wie viel ist 172? Wie viel 56? Wie viel 28? Auf dem Weg nach Hause dann noch mal: 27 = 128, 182 = 324, 56 = 15625. Und noch mal. Und zur Sicherheit gleich noch mal.

Wir hätten so viel Sinnvolleres tun können auf unserem Heimweg! Den Bildern der Bären nachhängen und Bonbons lutschen zum Beispiel. In dem Zauber verweilen, den jeder kennt, der aus dem Kinodunkel ins Licht tritt – als laufe man erwachend durch einen Traum. Aber noch nicht mal an einem Sonntag ist es mir gelungen, Dich das Kind sein zu lassen, das Du sein solltest mit zehn Jahren.

Bitte mach mir diesen Mist nicht nach, wenn Du erwachsen bist, Marie!

Du merkst schon: Der Brief, den ich Dir schreibe, ist eine verzwickte Angelegenheit. Du wirst ihn genau lesen müssen, damit Du alles verstehst. Und dass Du verstehst, ist wichtig: Denn es geht um Dein Leben und um das, was wir Erwachsenen daraus machen.

Ich werde Dir von Schülern berichten, die krank werden vom dauernden Üben. Von Bildungsexperten, die Euch vorm Lernen warnen. Und von Eltern, die ihre Kinder trotzdem nicht in Ruhe lassen. Von Zeile zu Zeile werde ich wütender werden – weil ich wütend bin auf mich und auf ein Land, das Euch alle zu Strebern macht.

Deshalb habe ich meinen Brief auch nicht auf Deinen Platz gelegt, dort am Küchentisch, an dem wir morgens Einkaufszettel schreiben und abends Vokabeln lernen: Wie lautet das englische Wort für Gummistiefel, Stiefvater, Drachenfestival, Schiffsausguck, Küstenstadt, Karaoke-Gerät, Schatzkarte, Gartenschuppen, Geschmacksrichtung Hühnchen? Ich schreibe diesen Brief in der Zeitung, weil es noch 275.000 andere Fünftklässler in Deutschland gibt, die ein Gymnasium besuchen wie Du. Die gerade wie Du für die letzten Arbeiten vor den Zeugnissen büffeln. Und die wie Du trotzdem nur mit halbem Ohr diese rätselhaften Wörter hören:»Turbo-Abi«, »Schulzeitverkürzung«, »G8«.

In diesem Brief, Marie, möchte ich Dir und Tausenden anderer Schulkinder etwas verraten. Es gibt da ein paar Geheimnisse, von denen Ihr nichts ahnt, denn jedes Kind nimmt die Welt ja erst einmal als gegeben hin.

Stopp, das war zu kompliziert! Ich meine: Ein Kind hält sein Leben, so wie es ist, für ganz normal. Woher soll es wissen, dass alles auch anders sein könnte? Oder …

Ist es Zufall, dass Dein Freundeskreis nur noch aus Klassenkameradinnen besteht? Oder liegt es daran, dass Ihr im selben Rhythmus lernt und lebt?

Wie viel Platz wird Dir Dein Alltag für Liebeskummer lassen? Für die Pubertät? Für den Aufstand?

Wird Dir jemals ein Lehrer erzählen, dass das Wort Schule aus dem Griechischen stammt und eigentlich »freie Zeit« bedeutet?

Warum wird das Buch einer verkniffenen chinesisch-amerikanischen Mutter, die über das Drillen ihrer Töchter schreibt, in Deutschland ein Bestseller? Wieso beschäftigen wir uns ernsthaft mit dieser Frau, die ihren Töchtern droht, die Stofftiere zu verbrennen, wenn sie faul sind?


Weißt Du, was passiert ist, als eine Mutter eine Lehrerin Eurer Schule gefragt hat, ob sie nicht zu schnell zu viel von Euch verlangt? Da hat die – eine junge Frau – kühl geantwortet: »Sicher ist dieses Lernen nicht für alle geeignet.« Und Klassenarbeiten seien dazu da, »zu überprüfen, ob die Kinder auf dem Gymnasium Schritt halten können«.

Weißt Du, was das bedeutet, Marie?

Ich werde es Dir erklären: Es bedeutet, Klassenarbeiten sollen nicht nur helfen, herauszufinden, welcher Schüler wo Schwächen hat – um dafür zu sorgen, dass es beim nächsten Mal besser klappt. Nein: Sie sollen auch helfen, die Schwächsten zu finden und auszusortieren. Deine Lehrerin hat nicht gesagt, es gehe ihr darum, alles zu tun, »damit« Kinder Schritt halten können. Sondern zu prüfen, »ob«.

Meine Lehrer hätten so etwas nie gesagt, selbst wenn sie heimlich so dachten. Du wirst das verrückt finden, Marie: Als vor 25 Jahren in der Ukraine ein Atomkraftwerk explodierte, schickten meine Lehrer uns zum Demonstrieren! Als vor 20 Jahren in Kuwait ein Krieg losbrach, ließ mein Mathelehrer uns aus Protest nicht mit Äpfeln und Birnen rechnen, sondern in der Recheneinheit »Leichensäcke«. Das hört sich ziemlich grotesk an, was? Einige meiner Lehrer sprachen im Unterricht voller Pathos, wie ein Pastor in der Sonntagspredigt. Aber es ging ihnen darum, uns mitzureißen. Uns zu gewinnen. Wenn auch nur für ihre eigenen Träume von einer besseren Welt.

Und jetzt? Spricht diese Lehrerin wie die Jurypräsidentin einer gigantischen Castingshow – in der nicht Werbeverträge vergeben werden, sondern Lebenschancen. Und zwar nur an die Passgenauen.

Das macht mich wütend. Sie hat G8 zwar nicht erfunden – aber sie hat sich damit abgefunden. Mindestens das. Andererseits gibt sie nur den Druck weiter, den andere aufgebaut haben. Und zu diesen anderen gehöre – ich. Die Versuchung, mit Dir auf die Jagd nach immer besseren Noten zu gehen, ist so groß. Wie schnell passiert es, dass ich eine gute Klassenarbeit nach den wenigen Fehlern ausspähe, nicht nach den korrekt gelösten Aufgaben. Es gibt Eltern in unserer Stadt, die ihren Kindern das Taschengeld kürzen, wenn die keine Eins heimbringen. Die mit all den fleißigen Chinesenkindern drohen, von denen wir noch gar nicht wissen, ob die ganze Paukerei sie wirklich schlau macht oder bieder.

Wenn Du Geburtstag feierst und Deine Klassenkameradinnen kommen, freue ich mich über all die wohlerzogenen Kinder, die den ganzen Tag keine Mühe machen – aber ich wundere mich auch. Wo sind die Querköpfe, die Nervensägen, die Rotznasen? Wer hat sie aussortiert?

Vor fünf Jahren hat ein Kollege in dieser Zeitung geschrieben, er finde die verkürzte Schulzeit gut, denn es sei noch »Luft im System«. Schon möglich. Aber ist Luft schlecht? Ist sie nicht zum Atmen da? Und lernt, wer atmen darf, nicht sogar mehr? Oder jedenfalls lieber?

Das Gerede von der »Luft im System« ist gefährlich, Marie. Man kann so lange sagen, es sei »Luft im System«, bis keine mehr da ist.

Wir haben Euer Leben den Regeln der Wirtschaft unterworfen: In einem Motor kann Luft schaden, in einem Windkanal ist Druck sinnvoll. Aber wer hat uns eingeredet, dass ein beschleunigtes Leben ein gelingendes Leben ist? Wenn ich sehe, wie Manager auf Flughäfen und in ICE-Abteilen ihre iPhones und BlackBerrys anstarren, auf eingehende Mails so angewiesen wie Junkies auf Rauschgift, und wenn ich höre, wie sie endlos von »Quartalszahlen«, »Jahresabschlüssen« und der Marktforschung faseln, die sie nur noch »Mafo« nennen, wie sie von Hamburg nach München fahren, ohne dabei auch nur einen einzigen eigenen Gedanken zu äußern – dann glaube ich, wir sollten uns kein Beispiel an ihnen nehmen.

Du sollst wissen, warum ich Dich manchmal dressiere wie ein Dompteur sein Zirkuspferd – und mir dann wieder auf die Lippen beiße, statt nach der Schule zu fragen.

Du sollst wissen, dass Du mehr bist als die Summe deiner Leistungen.

Du sollst wissen, warum es manche Deiner Freundinnen nicht schaffen werden, warum ihre Stühle irgendwann leer bleiben werden.

