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Ist der Zins der eigentliche Konflikt zwischen dem „Westen“ und dem Islam?

Zinsen werden im Koran als Riba bezeichnet. Die lexikalische Bedeutung von Riba ist: „Überfluss, Vermehrung, aufblähen, hinzufügen”. Im Sprachgebrauch wird damit jedoch ein fester prozentualer Anteil, den der Gläubiger vom Schuldner erhält, bezeichnet, also Zins. Im Islam wurde der Zins eindeutig verboten. Denn die Zinswirtschaft tötet im Menschen die Gefühle der Barmherzigkeit und Güte. Es ist deshalb nicht erlaubt, eigenes Vermögen zum Zwecke der Geldvermehrung auszuleihen. Dieses Verbot wiederum führt dazu, dass die Menschen ihr Vermögen stattdessen in aussichtsreiche Geschäfte investieren und so auf erlaubte Weise einen Gewinn erzielen.

Diesen Hinweis habe ich gerade auf der Web-Site muslimehelfen gefunden. Gesucht hatte ich nach Islam und Zins, nachdem ich mir diesen kleinen Film über unser Geldsystem, das ja seit der letzten Finanzkrise zum Grübeln anregt, angeschaut habe:

Demnach gab es auch schon damals Finanzprobleme und helle Köpfe, die erkannt haben, woran es liegt, und das ohne Computer und Simulationssysteme, die hier gegengesteuert haben.

Wer in einer vom Koran beeinflussten Kultur aufgewachsen ist, muss mit unserer Kultur des Geldleihens gegen Zins extreme Probleme haben. Und der Reflex der Verteidigung ihrer heilen Welt dürfte sehr natürlich sein. Oder?

Nachtrag vom 27.05.2011

Politiker wissen von der Problematik unseres Zins-basierenden und damit nicht funktionierenden Geldsystems:

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  1. Mai 16, 2011 um 9:34 pm

    Ein bischen simpel gestrickt, das Erklärungsmuster.Auch der Gewinn aus aussichtsreichen Geschäften könnte doch möglicherweise gesellschaftschädigend sein.Auch in der Islamischen Welt wird Geld ausgeliehen. Die Findigkeit mit der verschleiert wird, dass der Kunde über Gebüren Beteiligungen etc.im Zinsen bezahlt wird dort nur besser verschleiert.Etwas, das schon unsere Fugger und Welser bestens zu verschleiern wussten,den auch in den anderen monotheistischen Aberglaubensgemeinshaften gilt ja das Zinsverbot.

    Die Darstellung in dem Film, erinnert mich an erklärungen, die im Mode waren als mein Vater zur Schule ging.Vermisst habe ich nur die Unterscheidung zwischen raffendem und schaffendem Kapital

    • Mai 19, 2011 um 8:21 am

      Danke für die Hinweise. Es gibt sicherlich viele Methoden, sich mit Geld ohne Leistung weiter zu bereichern. Ich lese gerade in dem Magazin oya – anders denken.anders leben. Ausgabe 08. (siehe auch oya-online.de). Diese Ausgabe beschäftigt sich mit unserem Geldsystem sowie alternativem Geld, was in einige Regionen Deutschlands schon ausprobiert wird. Das scheinen mir recht gute Ansätze zu sein.

