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Wie jeder von uns dafür zahlt, dass Menschen verhungern

Es gibt ein Geschichte über Solschenizyn, wie er einer Cousine beim einem Mahl ein lebendes Huhn auf dem Teller mit einem Messer dazu servierte, nachdem sie sich beim letzten Mal ihm beschwert hatte, dass es kein Fleisch bei ihm gab. „Wenn Du es töten kannst, dann bereite ich Dir das Huhn zu“, war sein Kommentar.

Am letzten Wochenende erzählte mir eine Bekannte von einer Schulveranstaltung zum Thema „Leben wie in der Steinzeit“. Ein Vater hatte an dem Abend zum Lagerfeuer eines seiner Kaninchen lebend mitgebracht. Er zeigte, wie damals das Essen zubereitet wurde. Er gab dem Kaninchen den Betäubungsschlag, zog es ab, weidete es aus, steckte es auf und grillte es und aß es so mit den Kindern zusammen. Als die Kinder ihren Eltern am nächsten Tag davon erzählten, war die Empörung groß.

Wir bekommen die Tiere, die wir essen, nicht mehr zu Gesicht und haben daher keine Beziehung mehr zu ihnen. Uns ist es egal, wie sie aufwachsen, welches Leid sie erfahren. Hauptsache wir haben unser Steak oder unsere Wurst auf dem Grill, unsere Hähnchen Nuggets in der Tüte. Aber keiner von uns wäre in der Lage, die Kuh, das Schwein oder das Huhn selbst zu schlachten. Weil uns dann das Tier so leid täte.

Und weil das Halten und Schlachten der Tiere so weit von uns weg ist, interessiert uns auch wenig, was sonst noch mit unseren Lebensmitteln auf der Welt passiert. Kaum einer weiß, dass wir unsere Überproduktion nochmals subventionieren, um es auf anderen Märkten dann wieder loswerden zu können. Und weil unsere Lebensmittel dann hier so günstig sind, macht es heimischen Markt kaputt. Die Menschen verlieren ihre Einnahmequelle und müssen verhungern. Oder sterben gar an wenig gekühltem Hähnchenrestfleisch.

Wer mehr darüber wissen will, wie wir mit unserer Überproduktion und unsere Resten den Rest der Welt kaputt machen und auch das auch noch selbst bezahlen, dem empfehle ich die Buchrezension „Die Ernährungsdiktator“ von Dr. med. Lothar Krenner.

Ich hatte das Thema Fleisch schon einmal in Bezug zum Klimaschutz aufgegriffen: Wie leicht es ist, unser Klima nur durch Änderung unserer Ernährung zu retten

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  1. Mai 4, 2011 um 11:22 am

    Vor längerer Zeit habe ich einen Filmbeitrag über EU-Subventionen von Lebensmittel und deren Auswirkungen auf das Leben von Menschen in anderen Ländern gesehen. Kaum jemand ist sich in Deutschland dessen bewusst, dass die so heiß begehrte Hähnchen- und Putenbrust auf deutschen Tellern, Menschen in anderen Ländern der Erde in den wirtschaftlichen Ruin treibt. Denn die restlichen Teile des Geflügels, die in Deutschland keiner mehr haben mag, wie z. B. Flügel etc., landen dann in Afrika und anderswo. – Und das zu Dumpingpreisen, so dass die Bauern dort ihr Geflügel nicht mehr vermarkten können.

    Das gleiche Spielchen läuft auch so bei Milchprodukten ab. Künstlich billig und in Überproduktion erzeugte EU-Milch, wird günstiger in Afrika verkauft, als die einheimische Milch. Somit wird den Bauern dort ihre Lebensgrundlage genommen, mit verheerenden Auswirkungen.

    In der EU muss ein radikales Umdenken und eine grundlegende Umstellung in der Landwirtschaft erfolgen.

    • Mai 4, 2011 um 7:40 pm

      Danke Maria, und, von diesem Film wurde mir auch schon berichtet. Ich muss ihn doch mal suchen gehen. Lieben gruss, Martin

    • Detlef
      Mai 4, 2011 um 10:44 pm

      Das mit der Milch hat mir ein Afrikaner erzählt, der das in seinem Land erlebt hat. Ganz üble Tour, erst war’s eine internationale Hilfsaktion, dann wurde mit billigsten Milchprodukten der Markt kaputt gemacht.
      Und dann sind die Konzerne gekommen .. ich könnte kotzen.

      Was wir tuen könnten .. im Blog mehr auf FairTrade hinweisen und darüber berichten. Zufällig habe ich heute was darüber eingestellt.

  2. Mai 4, 2011 um 7:58 pm

    Gerne, ich finde diese Praktiken ungeheuerlich und unverantwortlich.

    Leider weiß ich nicht mehr genau, wo ich die Doku gesehen habe und wie sie heißt, aber das könnte sie sogar sein:

    http://www.youtube.com/results?search_query=Vergiftete+Geschenke-Wie+die+EU+Afrika+in+die+Armut+treibt&aq=f

    Liebe Grüße
    Maria

    PS. Und herzlichen Dank für die tollen und zahlreichen Kommentare in unserem Newsblog. 🙂

  3. Mai 11, 2011 um 8:58 pm

    Da kann man schon ins Nachdenken kommen, wenn man schaut, wie gut wir in Deutschland leben und was andere Völker dagegen auf den Tisch bekommen: http://acid.soup.io/post/130500651/

  4. Juli 25, 2011 um 7:22 pm

    Hier spricht Jean Ziegler, FreihandelUN – Sonderberichterstatter für Menschenrecht und Nahrung, darüber, welches Leid wir durch unsere Suventionierung von Lebensmitteln in den armen Ländern bringen. Er nennt das Verhungernlassen jedes Menschen dort einen Mord. Dabei könnten wir locker auf der Welt so wirtschaften, dass sogar 12 Milliarden Menschen satt werden könnten.
    .

  5. Januar 7, 2012 um 2:55 pm

    Über unsere verdrängten Schatten und welchen dopelten Todesfraß wir zu uns nehmen, Tierproteine sorgen für Krebs und gleichzeitig sterben 5.000 kleine Kinder pro Tag, weil wir ihre Nahrung für unsere Tierproteine verwenden:

  6. Januar 15, 2012 um 12:16 am

    Auch dieser Film behandelt unseren Umgang mit dem Verzehren von Fleisch, und dass wir mit einer einfachen Entscheidung sowohl die Welt als auch uns selber verbessern:

  7. Juni 16, 2012 um 6:58 pm

    Die einen sterben durch uns, die anderen werden durch uns versklavt. Und auch unsere Einwanderungsgesetze in Verbindung mit einem Profitmaximierungssystem sind der Nährboden zur Bildung eines modernes Sklaventum (Danke an Mike fürs Auffinden):

    .
    Und auch hier stellt sich die Frage, was das für Menschen sind, die diese Sklaverei betreiben, und wie sie zu Sklavenhändlern werden konnten.
    Sind sie selbst in solchen Verhältnissen aufgewachsen, so dass dies für sie eine ganz normale, sprich nicht anders denkbare Welt ist? Also eine natürtliche, weil sie so ist wie sich ihnen darstellt?

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