Du sollst wissen, dass Depression keine Kinderkrankheit ist.

Du sollst wissen, dass die Schulzeit mehr sein sollte als ein Trainingslager fürs Berufsleben.

Du sollst wissen, dass die Gesellschaft an denen wächst, die sie infrage stellen.

Und Du sollst wissen, dass ich Dir das gestohlene Jahr zurückgeben möchte. An jedem Tag, an jedem Wochenende – und nach dem Abitur. Am besten kein Auslandsstudium. Kein Sommerseminar. Sondern einfach eine Reise ohne Weg und ohne Ziel. Denn wenn Du Deine Seele bis dahin nicht in einem Klassenzimmer gefunden hast, wirst Du sie auch in einem Hörsaal nicht finden. Aber vielleicht tief in einem finnischen Wald, mitten in einem äthiopischen Dorf oder auf der Sitzbank eines amerikanischen Überlandbusses. Irgendwo, irgendwann, wenn Du es nicht erwartest.

Und ich hoffe, dass Du mich dann, wenn es losgehen soll, nicht mitleidig anschaust und sagst: »Das ist doch reine Zeitverschwendung.«

Dein Papa, Henning Sußebach
zum kompletten Artikel auf Zeit Online

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Eine noch strukturiertere Kritik hatte der US-Amerikanische Lehrer John Taylor Gatto in seinem Buch “Die sieben Lektionen des Lehrers“niedergelegt: Kritik an unserem Schulsystem: darüber, wie wir unsere Kinder verdummen …

Es gibt bei aller Kritik aber auch schon viel versprechende Alternativen in unserer Schulen, denen ich in diesem Artikel und weiteren Kommenterierungen daran nachgegagngen bin: So sollte Schule funktionieren: über Erfahrungsräume im Umgang mit Unvorhersehbarem und Übernahme von Verantwortung,

Auch Wolfgang und Susanne, die hier mit lesen und schreiben, haben sich Gedanken über eine Reform gemacht:  Entwurf einer neuen Struktur von Schulfächern und passender Lehrerskills

Nicht zuletzt darf man doch auch mal fragen: Geht das: Demokratie in der Schule?

Nachtrag vom 30.09.2013: Ausschnitte aus Prof. Gerald Hüthers Vortrag darüber, was wir tun können, um Bildung gelingen zu lassen:

  1. Michael Molli
    Januar 9, 2012 um 2:48 pm

    Bei dieser Gelegenheit möchte ich in dem Zusammenhang gerne euch den folgenden Beitrag ans Herz legen:

  2. Januar 10, 2012 um 8:42 am

    Ich habe gestern auf Facebook einen Hinweis auf einen Beitrag von Thomas Huebel erhalten, in dem er seine Ansicht über einen guten Lehrer darlegt:

    Zuammengefasst:

    Er braucht die Kompetenz, das Wissen und die entsprechenden Fähigkeiten in seinem Bereich – und darüber hinaus Beziehungsfähigkeit, um den Kontakt zu den Schülern herstellen zu können. Weiterhin braucht er die Fähigkeit, Potentiale erkennen zu können.
    Ein guter Lehrer ist nichts anderes als ein Sprachrohr des Potentials von dem Menschen, der ihm, oder ihr, gerade gegenüber sitzt.
    Dann fühlen sich Schüler und alle Menschen gesehen. Der beste Lehrer ist ein „leerer“ Lehrer – er spiegelt sein Gegenüber wider in dem was er ist.

    Ich denke auch, dass ein Schüler dann am besten lernt, wenn er sich einerseits frei fühlt, sprich sinngekoppelt und auf der anderen Seite eine positive Beziehung zu seinem Lehrer aufgebaut hat. Allerdings gehe ich nicht davon aus, dass ein Lehrer in den Lehrinhalten immer die Nase vorn haben sollte, da das mit der Zeit des Internets kaum mehr einhaltbar ist. Er sollte aber in Sachen der Beziehungsfähigkeit sehr kompetent sein.

    In Afrika gibt es das Sprichwort: „Um einen Menschen zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ Ich verstehe immer besser, was damit gemeint ist. Wer viel Übung in der Pflege von Beziehungen ist, wird beziehungskompetent. Ebenso ist das Wissen über die Köpfe aller im Dorf verteilt. Das Wissen, was wir inzwischen in der Welt haben, ist inzwischen so viel, dass es in Summe nicht mehr vermittelbar ist. Daher macht es in meinen Augen immer weniger Sinn, so viel Stoff in die Köpfe unserer Kinder „ballern“ zu wollen. Wichtiger wäre es, einen Menschen zuerst moralisch/ethisch zu festigen, sprich beziehungsfähig zu machen. Anschließend gemäß seiner Neugierde und Talente sich durch einen Lehrer sich selbst bilden zu lassen. Dabei sollte das gemeinsame Lernen in Gruppen einen wichtigen Teil einnehmen.

  3. Januar 10, 2012 um 11:56 am

    Ja, Martin.
    Stellt sich die kleine Frage, wie wir Deinem Ideal näher kommen in einem System, das weder die notwedigen Voraussetzungen bei den Lehrern schaffen kann, als auch eine durch Medien und sozialem Umfeld teils schwerstens geschädigte Kinder in die Begegnungsstätte Schule schickt?

    Susanne schafft es ja immer wieder, meine Lebensfreude zu toppen. Gestern sagte sie, eher beiläufig: „Meine Kinder lieben mich“.
    Eine sechste Klasse, verschiedene Nationalitäten, verschiedenste Charaktere und sehr unterschiedlich Begabungen und Schwächen.
    Es geht also. Aber wie geht es?

    Mir scheint eine Grundbedingung, JEDEM Kind mit einer Anerkennung zu begegnen, gleich was es im Sinne einer allgemeinen Leistungsordnung derzeit zu leisten vermag. Es ist die Einstellung, dass Leben an sich der wertvollste Besitz ist, über den Menschen verfügen dürfen.

    Ist es nicht so, das die Alte Schule out ist, die alten Lehrer out sind, weil es ein neues Menschenbild gibt?

    Dir einen guten Tag.

    Wolfgang

    PS.
    Die neueste Schulreform:
    Am letzten Ferientag ist nicht mehr, wie bisher, ab der dritten Stunde frei – es geht bis zur sechsten. Es geht doch voran – im Sinne der Polarisierung!

  4. Januar 11, 2012 um 11:46 am

    „Ein gutes Zeugnis ist ein Beleg für eine geglückte Trivialisierung.“
    Heinz von Foerster (1998) Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners

    mein lieblingszitat (.-)))

  5. Januar 11, 2012 um 2:16 pm

    Das installierte Bildungssystem ist Organ eines Herrschaftssystems.
    Seine Aufgabe besteht vornehmlich darin, zu selektieren:
    Wer kann herrschen und wer lässt sich beherrschen.

    Insofern büffeln die Schüler eben nicht unsinnig – sie lassen sich erfolgreich selektieren.

    In den Kultusministerien und Schulbehörden sitzt eine große Mehrzahl von Geistmenschen, weil nur diese Entscheidungen im Sinne eines Herrschafts-Systems treffen KÖNNEN.
    Und zwar solche Menschen, den das Wohl der Kinder TOTAL am Ar… vorbei geht.
    Sie betreiben eiskalt Siebung und Auslese im Sinne eines – in unserem Sinne – unmenschlichen Herrscher-Geistes.

    Nun, das mag niemand verstehen, und ich bin zunehmend genervt, weil ich nicht in der Lage bin, eine sehr einfache Realität zu beschreiben. Ich bin ein schlechter Lehrer!

    Wenn wir etwas ändern wollen, gibt es eine optimale Szene, die ich als Postulat formuliere:
    Alle Bildungs-Dirigenten sind aus dem System zu entfernen.
    Alle Bildungsrichtlinien sind zu schreddern.
    Sehr viele Lehrer sind für ihre – eigentliche – Aufgabe, Kinder bei der Ausformung ihres Wesens zu begleiten völlig ungeeignet. Sie sind umgehend aus dem Schuldienst zu entfernen.
    Gleichzeitig gehen die Kinder nicht mehr in die Schulen – Generalstreik.

    Wisst ihr, wie ein Nussknacker funktioniert – natürlich.
    Der eine Druck kommt von Oben, der andere Druck von Unten.
    So einfach ist das.

    Ich stellte mir heute ein Armutszeugnis aus. Welch ein persönlicher Erfolg.

    Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit.