  2. Mai 20, 2011 um 9:47 pm

    Hallo Martin,
    leider bin ich jetzt seltener hier, da Saison. Aber vielleicht erinnerst Du Dich noch, „Dein Gewinn ist mein Verlust“ (arab. Sprichwort). Sicherlich gibt es auch in diesen Gegenden schon Menschen, die z.B. in Amerika oder Europa studiert haben, den Duft von irre riechenden Geld gekostet haben und nun nach Möglichkeiten suchen, das Verbot zu umgehen. Den Rest nennen wir Fundamentalisten oder noch schlimmer, die unsere „Demokratie“ bekämpfen. Wenn ich noch „Zuhälter der Globalisierung“ hinzunehme, kommt es meiner Grundauffassung schon sehr nahe. Für mich gibt es eine ganze Reihe von Ansätzen mehr, die eine Spekulation möglich machen. z. B. das Maschinen in der Bilanz als Geld auftauchen. Sie haben zwar sicher einen Wert, einen potentiellen, keinen kinetischen, um es mal mit der Physik auszudrücken, der aber nicht als Grundlage neuer Anschaffungen dienen darf, weil er ja notwendig ist für die derzeitige Wertschöpfung, so lange sie nicht veräußert oder in Zahlung gegeben werden.
    Ich stimme mit der Vorausschau völlig überein. Deshalb kleinere Strukturen, keine Wachstumsgesellschaft und dies macht das aufgeblähte Bankwesen unnötig. Richtige Balance zwischen Erleichterung der Arbeit und würdevoller, menschlicher Mitwirkung am Produktionsprozeß, z.B. Handwerk, Dienstleistung usw. Wozu benötigen wir einen mit Luftdruck betriebene Nagelmaschine, die nicht in der Lage ist, überhaupt den Energieaufwand bei ihrer Herstellung zu amortisieren. Ein traditioneller Hammer tut es über Generationen, ohne an unseren Ressourcen zu sägen und gleichzeitig unseren gefährdeten Kreislauf anregt. Wenn wir aber von gebratenen Tauben träumen, die uns in den Hals fliegen sollen, wenn wir nur den Mund aufmachen, werden wir die Welt schon klein kriegen und benötigen dazu nicht einmal mehr 20 Jahre! Alles was hier politisch ausgeheckt wird, trägt nicht zur Verbesserung der Situation bei, sie verschärft sie noch obendrein. Nicht mehr neue,“grüne“ Energie, am Ende sind es doch wieder die gleichen Konzerne, die sie übernehmen. Weniger Energieverbrauch durch konsequente Dezentralisierung und andere Technologien ist angesagt. nicht jeder braucht seinen Rechner, der so wie so jetzt schon überwacht werden kann. Bildung von Nutzergemeinschaften, da muß die Reise hingehen!
    Wer also denkt, es reicht aus das Geldsystem zu reformieren, ist auf dem Holzweg. Ich betone es noch einmal, wir brauchen kein durch dieses Geldsystem unterstütztes BGE. Wir müssen endlich begreifen, das der Mensch keine Ware und damit Profitquelle sein darf. Schluß mit den Herrenmenschen-Träumen, in dem das Geldwesen nur die Spitze des Eisberges der Entgleisungen darstellt! Und wir machen flott weiter und tanzen zur Kapelle mit der Öffnung des europäischen Arbeitsmarktes ohne Regularien. Es werden nicht viel neue Arbeiter kommen, denn die kommen wollten sind ja schon da. Das ist das berühmte Schattenbild von Goliat, das den David in die Knie zwinkt. Allein nur die theoretische Möglichkeit eine geringer bezahlten einstellen zu können, wird seine Wirkung, ähnlich Al-Kaida, nicht verfehlen. Warum gerade jetzt das mögliche Einlenken der CDU in Fragen Mindestlöhne. Das war unser „Bin Laden“, der ihnen die Wiederwahl retten soll, nach dem sie es mit ihrer „Betonkopfdoktrin“ in Sachen AKW (Laufzeitverlängerung, Phrase des Atommoratoriums),Flüchtlingspolitik etc. verrissen haben! Das mit den Betonköpfen kommt mir irgendwie bekannt vor! Das hat System meine Herren, dessen Name Kapitalismus ist, der sich gern unter dem Deckmäntelchen Demokratie versteckt so lange er kann.

    • Mai 20, 2011 um 11:24 pm

      Lieber Mike,
      schön, dass Du wieder vorbei schaust, und dann gleich mit einem Deiner besten Zeilen, wofür ich mich sehr bedanke. Ja, wir müssen beginnen zu dezentralisieren, uns selbst zu organisieren, vielleicht auch selber Geld zu schöpfen, in dem wir unsere Dienstleistung auf das Papier schreiben, das wir versprechen einzulösen. oya (siehe auch oya-online.de) hat sich hier mit dem kompletten Magazin 08 zu alternativen Geldsystemen beschäftigt.
      Es bleibt dabei. Wenn wir uns allein auf die Politiker verlassen, sind wir verlassen. In unseren Firmen verlangt man von uns auch immer mehr, Verantwortung zu ergreifen. Genau dies müssen wir wieder mehr in unserer direkten Umgebung machen. Dann stärkt das auch wieder die Gemeinschaft. Es geht nicht mehr um das Warten, bis ganz oben was passiert. Die Graswurzeln müssen wieder wachsen.
      Lieben Gruß, Martin

  3. Mai 21, 2011 um 1:21 am

    Martin sie wachsen schon, aber es brsaucht Zeit und wahre Propheten, werden wir die haben? Vielen Dank für das Kompliment, ich geb mir halt Mühe in der Runde zu bestehen. I have a vision, all poeple a round the world are brother for ever time, um mal „King“ in meine Worte zu fassen.

  4. Mai 24, 2011 um 12:06 am

    Auch lesenswert zum Thema Geldschöpfung durch die Privatbanken, von der Bundesbank selbst erklärt: Bundesbank bestätigt Geldschöpfung aus dem Nichts

  5. Mai 24, 2011 um 4:21 pm

    Ist ja die ganze Zeit schon mein Reden, bin nun mal kein „Wischenschaftler“. Es gibt eine ganz einfache Regel. Es darf nur so viel Geld verliehen werden, wie die Bank vorrätig hat, also real. Schon ist alle Spekulation vorbei! Man hat für die Niederhaltung der Lohnsklaven tausend Gesetze erlassen, weil die sich ja bereichern könnten. Aber grundlegende rechtliche Regelungen, wie die Wirtschaft zu funktionieren soll, meines Wissens Fehlanzeige. In wie weit wir überhaupt mündige Bürger sind, fand ich auf der gleichen Seite etwas sehr interessantes: http://brd-schwindel.info/rechtskunde-fuer-nichtjuristen-lehrheft-nr-090101/
    Ich glaube unter den Voraussetzungen, ist selbst der ernsthafte Gedanke humane Firmen zu entwickeln, so gut wie es auch gemeint ist, ein Tod geborenes Kind, weil es nicht für die Masse tragfähig werden kann.

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