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Über unser Parteiensystem, Gleichgültigkeit und das Führenlassen – eine Kritik

bundestagNachdem ich schon kritische Punkte zu unserer ausgestalteten Demokratie aufgeworfen habe, wollte ich noch einen Blick auf unser Parteiensystem werfen. Wie viele Bürger schon unangenehm bemerkt haben, künmern sich unsere Parteien mehr um den eigenen internen Machterhalte als auch den der Partei im Parlement als darum, mehr Gutes für unsere Gemeinschaft zu tun. Und da wir das sehen, aber wenig dran tun zu können glauben, beantworten wir das zunehmend mit Gleichgültigkeit und verweigern das Wählen. Es bringe eh nichts, egal wen man wählt, es passiert ja doch eher nicht, dass sich etwas zum Besseren unserer Gemeinschaft ändert.

Mein Bauch sagte mir, dass das vielleicht an etwas im Systemliegenden sein könnte und bin wieder auf die Suche gegangen und fündig geworden. Vor 100 Jahren hatte sich der deutsch-italienische Soziologe Robert Michels die Herrschaftskritik in den Mittelpunkt seiner Analysen des Parteiensystems gestellt und seine Überlegungen in seinem Werk „Zur Soziologie des Parteiwesens in der modernen Demokratie“ veröffentlicht.

Sein Fazit ist, dass es gar nicht anders kommen kann, als dass sich Parteien in der Form, wie wir sie gerade wahrnehmen, ausbilden müssen. Egal mit welchen heeren Zielen sie starten, am Ende stehe immer eine Organisation, die weniger um Inhalte kämpft als um die Wahrung interner und externer Machtstrukturen.

William Wright hat die Überlegungen von Robert Michels in dem Artikel Radikale Kritik des Parteiensystems auf graswurzelrevolution 2002 wie folgt zusammengefasst:

<<<<<< Beginn Auszug aus dem Artikel >>>>>

Das Gesetz der Oligarchie

Nach Michels ist die Parteiendemokratie eng mit der Monarchie verwandt, nur herrscht anstatt einem König eine ganze Kategorie von kleinen Königen (Oligarchen anstelle des Monarchen). Oligarchie heißt also, mehrere anstatt einem Führer zu haben. Da diese Tendenz in aristokratischen und konservativen Parteien des Parlamentarismus selbstverständlich erschien, untersuchte Michels vor allem sich revolutionär nennende Parteien und Organisationen, die erklärtermaßen keine Oligarchien ausbilden, sondern sie gerade abschaffen wollten.

Sind die Führer von revolutionären Parteien nach Michels anfangs noch subjektiv ehrlich und von ihren Ideen überzeugt, also sogenannte „Diener“ der Parteimitglieder, so kehrt sich mit zunehmender Parlamentarisierung der Partei alles um. Besonders sozialistische und sozialrevolutionäre Parteien sind nach Michels Organisationen, die im Parlament in der täglichen Auseinandersetzung mit dem Gegner stehen und daher schnelle Entscheidungen fällen müssen.

Dass alle Mitglieder bei solchen Entscheidungen beteiligt werden, erscheint Michels unmöglich, weil Entscheidungen so lange verschleppt würden, wie der Diskussionsprozess braucht. Günstige taktische Möglichkeiten parlamentarischen Einflusses würden so verpasst. Auf Dauer lässt sich im Parlament daher ein imperatives Mandat nicht aufrecht erhalten. Der Zentralismus, die hierarchische Gliederung der Partei, wird zur praktischen Notwendigkeit.