    Wolfgang

    • Michael Molli
      Januar 11, 2012 um 2:28 pm

      @Wolfgang

      Fantastisch!
      Die exakten Worte hätten aus meinem Mund kommen können.

    • Lana
      Januar 11, 2012 um 3:52 pm

      Wie wahr…., wie wahr….

  6. Margitta Krell
    Januar 11, 2012 um 10:47 pm

    Interessant,daß Menschen mit Neugier geboren werden und sich in den ersten Lebensjahren bis zum Schuleintritt einfach so ca 2/3 des Wissens erwerben,daß sie sich im Laufe des gesamten Lebens erwerben. Wieso kommen 6-jährige neugierig zur Schule und verlieren ganz schnell die Lust am Lernen? Brauchts Lehrpläne oder vielmehr eine wißbegierige Umwelt für uns Menschenwesen? Zum Glück gibts viele Initiativen von Eltern und (ehemaligen)Pädagogen – Menschen,schließt Euch zusammen! Im Ernstfall- immer für die Kinder entscheiden – auch durch zivilen Ungehorsam (wies die Freilerner tun). Es gibt schon genügend erfolgreiche Beispiele – so auch Andre´und Bertrand Stern (Vater Arno Stern). Eltern,sucht Euch Verbündete auf Eurem Weg mit den Kindern! Die Zeit ist überreif.

  7. Fam.Kuen
    Januar 12, 2012 um 10:26 am

    Ganz toll geschrieben…ich werde meine Kinder nicht auf´s Gym prügeln,mein Großer hat als Hauptschüler(ok 1,4 Schnitt weil von 25 Klassenkameraden 23 Ausländer waren,die kaum Deutsch verstanden)als einzigster Bewerber(viele von Gym oder Real) eine Lehrstelle in einem angesehenen Unternehmen hier in der Region bekommen,das macht mich Stolz,da brauch ich kein Gym für..unser 2. kommt im Sommer auf eine Sekundarschule(sehr zerissen hier in den Medien),beim Elternsprechtag meinte die Klassenlehrerin“Endlich mal Eltern mit realistischer Sichtweise“

    • Januar 12, 2012 um 10:38 am

      Es tut gut zu hören, dass es schon praktizierende Freidenker gibt. Ja, es liegt an uns, wie wir andere Menschen bewerten. Jeder Mensch hat seine Talente und da ist es egal, welchen Bildungsweg er druchlaufen hat. Am Ende zählt, dass es ihm gut geht, dass er sich selbst lieben kann und damit auch erst andere Menschen. Und welchen Beitrag er für das „Wohl der Gemeinschaft“ hinzusteuert. Und genau hier fängt das Umdenken an. Denn unsere höchstausgebildeten, sprich Höchstverdiener scheinen eher bescheidener Beiträge für das Wohl der Gemeinschaft beisteuern zu können oder zu wollen …

      • Fam.Kuen
        Januar 12, 2012 um 10:50 am

        Leider sind heute Hauptschüler ja nix mehr wert…hier in der Tageszeitung gibt es im Sommer eine Sonderbeilage „Folgende …suchen noch Lehrstellen“,da sind mindestens 90% nur Gym oder Realschüler am suchen..Wer will schon das ganze hochgestochene Volk,wo der Azubi dem Ausbilder mit dem Vater(Anwalt,großer Boss..)droht

        ich bin auch nur Hauptschüler und trotzdem Beamter geworden

        • Januar 12, 2012 um 11:20 am

          „nur“ ist der Punkt. Ja, es wird immer offensichtlicher, dass wir zu viel Wert auf das Beherrschen irgendwelchen abstrusen technischen Wissens legen und dabei die wichtigen Werte für den Zusammenhalt der Gemeinschaft kaum mehr erfahren können. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade Hauptschüler und Realschüler später eine bessere Bodenhaftung im Menschlichsein haben. Es wird Zeit, dass wir Ausbildung ganz anders gestalten. Viel freier und in Vielfalt.

          Ich hatte gestern noch von den Freilernern erfahren. Das ist auch interessant:
          Der Unterschied zwischen freiem und schulischem Lernen, von Dagmar Neubronner

    • Januar 12, 2012 um 11:35 am

      Sehr symphatisch, Herr Kuen. Vielen Dank.

      Wenn eine Lehrerin sagt:
      “Endlich mal Eltern mit realistischer Sichtweise“
      spricht das deutlich eines der Probleme an: Es gibt viel zu wenig kuehne Eltern, die sich einem – im Menschensinne – Ungeist in den Werg stellen und das Notwendige für ihre Kinder zu tun bereit und in der Lage sind.

      Wenn Ihr gelebtes Beispiel, lieber Herr Kuen, Schule macht, …

      Ihnen einen guten Tag – und bleiben Sie bitte dran.

      Wolfgang

  8. Januar 12, 2012 um 11:21 am

    Zum Beitrag von Michael Molli:
    Er erfreute mich besonders, weil er zum Ausdruck bringt, dass wir hier GEMEINSAM tätig sind. Wenn ich spreche, sind an den Aussagen ALLE beteiligt, jeder auf seine Weise. Ich spreche von Unten nach Oben, nicht umgekehrt.

    Da meine Aussagen im Beitrag 186 – relativ – deutlich waren, fragte ich Martin, wie und OB es hier weiter gehen soll. Von ihm kam Grünes Licht. Nun denn!

    Margittas Beitrag (vielen Dank) geht einerseits auf den starren Bildungsansatz ein, andererseits weist sie hin auf den „Zivilen Ungehorsam“ und Alternative Lernformen.

    Ich zitiere im Folgenden aus
    „Ein Offener Brief an das Ministerium für Schule und Weiterbildung und die Landtagsabgeordneten von NRW“
    http://www.homeschooling.de/bildungsgesetz-f%C3%BCr-nrw

    „Unsere Kinder gehören uns nicht, weder den Eltern, noch der Gesellschaft im Ganzen. Eben so wenig gehören sie natürlich der Staatsmacht, …“ Zitatende

    Da haben wir eines der zentralen Problem von Staat und Bürger im Miteinander.
    Auf der einen Seite Menschen, die ihre Kinder lieben – auf der anderen Seite eine Herrschaft, die die Kinder besitzen will.
    Und damit wird auch SEHR deutlich, wie die Bildungsinhalte entstehen. Zum Zweck des Beherrschens. Das Wohl des Kindes ist dem Machtanspruch des Herrschenden untergeordnet – Lerninhalte dienen vorrangig der Verknechtung und nicht der Freiheit eines Kindes/Jugendlichen/jungen Menschen.

    Deutschland ist, was seine BildungsPOLITIK betrifft, ein Novum. Es gibt einen:
    Artikel 26(3) der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: „Die Eltern haben ein vorrangiges Recht, die Art der Bildung zu wählen, die ihren Kindern zuteil werden soll“ – Zitatende

    Politik verstößt gegen Menschenrechte – nichts Neues. Neu war mir:
    In quasi allen europäischen Verfassungen und Schulgesetzen wird der Bildungsfreiheit für Familien Rechnung getragen (vgl. Schulgesetzsynopse unter Gesetze). Überall werden auch ganz private Alternativen zur Schule zugelassen. Zitatende

    Nun fragte ich mich: Dichter und Denker? Was ist los in Deutschland? Meine Frage wurde sogleich beantwortet:
    „Im Reichsschulpflichtgesetz von 1938 heißt es in §12: „Kinder und Jugendliche, welche die Pflicht zum Besuch der Volks- oder Berufsschule nicht erfüllen, werden der Schule zwangsweise zugeführt. Hierbei kann die Hilfe der Polizei in Anspruch genommen werden.“
    Zitatende

    DAS ist los in Deutschland: Hier herrscht ein – offensichtlich BODENSTÄNDIGER – Geist, der sowohl menschenverachtend als auch herrschaftsfreundlich ist.
    Und, das ist für mich ein logischer Schritt in der Analyse:
    Hier kommen Menschen an die Macht, die diesem Geist entsprechen, die Politik machen im Sinne dieses Geistes.
    (Politik ist Geist, weil Geist Ideen gebiert, und Ideen bestimmen die Politik.)

    Alter Geist wurzelt in Deutschland, und er ist – immer noch – so mächtig, dass es möglich ist, hinter einer Demokratie eine Diktatur wirken zu lassen.

