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Gänsehaut pur: die Abschlussrede Charlie Chaplins in seinem genialen Film „Der große Diktator“

Auf meiner Suche nach einer besseren Welt finde ich immer mehr Beiträge sehr bekannter Persönlichkeiten, die schon früh aufgerufen haben, Widerstand gegen Ausbeutung zu leisten für mehr Menschlichkeit in unserer kleinen Welt. Dieses Mal möchte ich hier die Abschlussrede des großen Diktators, gespielt von Charlie Chaplin bringen, die mir bei jedem neuen Anhören einen Schauer über den Rücken laufen lässt. So aktuell ist noch heute seine Rede:

Charlie Chaplin hatte auf Grund seiner Kritiken am Gesellschaftssystem immer wieder Probleme mit den Staatswächtern. Hier aus Wikipedia darüber:

Im Oktober 1947 musste Chaplin wiederholt vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe(House Un-American Activities Committee) aussagen, und der FBI-Chef J. Edgar Hoover, ein erbitterter Gegner Chaplins, versuchte, diesem die Aufenthaltsgenehmigung zu entziehen. Im Dezember 1947 veröffentlichte der Filmstar in der englischen Sonntagszeitung Reynold’s News den Artikel „Ich erkläre Hollywood und seinen Bewohnern den Krieg!“.

Obwohl Chaplin seine größten Erfolge in den USA errang, behielt er seine britische Staatsangehörigkeit. Er selbst sah sich als Weltbürger. Charles Chaplin war liberal, kritisch und Pazifist und passte damit nicht in das gängige Bild, das die Regierung von einem Filmstar erwartete. Auch an seinem Lebenswandel nahm man Anstoß.

Chaplin war in der Bevölkerung überaus beliebt und parodierte hintergründig auch die amerikanische Gesellschaft und wurde dadurch dem Staatsapparat verdächtig. Ihm wurde mangelnde Verfassungstreue vorgeworfen. In den 1930er/1940er Jahren konnte man sich in den USA bereits mit der spöttischen Hinterfragung der herrschenden Gesellschaftsordnung als marxistisch oder kommunistisch verdächtig machen. 1949 und 1951 bekamen die Chaplins zwei weitere Kinder: Josephine Chaplin und Victoria Chaplin.

Am 18. September 1952, zu Beginn der McCarthy-Ära, verließ Chaplin die Vereinigten Staaten für einen Kurzbesuch in England. Anlass war die Weltpremiere seines dort spielenden Films Rampenlicht. Als Hoover davon erfuhr, verhinderte er durch ein Verfahren wegen subversiver Tätigkeiten Chaplins Rückkehr in die Vereinigten Staaten. Dieser beschloss daraufhin, in Europa zu bleiben. Er zog im Dezember 1952 in die Schweiz und ließ sich im Anwesen Manoir de Ban oberhalb Corsier-sur-Vevey am Genfersee nieder.

Und noch ein passendes Zitat von Mahatma Gandhi, dass wir genug für alle hätten:

Die Welt hat genug für Jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für Jedermanns Gier.

Russel Maguire in American Mercury, Oktober 1957: „Eigentlich ist es gut, dass die Menschen unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“

——–

Hier noch der Text dazu:

*Es tut mir leid, aber ich möchte nun mal kein Herrscher der Welt sein, denn das liegt mir nicht. Ich möchte weder herrschen noch irgendwen erobern, sondern jedem Menschen helfen wo immer ich kann; den Juden, den Heiden, den Farbigen, den Weißen. Jeder Mensch sollte dem anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt. Wir sollten am Glück des Anderen teilhaben und nicht einander verabscheuen. Haß und Verachtung bringen uns niemals näher. Auf dieser Welt ist Platz genug für jeden, und Mutter Erde ist reich genug um jeden von uns satt zu machen. Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein, wir müssen es nur wieder zu leben lernen! Die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet, und Mißgunst hat die Seelen vergiftet und uns im Paradeschritt zu Verderben und Blutschuld geführt. Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt, aber innerlich sind wir stehengeblieben. Wir lassen Maschinen für uns arbeiten, und sie denken auch für uns. Die Klugheit hat uns hochmütig werden lassen und unser Wissen kalt und hart. Wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig. Aber zuerst kommt die Menschlichkeit und dann erst die Maschinen. Vor Klugheit und Wissen kommt Toleranz und und Güte. Ohne Menschlichkeit und Nächstenliebe ist unser Dasein nicht lebenswert. Aeroplane und Radio haben uns einander nähergebracht. Diese Erfindungen haben eine Brücke geschlagen von Mensch zu Mensch, die erfassen eine allumfassende Brüderlichkeit, damit wir alle Eins werden. Millionen Menschen auf der Welt können im Augenblick meine Stimme hören. Millionen verzweifelter Menschen , Opfer eines Systems, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Unschuldige zu quälen und in Ketten zu legen. Allen denen, die mich jetzt hören, rufe ich zu „Ihr dürft nicht verzagen!“. Auch das bittere Leid, das über uns gekommen ist, ist vergänglich. Die Männer die heut die Menschlichkeit mit Füßen treten, werden nicht immer da sein! Ihre Grausamkeit stirbt mit ihnen, und auch ihr Haß. Die Freiheit, die sie den Menschen genommen haben, wird ihnen dann zurückgegeben werden. Auch wenn es Blut und Tränen kostet, für die Freiheit ist kein Opfer zu groß. Soldaten, vertraut Euch nicht Barbaren an, Unmenschen, die Euch verachten und denen Euer Leben nichts wert ist; Ihr seid für sie nur Sklaven, Ihr habt das zu tun, das zu glauben und das zu fühlen. Ihr werdet gedrillt, gefüttert, wie Vieh behandelt und seid nichts weiter als Kanonenfutter. Ihr seid viel zu schade für diese verwirrten Subjekte, diese Maschinenmenschen mit Maschinenköpfen und Maschinenherzen. Ihr seid keine Roboter, Ihr seid keine Tiere, Ihr seid Menschen! Bewahrt Euch die Menschlichkeit in Euren Herzen und haßt nicht! Nur wer nicht geliebt wird, haßt! Nur wer nicht geliebt wird. Soldaten, kämpft nicht für die Sklaverei, kämpft für die Freiheit! Im 17. Kapitel des Evangelisten Lukas steht: „Gott wohnt in jedem Menschen“. Also nicht in einem oder einer Gruppe von Menschen. Vergeßt nie, Gott lebt in Euch allen, und Ihr als Volk habt allein die Macht, die Macht Kanonen zu fabrizieren, aber auch die Macht Glück zu spenden. Ihr als Volk habt es in der Hand, dieses Leben einmalig kostbar zu machen, es mit wunderbarem Freiheitsgeist zu bedringen. Daher im Namen der Demokratie: laßt uns diese Macht nutzen, laßt uns zusammenstehen! Laßt uns kämpfen für eine neue Welt, für eine anständige Welt, die Jedermann gleiche Chancen gibt, die der Jugend eine Zukunft und den Alten Sicherheit gewährt. Versprochen haben die Unterdrücker das auch, deshalb konnten sie die Macht ergreifen. Das war Lüge, wie überhaupt alles, was sie Euch versprachen, diese Verbrecher! Diktatoren wollen die Freiheit nur für sich, das Volk soll versklavt bleiben. Laßt uns diese Ketten sprengen, laßt uns kämpfen für eine bessere Welt, laßt uns kämpfen für die Freiheit in der Welt, das ist ein Ziel für das es sich zu kämpfen lohnt! Nieder mit der Unterdrückung, dem Haß und der Intoleranz. Laßt uns kämpfen für eine Welt der Sauberkeit, in der die Vernunft siegt, in der Fortschritt und Wissenschaft uns allen zum Segen gereichen. Kameraden! Im Namen der Demokratie, dafür laßt uns streiten!“