Es vollzieht sich der Umschlag von Gewählten zu FührerInnen: „Aus der Delegation entwickelt sich das moralische Recht auf Delegation. (…) Aus der Wahl für einen bestimmten Zweck wird eine Anstellung auf Lebenszeit.“ (2) Durch die erste Wahl wird der/die Delegierte den Mitgliedern bekannt, durch die Medien populär gemacht. Je länger er/sie im Amt bleibt, desto sicherer, weil die zunehmende Popularität bei den politisch gleichgültigen Massen zur Identifikation mit dem Bekannten und immer wieder Gezeigten führt. Hier wird deutlich, dass die Gleichgültigkeit der Massen gerade kein Ausdruck von Abwendung, sondern von Entsprechung zur Parteienherrschaft ist. Identifikation durch Popularität aber macht kritikunfähig, die Gewohnheit der Wiederwahl von PolitikerInnen wird zum – von den PolitikerInnen so eingeschätzten – Recht auf Wiederwahl. Bei Parteitagen werden die wichtigen Posten bereits vorher festgelegt und Konkurrenten treten in der Regeln gar nicht erst offen zur Wahl an. Kommt einmal Kritik auf (z.B. dass gegebene Wahlversprechen nicht eingehalten wurden), droht der Gewählte mit Rücktritt oder wirft subalterne Mitstreiter raus, auf welche die Kritik abgeleitet wird (diese Funktion hatte z.B. Scharping).

Der/die permanent wieder gewählte PolitikerIn wird BerufspolitikerIn. Er/sie macht sich gegenüber WählerInnen und Mitgliedern durch Kompetenz unentbehrlich. Die Landwirtschaftsministerin wird immer kompetenter in Sachen EU-Agrarrecht sein als jede/r BürgerIn, weil die Agrarbürokratie ihr Beruf ist und weder Parteimitglieder noch WählerInnen je die Zeit haben werden, sich zusätzlich zu ihrem eigenen Beruf so in diese Materie einzuarbeiten wie die Agrarministerin, der Verkehrsminister, die Familienministerin usw. usf. Der Vorwurf der Inkompetenz ist gleichzeitig eine beliebte Form der Verteidigung der FührerInnen gegen KritikerInnen.

Mit zunehmender Bürokratie wird die Zielvorstellung der Partei, etwa Sozialismus (nennen wir hier mal die PDS als Beispiel), verwaschener und die Spezialisierung der Aufgaben, das zahlenmäßige Wachstum und der Bestand der Organisation werden zum Selbstzweck, der nicht etwa durch eine revolutionäre Aktion riskiert werden darf. Die Parteiverwaltung, das Management, die Presse und Pressestellen und die Mitgliedsbeiträge werden von Parteichargen kontrolliert und erhöhen die Macht der FührerInnen über die Geführten. Die unteren Parteiangestellten sind so finanziell von ihren FührerInnen abhängig, was zu einer Interessenidentität für die nächste Wiederwahl führt. So entstehen Seilschaften und Parteien, die geschlossen zu ihren FührerInnen stehen, auch wenn die wie Gysi als Wirtschaftssenator in Berlin oder wie Schröder zum Beispiel mit dem neoliberalen Hartz-Programm (mehr Zeitarbeit, Druck auf Arbeitslose, Förderung von Unternehmertum) ganz gegensätzlich zur ursprünglichen Programmatik Politik machen. Parteispaltungen sind nach Michels eine Folge von Konflikten verschiedener Oligarchen, von FührerInnen oder Führungsgruppen, die mit ihren Seilschaften konkurrieren und gegenseitig um die Macht in der Partei kämpfen. Die unterlegene Seilschaft und ihr Führer bilden dann die Abspaltung. Sie sind unfähig zur Ausbildung radikaler Parlamentarismuskritik und bilden schnellstmöglich neue Parteien, um wieder am Parlamentarismus teilzunehmen. Manchmal ereignen sich Spaltungen in geschichtlichen Zeiten revolutionärer Umwälzung, dann versucht eine Partei kurzfristig auch, die Macht über militärische Siege zu erobern, die sie dann „Revolution“ nennt (während eine gewaltfreie Graswurzelrevolution immer zugleich eine parteilose, soziale Revolution meint). Doch schon 1921, zwei Jahre nach der deutschen Revolution von 1918/19 hatte sich z.B. in der KPD die Teilnahme am Parlamentarismus wieder vollständig durchgesetzt.