    Wir, Susanne und ich, beobachten seit Ende Juli letzten Jahres hautnah ein Problem: Politiker und politisch orientierte Behördenmitarbeiter reagieren auf unser Anschreiben NICHT. (Ausnahme Frau Hannelore Kraft auf unsere Anfrage nach der Agenda 2012 – ich kann diese Ausnahme erklären: Man schob die Verantwortung zur Umsetzung auf die Bürger – so einfach geht das). Personifizierte Deutscher Geist sind das demokratische Prinzip einfach aus. Und beweist, dass der Wille vieler Millionen Bürger schwächer ist, als dieser Geist.
    Dieser Geist widersteht – bisher – jeder der Vernunft Und er widersteht auch der Liebe, die sich ihm entgegen stellt. Dieser Geist ist rücksichtslos, und Menschen, die ihm folgen, verhalten sich auch rücksichtslos. Wir beobachten das im Kleinen wie im Großen.

    Ich beschreibe den Kern des Systems-Problems mal aus meiner Sicht.
    Geist ist so mächtig, wie er in der Lage ist, Energie zur Umsetzung seiner Ideen zu generieren.
    Liebe ist in ihrem Wesen schwach, weil sie antriebslos ist, also nicht über eigene Ideen verfügt. (Liebe sitzt mit dem Hund auf dem Sofa und streichelt ihn, bis das letzte Haar ausgefallen ist – während draußen der Geist die Gesellschaften für seine kriegerischen Zwecke missbraucht.)

    Das Problem löst sich nur auf, wenn Liebe AUS SICH HERAUS Ideen hervor bringt. NICHT, um Geist zu bekämpfen, sondern um sich – per Idee, zu manifestieren, in jedem Menschen, in vielen Menschen.

    Damit erst mal gut.

    Allen einen guten Tag – und versucht, den Hund in Ruhe zu lassen.

    Wolfgang

    • Januar 12, 2012 um 11:37 am

      Hallo Federleichte,

      erst einmal: richtig gute Zusammenfassung unserer rechtlichen und geistigen Situation zum Thema Schule.

      Das wäre doch mal wieder ein guter Anfang für einen neuen Artikel, an dem wir das Thema Bildungspflicht statt Schulpflicht abarbeiten können?!

      Gruß Martin

      • Januar 12, 2012 um 12:29 pm

        Ich halte „Pflicht“ für keinen guten Ansatz. Wir leben – oder sollten vorzugsweise – in einem RECHTsstaat leben. Grundsätzlich – so sehe ich das – haben Menschen, die leben, das Recht zu leben, sonst würden sie ja nicht leben.

        Warum in das „Leben als Prozeß“ KÜNSTLICH eine Bildungsidee hinein interpretieren?
        Du benennst einige Male die Kulturen indigener Völker. Komme denen mal mit Deinen Ideen, und sie denken bestenfalls, Du kommst von einem anderen Stern.

        Ich erinnere an die Worte von Margitta:
        „… daß Menschen mit Neugier geboren werden und sich in den ersten Lebensjahren bis zum Schuleintritt einfach so ca 2/3 des Wissens erwerben, das sie sich im Laufe des gesamten Lebens erwerben.“ Zitatende

        Wofür brauchen Erwachsene das andere Drittel? Um Panzer, Bomben und Kampfflugzeuge konstruieren zu können? Um Angriffspläne auszudenken? Um sich Schaden zufügen zu können? Um sich andere Menschen unterwerfen, ausbeuten und quälen zu können?

        Ein Thema, in dem GRUNDfragen des Leben diskutiert werden, warum nicht. Meine erste Idee zu Deiner Idee war allerdings:
        Während wir hier Halt im Chaos suchen, sucht Geist auf der anderen Seite nach Optionen für die Vergrößerung des Chaos.

        Also, ein neues Thema, ich bin dabei.

        Wolfgang Federleichtes

        • Januar 12, 2012 um 12:57 pm

          Du hast recht. Im dem Augeblick, als ich den Kommentar abschickte, blitzte es kurz durch den Kopf, dass „Pflicht“ eher durch „Recht“ ersetzt werden könnte …
          Wie machen wir mit dem Thema weiter?
          Welchen Titel und was von Deinem Kommentar sollte in dem neuen Artikel stehen?

          Es gibt hier noch einen interessanten Ansatz, der gleich mitverarbeitet werden könnte:
          http://www.global-parents-protest.org/

  9. Januar 12, 2012 um 11:28 am

    Ja, unsere im Hitler-Reich festgelegte Schulpflicht gehört geändert in eine Bildungspflicht. Und dann könnte auch in Deutschland ein Freilernen gelingen. Hier eine passende Rezension von Detlef Schönenberg zu dem Buch von Die Freilerner – Unser Leben ohne Schule von Dagmar Neubronner:

    Das ist ja mal ein richtig interessantes, wichtiges und dabei spannendes Buch. Hier wird ein Thema dargestellt, dass wohl noch kaum in unserem (deutschen) Bewusstsein heraufdämmert. Das Freilernen. Das Leben ohne Schule. Ungefragt nehmen wir immer noch die Schulpflicht als ein Gebot hin, dem wir uns fraglos unterordnen. Ist halt Gesetz… hahaha. In anderen Ländern wird das Freilernen sogar vom Staat gefördert. Bei der Lektüre dieses Buches wird u.a. sehr deutlich wie Gesetze gegen die Bürger dieses Landes ausgelegt werden, denen sie ja eigentlich dienen sollten. Gerade in der heutigen Zeit, in der alles in Bewegung ist, klammert sich das Untertanenbewusstein an Gewohnheiten und Regeln… und wehe, sie werden in Frage gestellt. Ein lebendiger Organismus ist aber flexibel in seiner Antwort auf Anforderungen und Entwicklungen. Das deutsche Volk ist in Bewegung. Aber die neuen Kinder wachsen hinein in Gegebenheiten, die ihnen übergestülpt werden – von Staats wegen. Wer aber ist denn der Staat? Die neuen Kinder werden die Staatsträger von morgen sein und damit unsere Zukunft.
    Man sollte daher annehmen, das gerade ihnen die größte Sorge gilt. Aber die Wirklichkeit sieht anders aus! Entfremdung und Delegieren der elterlichen Verantwortung in die überstrapazierten Hände von Pädagogen und Lehrern, die unter einem Wust von sich ständig ändernden Vorschriften ersticken und dennoch versuchen gute Arbeit zu leisten. Ein Blick in den Alltag der Schulen genügt, um zu sehen, dass wer dahin muss, sich gleich den täglichen Frust eimerweise hineinschaufeln kann. Soziales Miteinander? Fehlanzeige.
    Was ist zu tun? Dieses Buch gibt fundierte Antworten auf diese Fragen. Es überrascht in seiner schlichten Art damit, dass wir uns alle an unsere Schulzeit erinnern können, in der wir uns gewünscht haben, dass es so sein möge wie es hier geschildert wird. Es wird ein Verdienst dieses Buches sein, neue Basisideen und praktische Hinweise für das Leben mit Kindern Im Familienalltag aufbereitet zu haben die im besten Sinne lebensfördernd und staatserhaltend sind. Dabei ist es der Autorin ergreifend gelungen die persönliche Geschichte dieser Familie mit den zwei freilernenden Kindern – ohne Schule – packend zu vermitteln und einen Einblick zu geben in die Lebendigkeit des Familienlebens. Es zeigt sich, dass die Familie die Wurzel der Zivilisation ist. Nicht in der Schule sondern im Leben lernen wir! Das wird hier sehr deutlich. Dem gegenüber steht das starre, bestrafende Verhalten des Staates, der sich vor der Freiheit und der wahrgenommenen Chance zur Selbstverantwortung seiner Bürger fürchtet. Abgerundet wird das Buch durch ein Kompendium von typischen Fragen und Antworten zu dem Thema. Wem das Leben, die geistige Freiheit und die Zukunft der Zivilisation am Herzen liegt und wer seine Kinder liebt, der muss dieses Buch lesen und sich überraschen lassen. Hier ist der Ausweg aus der Schulmisere. Sehr empfehlenswert.

    • Januar 12, 2012 um 2:16 pm

      Ich benutze für meine Antwort auf Deine Frage mal die Kommentarfunktion zu diesem Beitrag – auch hier schreibst Du von Schulpflicht und BildungsPFLICHT.

      Ich möchte allgemein beginnen.
      In was für einer Welt leben wir?
      In einer Bildungswelt – einer Welt, die uns vielfältigste Bilder präsentiert, vielfältige Optionen bietet, vielfältigste Fragen stellt, auf die Menschen – ganz AUTOMATISCH – nach Antworten suchen.