  1. März 24, 2014 um 7:51 pm

    Unsere Freiheiten werden immer weiter eingeschränkt. Der ehemalige Wutbürger Roland Düringer zeigt als neuer Mutbürger, wie es ist und wie es auch anders ginge:

  2. Oktober 28, 2013 um 7:46 am

    Hier ist ein sehr eindrucksvoller Re-Cut von Max Bryan mit Bildern und Ton:

    Quelle: A Message To Humanity – Be the change !

  3. Hans Jäger
    Februar 1, 2013 um 11:43 pm

    Anstelle von ‚die erfassen eine allumfassende Brüderlichkeit‘ heißt es im Originaltext ‚die erfordern eine allumfassende Brüderlichkeit‘.

  4. Juni 4, 2011 um 10:02 pm

    Das ist auch nicht schlecht: Wir müssen wütend werden, steckt Euren Kopf aus dem Fenster und schreit: „Ihr könnt mich alle mal am …“:

    Nur sollte diese Kraft dann nicht zum Pöbeln und Gewaltausübung verwendet werden sonder wie es die spanische Jugend vormacht: gemeinsam beratschlagen, was wir wollen, und wie das umgesetzt werden kann, ohne dass wir im Chaos enden!

  5. Juni 4, 2011 um 11:47 am

    Im Tageblatt Online formuliert Alvin Sold in seinem Artikel Tyrannis, Tyrannei: Wir möchten das Thema vertiefen:
    Hört ihr das Grollen?

    Die Vormacht der Politik ist conditio sine qua non für ein demokratisches Staatswesen.
    Unter der Vorherrschaft des Kapitals gibt es keine Demokratie.
    Das Kapital, sagen wir mal das Kapital à la Deutsche Bank, weil dieses für den Spiegel exemplarisch schlecht ist, geht keine Kompromisse ein; es will verdienen, koste es, was es wolle. Man kann nicht mit der Deutschen Bank über den Luxemburger Index reden. Man hat ihn abzuschaffen. Capito?
    Capito, Juncker? A-b-s-c-h-a-f-f-e-n! Sonst …
    Ja, was denn sonst?
    Hört man nicht, noch leise, aber deutlich schon, das Grollen der Jugend? In Griechenland, Portugal, Spanien, Irland?
    Die Jugend wird euch wegfegen, ihr Damen und Herren Politiker, überall in Europa, wenn ihr die Märkte nicht kleinkriegt.

  6. Juni 3, 2011 um 1:05 pm

    Die Berichterstatter in Deutschland schlafen oder schauen bezahlt weg, während in den Nachbarländern die Systemfrage schon längst kollektiv bearbeitet wird:
    Reden ist Silber, Schweigen ist Schuld
    Über die unsägliche Rolle des deutschen Journalismus im Zuge der Entstehung des Movimiento 15-M

    Auch den Parteien gilt die Empörung, denn vielerorts in Europa haben sie vergessen, dass Parteien die Interessen der Bürger zu vertreten haben, anstatt den hechelnden Schoßhund zu spielen für jene, die längst zum Herr im Hause geworden sind. Der Tsunami der Empörung, der durch Europa rollt, ist auf dem besten Weg zu einer handfesten Systemkrise zu werden. Und worüber redet Deutschland? Ehec! Bestenfalls noch über Atomstrom.

  7. Mai 29, 2011 um 10:03 am

    Hier eine Zusammenfassung der Empörungen der letzten Wochen in Europa:

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