Manche analytischen Aussagen von Michels waren von großer Voraussicht und sind heute nach wie vor aktuell: „Die politische Organisation trägt zur Macht. Die Teilnahme aber an der Macht macht stets konservativ. (…) Mit dem Wachstum der Organisation wird der Kampf um große Prinzipien unmöglich.“ (3)

Die Führungskämpfe in der politischen Organisation und im Staate selbst reduzieren sich nach Michels auf Machtkämpfe ohne weiteren Inhalt, „zwischen einer sich um den Besitz ihrer Herrschaft wehrenden alten Minderheit und einer in der Eroberung der Macht begriffenen, ehrgeizigen neuen Minderheit, die sich mit der alten vermischen oder sie sogar entthronen will.“ (4) Es werden nur Eliten ausgetauscht (sowohl im parlamentarisch wie im bewaffnet ausgetragenen Machtkampf), die Masse soll gleichgültig bleiben und nicht störend eingreifen – oder sie wird unterdrückt. Die parlamentarische Demokratie hat sich nach Michels die Aufgabe gestellt, FührerInnen zu beseitigen und versagt (die Grüne Partei hat sich anfangs die Aufgabe gestellt, „Promis“ und Personenkult zu beseitigen und versagt).

<<<<<< Ende Auszug aus dem Artikel >>>>>

Seit dem Artkel sind inzwischen 9 Jahre in Land gegangen und es sind eine Reihe weitere Erkenntnisse über korruptive Lenkungen von Politkern bekannt geworden, zuletzt über Gerhard Schröders AWD-Gelder, die das Gesagte noch unterstreichen. William Wright schließt seinen Artikel mit einem sezierenden Blick auf die „damaligen“ Verhältnisse, die uns heute immer klarer werden:

Dabei darf nicht vergessen werden: In den bisherigen „Demokratien“ stellt sich wirkliche Macht nicht den Wahlen. Und sie wird deshalb auch durch Wahlen nicht angefochten: Die Manager der Banken und Großkonzerne, die mit dem Umleiten von Geldströmen politische Entscheidungen zunichte machen oder ihre eigenen Entscheidungen treffen, entziehen sich weitgehend öffentlicher Kontrolle. Umgekehrt: sie kontrollieren mit Kapitalflucht, Währungspolitik, mit ihren ökonomischen Entscheidungen über Industrieansiedlung, Abbau von Arbeitsplätzen usw. oft genug die Parlamente und Regierungen. Massenmedien, Unterhaltungsindustrien, die ihre Sicht der Welt ohne Unterbrechung allen mitteilen, während abweichende Sichtweisen dort nicht vorkommen oder der Lächerlichkeit („nicht realistisch“, „nicht effektiv“, „unprofessionell“) preisgegeben werden, sind bewusstseinsprägende Machtinstrumente, die sich jeder Kontrolle durch ihre „Basis“ entziehen. Die militärischen, polizeilichen und Geheimdienst-Verbände, die zur Kontrolle und Bekämpfung sozialer Bewegungen aufgeboten werden, harter Kern und Rückgrat des Staates, kontrollieren eher die Parlamente (etwa mit „Erkenntnissen“ aus dem Privatleben von PolitikerInnen, Verbindungen zu feindlichen Mächten usw.) als dass sie auch nur parlamentarisch kontrolliert würden.

Willliam Wright weist darauf hin, dass wir wieder zu mehr Selbstverwaltung kommen müssen, mehr Eigenverantwortung tragen müssen, wenn wir uns nicht mehr nur führen lassen wollen sondern die Führung in die eigenen Hände nehmen wollen. Ich denke, dass wir unser Gefühl des „Ich kann doch eh nichts ändern“ in ein „Ich kann in meiner nächsten Umgebung damit anfangen“ ändern können. Aber wie könnte das konkret aussehen? Ich werde mich umschauen …

  1. Megamotzki
    Juni 6, 2011 um 1:08 pm

    Sehr geehrter Herr Dr. Bartonitz,
    wenn Sie sich umschauen, schauen Sie sich auch mal Peter Fitzek an. Ich finde seinen Ansatz und seine Aktivitäten sehr interessant:

    Anlässlich des Pendragon Kongress am 26. März 2011 in Gedern, hielt Peter Fitzek einen Vortrag zum Thema: „Neue Wege für Mensch und Gesellschaft. Grundlagen eines neuen Finanz- und Wirtschaftssystems, eine Alternative zum Krankenversicherungssystem und Staatskonzept eines fortschrittlichen Staates im Dienst an seinen Bürgern

    Jedenfalls besser, als das, was die Masse macht: Nämlich gar nichts.