      Die Welt und das, was wir „unser Leben“ nennen ist ein Symbiose, ein fest miteinander verbundenes – Bildungssystem.
      Die Welt IST die Schule. Das Lernen geschieht gesteuert von der Psyche
      (Ronald D. Laing bespricht das Thema in „Das Selbst und die Anderen“)
      Menschen sind in diese gewaltige Bildungssystem gezwungen, und ich glaube, sie lernen – natürlich – gerne, geradezu triebhaft.
      Aber was meinen Menschen auf dem Sterbebett mit ihren letzten Worten: War das Alles?
      Es ist – bezeichnenderweise – eine Frage, die sich interpretieren ließe mit:
      Habe ich genug gelernt?

      Woher kommen die „Autonomen“?
      Wie entstand das System der Anarchie?
      Zeigt uns die Schule des Lebens hier nicht eine besondere „Klasse“? Ein besonderes Unterrichtsfach? Eine besondere Möglichkeit das Ich und das Andere zu reflektieren und die „richtigen“ Schlüsse für ein selbst-bestimmtes Leben zu ziehen?

      Was bedeuten die Worte:
      „Lebe nicht auf Kosten Anderer, und lasse nicht Andere auf deine Kosten leben.“?
      Es bedeutet, autonom zu sein, indem man darüber entscheiden kann, wem man sich zuwendet und von wem man sich abwendet. Es macht, das glaube ich, Liebe erst möglich.

      Ich erlaube mir abschließend einen kurzen Ausflug in meine Welt:
      Der Mensch wurde in eine fremde Welt hinein geboren. Der Mensch ist sich selber fremd, weil bereits in seiner Wiege die Fragen lagen, nach deren Antworten er zu suchen gezwungen ist. Während sich sein inneres Leid zunehmend steigert, wächst gleichzeitig das Chaos im Außen und verschärft die Fragen:

      Wie mache ich es richtig?
      Wo lasse ich meine Schuld?
      Wie trage ich meine Verantwortung?
      Wie entkomme ich dem Wahnsinn?
      Wie rette ich mich?
      Ich will doch nur leben.

      Mensch bekam sein Leben nicht bedingungslos geschenkt. In seiner Wiege lag das Chaos. Es kann sich, dank zunehmender Ordnung, immer weiter befreien. Neue Wege werden sichtbar, und – es wird an einer Neuen Wiege gearbeitet, die freie Menschen in eine Welt voller Ordnung entläßt.

      In meinem nächsten, gleich folgenden Beitrag, veröffentliche ich erstmals ein Gedicht, das ich 1989 schrieb.

      Wolfgang

  10. Januar 12, 2012 um 2:22 pm

    Die Krone der Schöpfung
    Zig oder hunderte von Malen schrieb der Mensch sein Schicksal.
    Immer wieder kehrt er zurück zur Erde
    und beginnt von neuem sein Tun
    im nicht endenwollenden Kreislauf von Leben und Tod.
    Trotz seiner jahrtausendelangen Arbeit
    ließ seine Schaffenskraft nicht nach,
    noch immer müht er sich Tag um Tag,
    Jahr um Jahr, unablässig.
    Ohne eine einzige Sekunde zu vergessen,
    folgt er dem Wechsel von Tag und Nacht,
    füllt die langen Tage im Sommer genauso beharrlich
    wie die dunklen Wintertage mit seinem Wollen aus.
    Ob an fröhlichen Frühlingstagen
    oder im melancholischen Herbst,
    der Mensch kann sich keine Ruhe gönnen,
    denn in ihm ist ein schaffender Geist ohne Pause tätig.
    Welch ein mächtiger Auftrag muß zu erfüllen sein.
    Stets muß der Mensch sich um seinen nächsten Schritt bemühen,
    weil er ihn nicht kennt,
    weil er sich nicht kennt,
    weil er den Anderen nicht kennt.
    Suchen muß er mit jedem Schritt ins Ungewisse,
    nicht nur seinen Weg,
    auch sein Ziel;
    dabei geschehen viele Dinge,
    die er nicht wollte, und
    aus vielen guten Absichten wuchsen
    fatale Folgen.
    Warum dies alles, und gerade so?
    Mit diesen Fragen wacht er auf,
    ohne Antwort schläft er ein.
    Alles verändert sich unberechenbar,
    auf nichts kann er sich verlassen;
    was er glaubte als gut zu kennen,
    schadet ihm später.
    Liebe erscheint ihm für kurze Momente,
    er findet nur vergängliches Glück und
    sein Herz ist gefüllt mit Mißtrauen, Zweifel und Angst,
    Ungewißheit ist sein ständiger Begleiter,
    und allein sein Schmerz bleibt ihm treu.
    Der kleine Mensch trägt die große Last,
    für das Böse verantwortlich zu sein;
    seine Gedanken verstricken sich in einen
    gewaltigen Schuldkomplex.
    Er muß es glauben,
    weil er im Glauben erzogen wurde,
    er muß sich geißeln lassen
    und martert sich selber,
    er verflucht sich und wird verflucht.
    Er sucht seine Freiheit unter
    der Allmacht seines Gottes vergeblich,
    trägt seine Verantwortung
    ohne zu wissen, woher er kam
    und wohin er geht.
    Gerecht soll er handeln,
    nachsichtig und brüderlich leben;
    viel wird von ihm verlangt,
    ohne daß er je etwas verlangen konnte.
    Dies alles leistete der Mensch,
    erduldete sein Elend,
    ohne den Sinn des Ganzen zu kennen;
    er darf nie alles wissen.
    Im Spiegel erblickt die „Krone der Schöpfung“
    einen blinden, tauben, zerzausten Paradiesvogel,
    der ahnungslos und verzweifelt
    durch die Zeit flattert und
    ziellos ein Zweiglein sucht zum Ausruhen.
    Von Tod zu Tod bettelt er vergeblich
    um Gnade, Barmherzigkeit und Erlösung.
    Deswegen trägt er die Krone.

    Ohne eine einzige Sekunde zu vergessen,
    folgt er dem Wechsel von Tag und Nacht,
    füllt die langen Tage im Sommer genauso beharrlich
    wie die dunklen Wintertage mit seinem Wollen aus.
    Ob an fröhlichen Frühlingstagen
    oder im melancholischen Herbst,
    der Mensch kann sich keine Ruhe gönnen,
    denn in ihm ist ein schaffender Geist ohne Pause tätig.
    Welch ein mächtiger Auftrag muß zu erfüllen sein.
    Stets muß der Mensch sich um seinen nächsten Schritt bemühen,
    weil er ihn nicht kennt,
    weil er sich nicht kennt,
    weil er den Anderen nicht kennt.
    Suchen muß er mit jedem Schritt ins Ungewisse,
    nicht nur seinen Weg,
    auch sein Ziel;
    dabei geschehen viele Dinge,
    die er nicht wollte, und
    aus vielen guten Absichten wuchsen
    fatale Folgen.
    Warum dies alles, und gerade so?
    Mit diesen Fragen wacht er auf,
    ohne Antwort schläft er ein.
    Alles verändert sich unberechenbar,
    auf nichts kann er sich verlassen;
    was er glaubte als gut zu kennen,
    schadet ihm später.
    Liebe erscheint ihm für kurze Momente,
    er findet nur vergängliches Glück und
    sein Herz ist gefüllt mit Mißtrauen, Zweifel und Angst,
    Ungewißheit ist sein ständiger Begleiter,
    und allein sein Schmerz bleibt ihm treu.
    Der kleine Mensch trägt die große Last,
    für das Böse verantwortlich zu sein;
    seine Gedanken verstricken sich in einen
    gewaltigen Schuldkomplex.
    Er muß es glauben,
    weil er im Glauben erzogen wurde,
    er muß sich geißeln lassen
    und martert sich selber,
    er verflucht sich und wird verflucht.
    Er sucht seine Freiheit unter
    der Allmacht seines Gottes vergeblich,
    trägt seine Verantwortung
    ohne zu wissen woher er kam
    und wohin er geht.
    Gerecht soll er handeln,
    nachsichtig und brüderlich leben;
    viel wird von ihm verlangt,
    ohne daß er je etwas verlangen konnte.
    Dies alles leistete der Mensch,
    erduldete sein Elend,
    ohne den Sinn des Ganzen zu kennen;
    er darf nie alles wissen.
    Im Spiegel erblickt die „Krone der Schöpfung“
    einen blinden, tauben, zerzausten Paradiesvogel,
    der ahnungslos und verzweifelt
    durch die Zeit flattert und
    ziellos ein Zweiglein sucht zum Ausruhen.
    Von Tod zu Tod bettelt er vergeblich
    um Gnade, Barmherzigkeit und Erlösung.
    Deswegen trägt er die Krone.