    • März 30, 2013 um 2:54 pm

      Ich habe P. Fitzek persönlich erlebt und die Satzung gelesen und dann war der Zauber verflogen, guter Demagoge fürs eigene Täschchen!

      • März 30, 2013 um 5:23 pm

        Mein Bauch sagte mir, dass, wer sich in unserer heutigen Zeit zum König wählen lässt, nicht auf einem basisdemokratischen Weg unterwegs ist. Deine Einschätzung scheint mir das dann ja zu bestätigen.
        VG Martin

  2. Dezember 4, 2011 um 8:07 pm

    Das gefällt mir. Warum sollte es in der Politik nicht genauso möglich sein, die Teamleiter für entsprechende Projekte zu wählen, wie dies z.B. in der braslianischen Firm Semco der Fall ist? Es scheint ja gut zu funktionieren:
    http://www.saperionblog.com/lang/de/geschaftsprozessmanagement-wahnsinn-utopie-oder-einfach-nur-die-zukunftige-art-der-firmenfuhrung/3729/

  3. März 10, 2013 um 10:26 pm

    Der Notenschnitt ist im Lehrerkollegium das Maß der Dinge. Geht ein normal begabtes Kind mit ein paar Mathe-Überfliegern in eine Klasse, hat es schlechte Karten. Die Arbeit kippt eher in Richtung vier als hinauf zur drei. Sitzen aber in den Bänken links und rechts nur Rechen-Luschen, kann der selbe mittelprächtige Grundschüler schon mal mit einer Zwei glänzen. Es gilt: Der Schnitt muss stimmen. Gerecht ist das nicht, aber das System ist unerbittlich. Und wehe, jemand versucht auszuscheren.

    gefunden in: Strafversetzt wegen guter Noten: Grundschul-Rebellin erhält Courage-Preis

  4. März 31, 2013 um 11:04 pm

    Und damit wir es auch verstehen, ganz genau zuhören, was uns Herr Seehofer zu unserem Politksystem zu sagen hat, sprich warum wir am Ende nicht wählen gehen müssen:

  5. Mai 22, 2013 um 7:45 pm

    Klasse Artikel zu unserem Parteiensystem, das Fazit:

    Zusammenfassend bleibt festzustellen: Politische Parteien entziehen sich, sofern sie nicht eingetragene Vereine sind, der Haftung, Abgeordnete genießen Immunität und bleiben bei Bestechlichkeit straffrei, politische Parteien bilden beim Straftatbestand der Bildung krimineller Vereinigungen eine Ausnahme. Offenbar haben politische Parteien in Deutschland, denen in aller Regel die Gesetzgebung obliegt, einen „Schutzwall“ errichtet, der sie vor Strafverfolgung schützen soll. Dies abzustellen, lässt sich dadurch erreichen, indem sich mehr Direktkandidaten zur Wahl stellen, als dies bisher der Fall war und ist.

    gefunden in: Politik auf dem Prüfstand: Parteien brauchen wir nicht wirklich

  6. federleichtes
    Mai 23, 2013 um 12:32 am

    Warum eines Deiner Lieblingskinder, die Kooperation, durch die Prüfung meines Wohlwollens fiel, mag ich Dir rasch erklären.

    Gestern fiel mir die Billgates-Geschichte ein. Wenn es stimmt, entwickelte er gemeinsam mit einem Freund/Partner das Projekt: Erfolg durch Kooperation. Dann kam der Scheidepunkt, als er stärker als der Freund/Partner war. Kooperation als Lockmittel zur Ausbeutung/Übervorteilung.

    In diesem Rahmen gibt es einige Beispiele.