    • Januar 12, 2012 um 4:46 pm

      Oh, es ist mir eine Ehre, dass Du dieses intensive Gedicht hier bei mir veröffentlichst! Martin

      • Januar 12, 2012 um 11:32 pm

        Des Einen Ehre, des Anderen Freude. Danke!

        Sicher wirst, Du, Martin, verstanden haben, dass die „Krone“, die ich dem Menschen aufsetzte für eine Lebensleistung, die nur er erbringen konnte und kann auf Grund einer Eigenschaft, die der Natur fehlt, ihn nicht über die Natur erhebt. Vielleicht, wenn er sich seiner „Krone“ bewusster wäre, braucht er sich nicht mehr über die Natur erheben und mit Füssen treten, was ihm dient. Könnte auch sein, dass er dann nicht mehr mit versteckten Feindseligkeiten operieren muss.

        Wolfgang

  11. Januar 12, 2012 um 2:41 pm

    Übrigens_
    Sigmund Freud liefert in seinem Buch „Das Unbehagen in der Kultur“ einige sehr interessant Gedanken über das Wesen unseres Gesellschaftsystems.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Unbehagen_in_der_Kultur

  12. Ippitz
    Januar 12, 2012 um 4:09 pm

    Interessanter Artikel, zu dem mir einige Fragen und Kommentare einfallen:

    1.) Warum geht inzwischen überhaupt jedes 2. Kind zum Gymnasium und muss damit den Stress von G8 absolvieren???? (Vielleicht wäre Marie einfach besser auf eine gut funktionierende Realschule gewechselt?!!!) Dann hätten auch Vater und Mutter weniger (Lern-)Stress und nicht so ein schlechtes Gewissen…!

    2.) Wie lange wollen wir uns noch 4 verschiedene Schulformen (Haupt-, Real-, Gesamtschule + Gymnasium) in zum Teil einer Stadt leisten, wenn es doch in Wahrheit schon längst die Einheitsschule (nämlich das Gymnasium) gibt? Daneben würde eine Mittel- (oder eben Sekundar-)schule doch vollkommen reichen. Auch hätten wir dann endlich eine gute Mischung von bildungs-, sozial- und finanzschwächeren sowie besser gestellten Familien, in denen unsere Kinder Verständnis und soziales Miteinander lernen, andere Kulturen und Strukturen erfahren und Integration endlich mal wirklich in allen Schulen gelebt wird.

    3.) Wann gibt es endlich wieder verpflichtende Schulempfehlungen von Grundschulen, die strebsame Eltern nicht einfach – auf Kosten ihrer Kinder! – unterlaufen können!?

    4.) Wann begreifen unsere Politiker endlich, dass das Schulsystem (auch in Deutschland) nur funktionieren kann, wenn dies einheitlich geregelt ist und nicht jedes Bundesland sein eigenes „Süppchen kochen“ kann???

    5.) Die im Film vorgestellte Schule kommt dem Konzept einer Waldorfschule sehr nahe.
    Diese alternative Schulform (oder z.B. auch die Laborschule Bielefeld) gibt es schon ziemlich lange, nur traut sich die Politik nicht (das ist jetzt meine persöliche Meinung!), diese Schulkonzepte auf Regelschulen zu übertragen, Denn dafür müsste ordentlich Geld in die Hand genommen werden, die der Staat (und das sind wir alle!) nicht mehr hat!

    Gruß, Ippitz

    • Januar 12, 2012 um 4:25 pm

      Ich bin inzwischen der Meinung, dass es keine Schulunterscheidungen geben sollte. Jeder Mensch hat unterschiedliche Talente, und unterschiedliche Geschwindigkeiten des Lernens. Was es braucht, sind unterschiedliche Räume des Lernes, die jedes Kind je nach seinem Stand des Wissens und Wissenswollens wahrnimmt. Lehrer sollten dabei im Sinne von Paten moderieren und anleiten, aber nicht vorkauen. So wird jeder junge Mensch einen ganz anderen Weg in seine Reifung finden. Keiner wird behindert, Niemand muss sich beugen. Hierbei verliert keiner mehr seine unbändige Lust, etwas neues erfahren zu wollen. So kann Spaß am Leben gelingen.
      Ja, das würde eine mehr „Lehrmittel“ sowohl sachlicher auch menschlicher Art benötigen und mehr Geld. Aber am Ende stehen gefestigtere, psychisch gesunde Menschen. Und es würde unserer Gemeinschaft nur gut tun. Wir haben inzwischen 9 Millione, die entweder an Depressionen leiden oder am Burn-Out. Dies sollte gefestigten Menschen weniger passieren, da sie schnell Situtationen entfliehen würden, die sie knebeln.

      • Januar 12, 2012 um 11:13 pm

        Susanne und ich diskutierten heute über ein Modell „Offene Schule. Machbar ist das alles, sogar ohne großen Kostenaufwand – vom Nutzen mal ganz zu schweigen.

        Das „Problem“ ist politischer Natur. Das Modell ist nicht umsetzbar, weil die Investitionen sich erst in Jahren – sozusagen amortisieren. Kranke Kinder (und Erwachsene) dagegen schaffen sofort den Umsatz und das NÖTIGE Wachstum für die Aufrechterhaltung des Systems. Das Prinzip endet zwar am Galgen, aber die Hoffnung der Politker endet sicher erst dort. Wenn Alle krank sind und niemand mehr die Medikamente produzieren kann, werden sie es – vielleicht – begreifen.
        Es sei denn, es treten unberechenbare Effekte auf.

        Stell Dir mal bitte vor, das Wirtschaftswachstum würde sich drehen in einen (gesund-)Schrumpfungsprozeß. Dann wäre schnell Schluß mit dem Schuldenmachen.

        Wolfgang

  13. Januar 12, 2012 um 9:58 pm

    „Ich war nie in der Schule“, veröffentlicht in der Frankfurter Rundschau.

    Der „Extrem Freilerner“ und Franzose André Stern hat eine Kindheit fern des Klassenzimmers erlebt. Im FR-Interview spricht der Musiker und Journalist über die Lust am selbständigen Lernen und den Mut zur Wissenslücke.

    … Und meine Eltern haben beobachtet, dass bei Kindern eigentlich alles von innen heraus kommt, dass es keiner zielgerichteter Impulse von außen bedarf. Nachdem sie diese Überzeugung gewonnen hatten, war es für sie klar, dass Unterricht nach Lehrplan die natürliche Neugier, den natürlichen Rhythmus des Kindes unterbricht. …

  14. Januar 12, 2012 um 11:40 pm

    Martin, ich hatte einen Beitrag zum neuen Thema „Karl-Heinz Schubäus“ geschrieben – dann war der Bildschirm weiß, das Thema weg.
    Der Ausschnitt aus einem Interview mit ihm
    http://www.schubaeusmodell.de/fileadmin/files/Dokumente/Regelwerk.pdf
    paßt auch hier hinein:

    Schubäus: Wenn es das nur wäre! Auch unser Bildungs-
    und Ausbildungswesen muss den Anforderungen künftiger
    Gesellschafts- und Wirtschaftsordnunge n neustrukturiert
    werden.
    Bildungs- und Ausbildungsmuster, die dem Wandel der
    Neuzeit bisher nicht annähernd gefolgt, und somit den An-
    forderungen neuer Denkmuster nicht gewachsen sind.
    So denken Kinder überall auf der Erde in natürlichen, le-
    bensnahen und unverbildeten Denkmustern: Ganzheitlich
    und rational. Was bei den Urvölkern aus lebenserhaltenden
    Gründen nie aufhört, endet in der Zivilisation mit Beginn
    der Schulpflicht.
    Ab diesem Zeitpunkt wird neugieriger Wissensdurst und
    Interesse an Zusammenhängen, durch nicht endendes Pau-
    ken standardisierter Leitsätze unterdrückt.
    So geht zeitgemäßes Lernen an der Wirklichkeit des Lebens
    vorbei, denn was wir als Leben wahrnehmen, ist von Men-
    schen erzeugte Enge innerhalb künstlich erzeugter Grenzen.
    Wer kümmert sich in diesen Zusammenhängen schon um
    die alles durchdringenden Lehren Descartes und den daraus
    entstehenden Verwirrungen, Unsicherheiten und Konflik-
    ten in unserer Gesellschaft.
    Das Erwachsenwerden erfolgt nicht etwa auf den Grundla-
    gen lebenserhaltender Prozesse, sondern auf Basen, die sich
    Menschen nach ihrem Gusto geschaffen haben und weil sie
    sich aus diesen Mustern scheinbaren Nutzen erhoffen. Sie
    setzen dabei auf Ordnungsprinzipien, die auf Dingen und
    Teilen (Descartes Irrlehren) und nicht auf dynamischen Zu-
    sammenhängen, Ursachen und Wirkprinzipien beruhen.
    Solange über lebenserhaltende menschliche Aktivitäten hi-
    naus Bildungsmuster existieren, werden sie auf menschliche
    Interessen zugeschnitten. Und so wie sich der Mensch die
    Natur unterordnet, wird auch Bildung ein wesentlicher
    Bestandteil im menschlichen „Drama“ bleiben.
    Je höher das konventionelle Bildungsniveau, desto weiter
    entfernt es sich von der Realität naturnaher Zusammenhän-
    ge. So läuft zwar Karrieremachen für den Einzelnen nach
    etablierten Mustern und verbrieften Regeln ab, Karrieren
    entziehen den Unternehmen jedoch wertvolle Ressourcen.