    Schauen wir auf den Fraktionszwang. Hier wird Kooperation gefordert, ist aber ein Begehren, für das man vorher die tugendlose Willfährigkeit zur Tugend erheben muss: Ich habe mich kooperativ unterworfen – ich bin ein Held (in den Annalen der Diktatur).

    Also, Kooperation ja, aber nicht blindäugig und taub. Nur stets verbunden mit der Frage: Was will der die Kooperation Einfordernde wirklich – und wie kann man dessen (evtl.)schändliche Absichten kontrollieren. Kooperation als Falle? Nein Danke!

    Ja, ich bin störrisch und beharre darauf, mein Brot selber zu beschmieren..

    Gruß
    Wolfgang

    • Mai 23, 2013 um 9:05 am

      Wir hatte ja schon immer wieder mal gesehen, wie einstmals Worte mit positivem Sinne durch die Herrschenen in ihrere Beeutung umgedreht wurden und vice versa.

      Also schauen wir doch einfach mal nach der Wortbedeutung:

      hier die erste „Kooperation“:

      Zusammenarbeit, aus lat. cooperatio, Gen. – onis, „Mitwirkung“, zu lat. cooperari „mitwirken, mitarbeiten“, aus lat. co- (statt con-, in Zus. für cum) „mit, zusammen“ und lat. operari „arbeiten“, → Operation

      Aha, wir sind schon wieder bei der Arbeit angelangt. Und da wir wissen, das wer im römischen Reich arbeiten musste, zu den niederen Menschen gehörte, sieht es fast so aus, dass Du gar nicht so schlecht mit Deiner Einschätzung liegst, dass Kooperation eigentlich eine negative Bedeutung hat. Es steht ja auch eng mit „Kollaboration“ in Beziehung, und da wissen die Franzosen etwas in Bezug zur deutschen Besatzung zu sagen, also acu ngeative Bedeutung …

      Was sagt uns zum Zweiten Wikipedia?

      Kooperation … ist das zweckgerichtete Zusammenwirken von Handlungen zweier oder mehrerer Lebewesen, Personen oder Systeme, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Ist die wechselseitige Einwirkung der Akteure nicht intentional oder zweckgerichtet, spricht man hingegen von Interaktion.

      Aha, es braucht also ein Ziel oder einen Zweck. Wer also nur vor sich hinlebt und nicht arbeitet, interagiert eher. Und weiter:

      Kooperation führt häufig zum Nutzen für alle Beteiligten, aber es gibt auch erzwungene Kooperation und unter Täuschung zustande gekommene Kooperation, bei der eine Seite mehr oder alle Vorteile aus dieser Kooperation zieht. Da Kooperation neben Mutation und Selektion eine zentrale Rolle in der Evolution des Lebens spielt, kann man die Entstehung und Entwicklung höherer Lebensformen nur unter Einbeziehung ihrer Kooperationsformen beschreiben.

      Hier wird Deine Eintschätzung zur Differenzierung von zuträglicher und schädlicher Kooperation noch bestätigt.

      Also müssen wir eher von ausgewogener „ausgewogener Kooperation“ sprechen?

      VG Martin

      • Mai 23, 2013 um 9:34 am

        Der vollständigkeithalber schauen wir uns auch noch die Wortherkunft an von

        Konkurrenz
        1. Wettbewerb
        2. Zusammentreffen zweier Straftaten
        aus lat. concurrens, Part. Präs. von lat. concurrere „von allen Seiten herbeilaufen, eilig zusammenkommen“, aus lat. con- (in Zus. für cum) „von allen Seiten, zusammen“ und lat. currere „laufen“

        Das ist mal interessant. Beim Nebeneinander-durchs-Leben-laufen entsteht Wettbwerb um die verfügbaren Ressourcen. Und es werden mehrfache Straftaten dabei begangen? Wenn nicht ausgewogen kooperiert wird?

        Aber wann läuft man von allen Seiten zusammen?
        Wenn etwas geschehen ist, was einer allein nicht lösen kann, aber alle treffen kann, um sich zu beratschlagen, wie man dem gemeinsam begegnen kann? Und schon sind wir wieder beim anschließenden Kooperieren?

        Ehrlich: das Begriffsbedeutungsauseinanderpuzzlespiel ist reichlich verwirrend …

        Besonders wenn wir auch noch einen solchen Aspekt wahrnehmen können:

        In der Gezeitenzone von Felsküsten kommen Tiere mit stark überlappender Nische vor: Chiton, Napfschnecke, Seepocke, Entenmuschel. Diese weidenden und filtrierenden Arten dienen dem Seestern als Nahrung. Entfernt man im Experiment alle Exemplare des Seesterns in einem Areal, reduziert sich die Zahl der ursprünglichen Arten auf eins bis zwei. Die Erklärung dafür besteht darin, dass ein Räuber die Dichte der überlegenen Konkurrenten niedrig hält und dadurch die Konkurrenz für die unterlegenen Arten mindert und dadurch deren Fortbestand sichtert. (Quelle)

      • federleichtes
        Mai 23, 2013 um 12:14 pm

        Danke, dass Du mein Fädchen wohlwollend aufnimmst.

        Gleich wie Recherchen in der Sache ausgehen (wenn sie es überhaupt tun), sehen wir – oder müssen zur Kenntnis nehmen, dass selbst genaue allgemeine Beschreibungen im Wort interpretierbar bleiben und relativ nichts darüber sagen, wie ein Mensch (bzw. Gruppen) den Begriff im Handeln umsetzt.

        Erlauben wir uns ein Rück-Blick auf die Aussage
        „Im Anfang war das Wort“, erhalten wir einen Hinweis auf die Bedeutung eunes Begriffs, und vielleicht darauf, dass (vormals) etwas Fest-Stehendes durch Interpretation so moderiert wurde, dass Beliebigkeit entstehen konnte – und eine Ordnung zum Teufel ging.

        Einschub
        Wir sehen die Entwicklung einer Ehe aus einer Eindeutigkeit (Kooperation) herauswachsend in die Beliebigkeit, sei es die Gleichgültigkeit, sei es Feindschaft, sei es Missbrauch.
        Wir sehen diese Entwicklung auch bei der Zeugung eines Kindes – die Idee, „ihm soll es mal besser gehen“, löst sich bereits frühzeitg in ihrer Konkretheit auf und wandelt sich konkret von „ich diene dem Kind“ in „ich beute das Kind aus und benutze es für meine Zwecke“.

        Das Definieren und Festlegen von Begriffen geschieht aus dem Geist heraus. Aber Geist versteht nicht, dass mit seiner FESTlegenden Beschreibung sich das, was VOR der Festlegung unter diesem Begriff verstanden wurde, seine Bedeutung und seinen Inhalt nur durch die ANWENDUNG erhielt – udn seine (ungenügende bzw. falsche Beschreibung dazu führt, das vormals natürliche Anwenden in den Rahmen einer Künstlichkeit zu zwängen – und nun kommt’s:
        Mit seiner Beschreibung die Anwendung zu verändern.

        Schlussfolgerung
        Eine natürliche Ordnung lässt sich von Geist-durch-Geist spalten. Damit hat er die Macht über ein natürliches System, kann es (beliebig) anzapfen und seine Energie nutzen.
        Hier konkret:
        Der Wandel vom „selbstverständlichen Handeln“ zum „Handeln nach unverständlichen/moderaten Geist-Definitionen“ (Geboten, Begriffen) erlaubt differentes Verstehen, woraus Missverstehen, Uneinigkeit, Misstrauen und Verwirrung entstand – wenn du mich fragst:
        Der Nährboden für Herrschaft und Ausbeutung

        Geist hat die Methode entdeckt und wendet sie an. Hörte ich, irgendwo im Universum, wo das Chaos regiert.

        Stets zu Diensten.

        Gruß
        Wolfgang

        Nachsetzend
        Erklärte mir gerade, warum ich natürliche (offen, in einem Selbstveständnis handelnde) Menschen sehr mag und Geistmenschen mich sehr vorsichtig werden lassen.