    Seine Ideen, so scheint mir, passen auch in das gesamtgesellschaftliche Konzept.

    Wolfgang

    • Januar 13, 2012 um 10:07 am

      Ich musste den Beitrag nochmals rausnehmen, da noch eine Freigabe fehlte. Kommt heute Nachmittag 🙂

    • Januar 13, 2012 um 3:46 pm

      Ja, Herr Schubäus war seiner Zeit ebenfalls weit voraus. Er ist inzwischen über 80 und ihn schmerzt viel mehr als andere zu sehen, dass viel schief läuft, obwohl es doch nachweislich anders geht. Er hat seine Projekte in diesem Sinne geleitet und damit die Menschen miteinander vernetzt, so dass das Arbeiten wieder Spaß machte.

  15. Januar 13, 2012 um 10:53 am

    Der Artikel ‚Ich war nie in der Schule‘ zeigt sehr schön, was hinter dem Begriff BERUF-UNG steht … schließlich ziehen es Vögel auch vor zu fliegen, anstatt zu ‚Fuß‘ zu gehen. Ich könnte jetzt wieder anfangen das Schulsystem mit der reaktiven Unordnung in Verbindung zu bringen, um aufzuzeigen, warum jedes Kind im Grunde als energetisches Genie auf die Welt kommt … nur, um vom System nach und nach dieser Genialität beraubt zu werden … aber wie Martin eingangs erwähnt, brennt dieses Thema ohnehin schon vielen unter den Nägeln. Egal, wie groß ein Feuer, es startet immer mit einem Funken.

    Gruß Guido
    http://www.gold-dna.de

    • Januar 13, 2012 um 11:14 am

      Hallo Guido,
      gerade fiel mir die „Erziehungsgrundlage der Nubier wieder ein. Sie bilden vor jeder weiteren Ausbildung das „Gemüt“ ihrer Kinder aus.
      Könnte aus dem Gemüt,
      einer Herzlichkeit und Verbundenheit mit dem Wesen des Lebens,
      der Funke entspringen, der ein wärmendes, statt eines verbrennenden Feuers entzündet?

      BeRUFung.
      Es macht wohl einen Unterschied, ob ich dem Ruf meines Herzens oder dem des Geistes folge.

      Ich wünsche Euch einen guten Tag.

      Wolfgang

  16. Januar 13, 2012 um 12:15 pm

    Die Rettung kommt per Post, publiziert auf Zeit Online

    Darüber, warum Schulverweigerer ihren Abschluss ausgerechnet an einer Fernschule schaffen

    Die Jugendlichen haben oft jegliches Vertrauen in die Schule verloren

    Jacqueline aus Dresden hat mit 15 Jahren die achte Klasse verlassen. Die Schule schrieb ihr ein Abgangszeugnis ohne eine einzige Note darin. Es folgten Depressionen, Essstörungen und Angst vor sozialen Kontakten, vor größeren Gruppen. Ihre Geschichte gleicht denen vieler Flex-Schüler. Mobbing in der Klasse, »von 24 Schülern waren 23 gegen mich«, Rückzug, Isolation, Krankheit, später Verweigerung – und der totale Vertrauensverlust gegenüber der gesamten Institution Schule und ihren Lehrern. Oft kommen noch Probleme in der Familie, die Angst vor eigenem Versagen und zu starker Leistungsdruck hinzu.

  17. Januar 13, 2012 um 12:17 pm

    Die Schule der Tiere
    Es gab einmal eine Zeit, da hatten die Tiere eine Schule. Der Unterricht bestand aus Rennen, Klettern, Fliegen und Schwimmen, und alle Tiere wurden in allen Fächern unterrichtet.
    Die Ente war gut im Schwimmen, besser sogar als der Lehrer. Im Fliegen war sie durchschnittlich, aber im Rennen war sie ein besonders hoffnungsloser Fall. Da sie in diesem Fach so schlechte Noten hatte, musste sie nachsitzen und den Schwimmunterricht ausfallen lassen, um das Rennen zu üben. Das tat sie so lange, bis sie auch im Schwimmen nur noch durchschnittlich war. Durchschnittliche Noten waren aber akzeptabel, darum machte sich niemand Gedanken darum, außer: die Ente.
    Der Adler wurde als Problemschüler angesehen und unnachgiebig und streng gemaßregelt, da er, obwohl er in der Kletterklasse alle anderen darin schlug, darauf bestand, seine eigene Methode anzuwenden.
    Das Kaninchen war anfänglich im Laufen an der Spitze der Klasse, aber es bekam einen Nervenzusammenbruch und musste von der Schule abgehen wegen des vielen Nachhilfeunterrichts im Schwimmen.
    Das Eichhörnchen war Klassenbester im Klettern, aber sein Fluglehrer ließ ihn seine Flugstunden am Boden beginnen, anstatt vom Baumwipfel herunter. Es bekam Muskelkater durch Überanstrengung bei den Startübungen und immer mehr „Dreien“ im Klettern und „Fünfen“ im Rennen.
    Die mit Sinn für’s Praktische begabten Präriehunde gaben ihre Jungen zum Dachs in die Lehre, als die Schulbehörde es ablehnte, Buddeln in den Unterricht
    aufzunehmen.
    Am Ende des Jahres hielt ein anormaler Aal, der gut schwimmen und etwas rennen, klettern und fliegen konnte, als Schulbester die Schlussansprache.
    (Entnommen dem Buch: „Legasthenie muss kein Schicksal sein“
    von E.-M. Soremba; Lehrerin ; Herder Verlag 1995)

    • Januar 13, 2012 um 1:34 pm

      Und die Moral von der Geschicht‘:
      Politiker taugen selbst zu Tieren nicht.

      In der Schule sehr gut – für’s Leben untauglich?

      Wolfgang
      (Häßliches Entlein)

  18. Fam.Kuen
    • Januar 14, 2012 um 11:09 am

      Danke für den Hinweis auf diesen wichtigen Artikel.

      Ruheräume schaffen
      Freizeit sollte wieder das werden, was sie eigentlich bedeutet: freie Zeit! Ohne Druck, ohne Erwartungen, ohne Stress – denn Kinder erleben in ihrem Kindergarten- und Schulalltag sehr viele unterschiedliche Situationen, die es im Lauf des restlichen Tages zu verarbeiten gilt. Dafür ist Ruhe notwendig. Abschalten ohne Leistungsdruck, ohne Erfolgszwang und die Möglichkeit, sich auch mal ein bisschen Zeit zu lassen, bevor man etwas erzählt. Ein gemeinsamer Spaziergang, auf dem man zum Beispiel Bastelmaterialien sucht, hat schon so manches Problem gelöst. Die Kinder merken, dass die Eltern jetzt Zeit haben, sich diese nur für sie nehmen und völlig ohne Ablenkung von Außen für sie da sind. Das fördert manches gute Gespräch.