        Und weiter:
        Geist, der im Bewusstsein steht, dass sein Ideen Folgen haben, orientiert sich in seinem nach vorne gerichteten Tun nach hinten (Erfahrung) und seitwärts, um Konflikte mit Anderen zu vermeiden.

        • Mai 23, 2013 um 8:05 pm

          Geist, der im Bewusstsein steht, dass sein Ideen Folgen haben, orientiert sich in seinem nach vorne gerichteten Tun nach hinten (Erfahrung) und seitwärts, um Konflikte mit Anderen zu vermeiden.

          Lässt mich wieder an das Bild des mäandernden Flusses denken …

        • Mai 23, 2013 um 8:47 pm

          Es gibt die Interpretation, dass am Anfang nicht ein Wort sondern ein Ton war. Und wenn wir uns uschauen, so ist alles Schwingung. Die Worte kamen dann erst viel später.

          Ich denke, dass Worte genauso wie ein Messer weder gut oder schlecht an sich sind, sondern je nach Anwendung dazu werden. Genau wie ein Messer sehr nützlich beim Zerlegen eines Apfels sein kann, können auch Worte genutzt werden, um bildende Geschichten zu erzählen.

          Allerdings. Manipulation findet immer statt. Denn sobald der Absender dem Empfänger etwas erzählt, ist der Empfänger schon geändert. Also auch hier ist die Frage: war es eine zuträgliche Information für den Empfänger und der Gruppe, in der er sich aufhält, oder eher schädigend.

          Soll heißen: der Empfänger sollte als mündiges Wesen in der Lage sein, die dargebotene Information kritisch zu beleuchten und eigene Schlüsse bzgl. seiner Zuträglichkeit zu ziehen. Dann sind Worte per se eben nicht schlecht 🙂

          • Mai 24, 2013 um 12:38 am

            Sprache mittels Worten ist IMMER eine Abstraktion der Wirklichkeit und schafft zwangsläufig mehr Fragen, als Antworten vermittelt werden können. Bildersprachen ergeht es nicht anders, nur lassen sich mittels Bildern mehr Informationen vermitteln. Das Problem vieler Fragen zu einzelnen Antworten bleibt bestehen bzw. nimmt sogar noch an Problematik zu … unser Konsens der Realität im Rahmen des Wahnsinns der Normalität “sprechen“ diesbezüglich Bildbände.

            Ein Neugeborenes spricht keine Worte und gehört keinem Konsens an. Das Neugeborene “spricht“ trotzdem innerste Natürlichkeit unmittelbar im Herzen an … und diese natürlichste aller Sprachen erzählt von der wirklichen HARMONIE, doch wie die Expansion eindrucksvoll zeigt, geht diese Natürlichkeit mehr und mehr verloren und der Konsens unserer Sprachen, der Bildersprache(n) inklusive, versucht unentwegt der Harmonie (!) habhaft zu werden.

            Hier zeigt sich aber auch, dass mittels Worten und Bildern das Wesen des GANZEN aufgezeigt werden kann, ist HARMONIE doch 13,77 Milliarden Lichtjahre von der Harmonie entfernt. Vorausgesetzt man wendet Worte wie Bilder als Möglichkeiten im Rahmen EINER Notwendigkeit an.

            Gruß Guido

  7. federleichtes
    Mai 23, 2013 um 9:09 pm

    @ Martin
    „Lässt mich wieder an das Bild des mäandernden Flusses denken …“

    Ja. Wasser ist auf eine Art weise.
    Vögel auch, die fliegen bei Störung weg und kommen nach Ende der Störung wieder.

    Was die Schwingung betrifft, bin ich zu wenig Physiker, um sie definieren zu können. Hier fiel auch der Begriff „Elektomagnetismus“, den ich auch nicht einordnen in meine Vorstellungswelt.
    Bedeutet Schwingung: Energie, Information, oder Energie-Information? Oder ist Schwingung eine neutrale und vielleicht auch natürliche Dynamik – im Sinne eines Ur-Zustands?