      LG Martin

  19. Januar 15, 2012 um 2:40 pm

    Wow, echt mitreißend!
    Nur leider geht er nur sehr oberflächlich auf das Schulsystem ein. Wer etwas mehr Hintergründe dazu erfahren möchte, dem empfehle ich meinen Artikel „Unser Schulsystem„:

  20. Januar 16, 2012 um 7:34 pm

    Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte von Aufstieg und Niedergang. Phasen großer Prosperität wechselten sich ab mit katastrophalen Rückschlägen. Bestsellerautor Jeremy Rifkin entwirft in diesem mitreißenden Buch ein grundlegend neues Menschenbild. Empathie war seit jeher prägend für das Schicksal der Zivilisation und sie wird für unsere Zukunft sogar entscheidend sein. Neue Erkenntnisse von Biologen und Hirnforschern zeigen: Kooperation siegt über Konkurrenz. Das Internet und die Kommunikationstechnologie haben Wirtschaft und Gesellschaft von Grund auf verändert:

  21. m0lch
    Januar 18, 2012 um 7:14 pm

    Ein toller und wichtiger Brief, in dem ich (Student des Gymnasiallehramtes kurz vor Ende des Studiums) Vieles, was ich aus meinem Leben kenne und was mich selbst tagtäglich „betroffen“ und wütend macht, wiederfinde. Ich bin oft regelrecht angeekelt von der Leistungsfixiertheit, dem Leistungszwang unserer Gesellschaft.
    Ich ertappe mich immer häufiger dabei, wie ich darüber nachdenke, ob ich genug tue, ob ich wirklich alles gebe, ob ich der zukünftigen Arbeitswelt standhalten kann, und schaudere darüber, dass Idealismus, ein Humboldtsches Bildungsideal, ein folgenloses „Austesten“, und so vieles mehr, was den Menschen zum Mensch kommen lässt, kaum (oder vielleicht schon nicht) mehr möglich ist bzw. nicht mehr gewürdigt wird.

    Der für mich schönste und wertvollste Satz zur „Bildung“ stammt von Hans Blumenberg, der behauptete, „Bildung sei kein Arsenal, sondern ein Horizont“.

  22. Januar 18, 2012 um 9:26 pm

    Die Volksinitiative Schule in Freiheit will folgende Grundsätze im Berliner Schulwesen etablieren:

    Pädagogische Freiheit -Die Schulen sollen die Inhalte und Qualitätsmaßstäbe ihrer Arbeit selbständig gestalten können

    Schulen auf der Höhe der Zeit sind nicht mehr nur Lehranstalten, sondern Orte, an denen die Menschen ihre Fähigkeiten und ihre Kreativität individuell entwickeln. Das kann nur in Freiheit gelingen. Schon Wilhelm von Humboldt wusste, dass die Schulen für ihre Arbeit Freiheit brauchen und forderte, dass der Staat sich aus der Pädagogik heraushalten soll. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Staat jede Verantwortung für die Schulen abgeben soll. Wir wollen vielmehr, dass der Staat endlich seine Pflicht erfüllt, nämlich die Freiheit und die Selbstverwaltung der Schulen auf der Grundlage der Gleichberechtigung zu garantieren und zu schützen. Auch gegenüber der Wirtschaft. …

  23. Januar 21, 2012 um 9:54 pm

    Der „Staat“ erfüllt seine Pflicht durch FREMD-interessengeführte Volkszertreter. Die „Fremden“ sind, wofür sie nicht angesehen werden: Die Konzerne, die Banken und sonstigen Wirtschaftsmächte.

    Wie es sein soll, stolperte ich über eine Vera F. Birkenbihl.
    Und landete auf ihrer Homepage.
    Und fand einen sehr spannenden, schonungslos offenen Bericht über unser Schul-Unwesen.

    http://birkenbihl.de/

    Die Überschrift lautet:
    Wie und warum das allgemeine Bildungswesen unsere Kinder verkrüppelt
    von John Taylor Gatto

    Der Bericht endet mit:
    Zunächst jedoch müssen wir aufwachen, damit wir sehen, was unsere Schulen wirklich sind: Laboratorien mit Experimenten, die sich dem jungen Geist widmen, Pauk-Center der Gewohnheiten und Haltungen, die die Konzerngesellschaft verlangt. Gezwungene Schulbildung dient den Kindern nur zufällig; ihre wahre Absicht ist, sie in Diener zu verwandeln.
    Erlauben Sie Ihren Eigenen nicht, ihre Kindheit zu verlängern, nicht mal für einen Tag lang. Wenn David Farragut mit unter zehn Jahren das Kommando eines eroberten britischen Kriegsschiffes übernehmen konnte, wenn Thomas Edison im Alter von zwölf ein Flugblatt veröffentlichen konnte, wenn Ben Franklin im selben Alter sich selber zum Drucker ausbildete (dann schickte er sich selber durch ein Studium, was einen Yale-Studenten heutzutage rot anlaufen lassen würde), dann gibt es nichts zu sagen, was Ihre eigenen Kinder tun könnten. Nach einem langen Leben, und dreißig Jahren in den öffentlichen Schulgräben, kam ich zu dem Schluß, dass Genie so alltäglich ist, wie Schmutz. Wir unterdrücken unser Genie nur, weil wir noch nicht herausgefunden haben, wie man eine Bevölkerung gebildeter Männer und Frauen handhabt. Die Lösung, denke ich, ist einfach und glorreich. Lassen Sie sie sich selbst führen. Zitatende

    Es ist so einfach.
    Das Kapital übt Doppelkontrolle aus –
    in die Politik
    in die Wirtschaft
    Beide Kontrollen sollten Geld kosten – weit gefehlt, sie bringen Geld ein.
    Und sie KÖNNEN NUR DESWEGEN EXISTIEREN; WEIL:
    Die Politiker lassen einen BESTIMMTEN Schulunterricht planen;
    ihn umsetzen von Menschen, die aus dem System hervor gingen;
    rauben Kindern ihre natürlich Bildung, machen sie zu Arbeitern, die sich klaglos und dankbar mit den Schlachtabfällen speisen, die sie oder gleichartig gemachte Arbeiter herstellten – von einer Wirtschaft, die genau darauf ausgerichtet ist.
    Grandios.
    Aus dieser Mühle gekommen, stellen sich die „Produkte“ nicht mehr die Frage nach dem Unterschied zwischen Vegetarier und Vegetierer. Es sei denn, sie hatten Glück.

    Wolfgang
    (zornig)

    • Januar 22, 2012 um 6:42 pm

      Danke, für das tolle Zitat und den Link auf Frau Birkenbihls Web-Site. Da gitb es reichlich zu lernen 🙂

      • Januar 22, 2012 um 7:41 pm

        Ja, Frau Birkenbihl ist Hammer – klug, eine Systembeschreibung so zu formulieren, dass niemand sie daran hindert.

        Wir sprachen heute mit einem fast Zwölfjährigen. Er sagte: „Die Schule ist verschwendete Zeit“.
        Ich antwortete ihm, es gäbe keine verschwendete Zeit.
        Man muss die Zeit verstehen, auch die Schulzeit. Sie kann hilfreich sein zu lernen, wie man Menschen manipuliert, und kann lernen, sich dem zu entziehen, und – kann NEBENHER etwas anderes lernen, das, was die Schule versucht zu verhindern:
        Ein selbständiger, fühlender Mensch zu werden, der sich selbst und die Anderen achtet und wertschätzt.

        Mögen das viele Menschen verstehen und unsere Kinder dabei unterstützen. Es wird ihr Schaden nicht sein, weil sie sehr schnell merken werden, wie viel SIE von Kindern lernen können.

        Euch einen guten Abend.

        Wolfgang

  24. Januar 22, 2012 um 2:15 pm

    Andreas Körber auf Facebook:

    „Ich wollte:
    Ich wollte Milch und bekam die Flasche,
    ich wollte Eltern und bekam Spielzeug,
    ich wollte lernen und bekam Zeugnisse,
    ich wollte Liebe und bekam Moral,
    Ich wollte einen Beruf und bekam einen Job,
    ich wollte einen Sinn und bekam eine Karriere,
    ich wollte Glück und bekam Geld,
    ich wollte Wahrheit und bekam Lügen,
    ich wollte Hoffnung und bekam Angst,
    Ich wollte Leben …. und wurde gelebt,

    doch ich bin zum Glück aufgewacht!“

    Ein Leben, das aufwachte und nun versucht, den Alten Traum zu bekämpfen, verläuft sicher nicht glücklicher.

    Es gilt, neue Ideen mit Leben zu erfüllen.

    Andreas Körber:
    „Niemand ist so reich,
    daß er keine Hilfe braucht,
    und keiner so arm,
    daß er nicht helfen kann.“

    Allen einen guten Tag.

    Wolfgang

  25. SheriHeather
    Januar 23, 2012 um 6:25 pm

    Ich stimme Ihnen tausendprozentig zu, lieber Henning.

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