    Gruß
    Wolfgang

  8. Mai 23, 2013 um 10:23 pm

    Dass wir es mit dem mündigen Bürger was schwer haben, muss ich Dir Recht geben. Unser Bildungssystem schafft da definitiv wohl was anderes:

    Kritik an unserem Schulsystem: darüber, wie wir unsere Kinder verdummen ….

    Aber inzwischen mehren sich die Stimmen, dass wir da mal so richtig ran müssten:

    Der ökonomische Imperativ – oder das moralische Leistungsgesetz
    Und ja, die Herrschenden haben es gut verstanden, sich als Parasiten einzurichten und auf Kosten des Rests sich vermeintlich gut gehen zu lassen, ohne dass dieser Rest es wirklich begreifen konnte, wie genau das funktioniert. Das zu erkennen, scheint aber immer mehr des Rests zu gelingen … 🙂

  9. federleichtes
    Mai 24, 2013 um 1:07 am

    Ja, „falls“, gut aufgepasst.
    Mir fällt es halt leichter, freiwillig der natürlichen Religion – im Sinne der Wortbedeutung – zu folgen, als künstliche Regeln zu lernen und ihnen zwanghaft zu folgen.

    Danke für die Rückmeldung.

    Gruß
    Wolfgang

  10. federleichtes
    Mai 24, 2013 um 1:18 am

    @ Martin

    Ich denke, dass Worte genauso wie ein Messer weder gut oder schlecht an sich sind, sondern je nach Anwendung dazu werden. Genau wie ein Messer sehr nützlich beim Zerlegen eines Apfels sein kann, …“

    Und wenn ein Wort ein „Wort“ ist, unabhängigdavon, wie und warum es benutzt wird?
    Denek gerade an die Forschungen von Emoto, der mit Symbolen die Wasserstruktur veränderte.

    So bleibt ein Messer auch ein Messer. Und gleich was man mit ihm anstellt, behält es sein Symbol-Wesen.

    Zerschnitten präsentiert sich auch die Macht als Schwarz-Rot-Grün-Gelb. Die Täuschung bemerkt man leider erst nach der Wahl.

    Gruß
    Wolfgang

  11. Juni 6, 2013 um 11:57 am

    Sind Parteien Teil der Lösung unserer brennenden Probleme – oder sind sie selbst Teil der Probleme?
    „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit“, heißt es im ersten Abschnitt des Grundgesetzartikels 21. Mitwirkung ist doch wohl kein Freibrief für die Errichtung und vehemente Verteidigung von Pfründen und Gefälligkeitsnetzwerken! Mir scheint es, dass wir uns inzwischen in einer Art Feudalsystem mit pseudodemokratischem Anstrich befinden. Was hat das deutsche Wahlvolk überhaupt zu bestimmen? Bei dem Ausverkauf von Volksvermögen an Großkonzerne, bei der Vernichtung von Steuermilliarden in Großprojekten mit unsicherem Ende oder bei der endlosen Euro-Rettung nebst Verwässerung der ursprünglichen Stabilitätskriterien etc. ist es jedenfalls nicht gefragt – offensichtlich ist es gar nicht mehr „systemrelevant“.

    gefunden in: Parodie der Demokratie: Parteienherrschaft und der ungebremste Irrweg ins Verderben

  12. pedrobergerac
    November 15, 2013 um 1:13 am

    Transition Town, der Weg in die Selbstverwaltung und Eigenverantwortung.

  13. Martin Bartonitz
    Mai 13, 2016 um 5:42 pm

    „Die Politiker müssen das tun, was schlecht für das Volk ist …“
    Warum, das erklärt David Icke, u.a. auch, dass das US-Amerikanische Volk für einen Militärapparat arbeitet (jährlich über 1.000.000.000 Steuer $), der nicht wirklich Ihnen dient:

  14. Martin Bartonitz
    Mai 13, 2016 um 5:47 pm

    Und auch hier nochmals die Bestätigung der Aussagen von Icke, seiten Seehofer:

  1. September 17, 2013 um 2:54 am

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