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Auf der Suche nach einer besseren Welt: von Commons = Allmende = Gemeingut und dem bedingungslosen Schenken

Diskutant Stefan sagt: „Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ich in 2000 bei der Arbeit an freier Software hatte, war: Es handelt sich nicht um eine Geschenk-Ökonomie, die nur funktioniert, wenn wieder zurück geschenkt wird. Es handelt sich gar nicht um Ökonomie. Bei der freien Software existiert die Koppelung zwischen Geben und Nehmen nicht. Wenn ich freie Software programmiere, dann tue ich das, weil ich es will. Wenn ich einen Artikel in Wikipedia erfasse, tue ich das, weil ich etwas zu einem Thema weiß, und nicht, weil ich morgen dafür die Wikipedia lesen darf. Ökonomie beinhaltet immer ein Tausch-Element, und davon will ich wegkommen. Die Menschheit ist reich genug, alle notwendigen Dinge so zu produzieren, dass wir alle gut leben können, und zwar nach folgendem Prinzip: Wir nehmen uns das, was andere geschaffen haben, und sie haben es aus keinem anderen Grund geschaffen, als dass sie es schaffen wollen, weil ihre individuelle Selbstentfaltung darin besteht, weil sie ihre Persönlichkeit darin ausdrücken, Dinge in die Welt zu setzen – Gedanken, Tassen, Computer, Käsekuchen, Gemälde oder was auch immer.

Als ich das in dem Artikel »Lasst uns die Spielregeln ändern« auf dem sehr interessanten Blog keimform.de gefunden hatte, sagte mir meine Intuition, ja, da ist was dran. Viele mich umgebende Menschen geben anderen etwas von sich ab und haben dabei ein gutes Gefühl. Einerseits wissen wir inzwischen von den Spiegelneuronen, die entsprechende Glücksboten auf den Weg bringen, wenn die Empathie das Glück des Anderen bemerkt. Auf der anderen Seite spüre ich einen inneren Drang, z.B. etwas zu schaffen, was meinen Kollegen oder Mitarbeitern von Partnern und Kunden wiederum bei ihrer Arbeit weiterhilft.

Die Diskussion dreht sich um eine alternative Ökonomie, in der Güter, die für die Befriedigung der Grundbedürfnisse benötigt werden, der Gemeinheit gehören, damit so genannte Commons sind. Interessant war für mich auch hier auf den Kontakt von Matriarchatsforschern zu stoßen, die u.a. auf die Schenk-Ökonomie in solchen noch vorhandenen Gemeinschaften hinweisen. Der genannte Blog scheint sich komplett um das Thema „bessere Welt“ durch die Ökonomie auf Basis von Commons zu drehen, einem Begriff, von dem ich bisher noch nichts wahrgenommen hatte.

Hier noch ein Beispiel, wie Commoning funktioniert, gefunden in dem Artikel Einschluss statt Ausschluss — Commons jenseits des Kapitalismus von Stefan Meretz:

In Flores Rancho, Bolivien, betreibt eine Gemeinschaft von 120 Familien ihr eigenes Wassersystem. Alle üblichen Wartungs- und Betriebsaufgaben werden von den Community-Mitgliedern erledigt, notwendige Ausgaben werden aufgeteilt. In Fores Rancho wird diese Art des Commoning umaraqa genannt. Es werden keine Wasserüberschüsse erzeugt, etwa um sie auf dem Markt zu verkaufen, sondern nur soviel Wasser gefördert, dass eine nachhaltige Versorgung der Community sicher gestellt ist. Das Commons-Wasser kostet nur ein Achtel des staatlichen Gemeindewassers im nahen Cochabamba. Damit ist die Höhe des Einkommens, das notwendig ist, um eine Familie zu versorgen, gesunken und die Lebensqualität insgesamt gestiegen.

Im Prinzip kennen wir Deutschen Ähnliches aus unseren Schrebergartenkolonien. Hier werden Gemeinschaftsstunden zum Erhalt der Gesamtanlage geleistet. In unserem Dorf findet nächstes Wochenende eine Aufräumaktion statt, bei der der rumliegende Müll auf den öffentlichen Flächen freiwillig von den Bewohnern entsorgt wird. So bleibt alles in einem gut finanzierbaren Rahmen intakt. In einem weiteren Artikel werden Daten des Statistischen Bundesamts präsentiert, die zeigen, dass etwa 2/3 aller Leistungen in unserer Gesellschaft unentgeltlich ausgetauscht werden. Warum das Verhältnis nicht noch etwas optimieren? Besser weniger konsumieren und da dann weniger Waren produziert werden müssen, könnten wir auch weniger arbeiten. Dann verbrauchten wir auch weniger Energie und benötigten auch weniger AKWs, wenn wir sie unbedingt bräuchten, was ich aber auch mehr als bezweifle.

verkehrte Wirtschaft: doppelt so viel unbezahlt wie bezahlte Arbeit

verkehrte Wirtschaft: doppelt so viel unbezahlt wie bezahlte Arbeit

  1. Juni 5, 2012 um 6:37 pm

    Das Teilen von Wissen beruht darauf, dass man sich auf sein Können verlässt. Dann kann man praktisch alles Schriftliche verschenken. Wenn ich wirklich etwas kann, wenn ich echt gut bin, ist das der bessere Weg. Wenn man etwas kann, braucht man keine Werbung zu machen. Wer nur etwas Durchschnittliches liefert, muss sich die Hacken ablaufen und verbringt das halbe Leben mit Marketing und Akquise.

    Es geht im Übrigen nicht nur darum, das Wissen weiterzugeben. Es muss auch so verpackt werden, dass es angenommen wird. Und man darf keine Bedingungen stellen. Es gibt viele Menschen, die bereit sind, ihr Wissen zu teilen, aber sie möchten dafür gelobt werden. Wer nur etwas preisgibt, um gelobt zu werden, hat auch Angst, dass man es ihm wegnimmt. Wenn man Wissen teilt, muss man bereit sein, es einfach wegzugeben, und gut ist es.

    Prof. Gunther Dueck im Interview

  2. Juni 5, 2012 um 4:56 pm

    Anstatt nach Wachstumschancen und Profitmöglichkeiten zu fragen, geht die Commonsperspektive von den Bedürfnissen der Menschen und den vorhandenen natürlichen Ressourcen aus und fragt, wie mit diesen Ressourcen jene Bedürfnisse am besten befriedigt werden können und wie möglichst alle der Betroffenen darüber mitentscheiden können.

    gefunden in: Kämpfe um Autonomie

  3. April 9, 2011 um 10:19 pm

    Hier kommt ein weiterer Beitrag, der sich mit Open Source und Commons beschäftigt:
    Yes, we are open – eine Offene Werkstatt in Berlin
    Letztlich übernimmt Open Design seine Prinzipien aus der Welt der Freien Software und der Freien Kultur. Bei der Frage, ob diese Prinzipien auch in die stoffliche Hardware-Welt übertragbar seien, ist Open Design eine wichtige Brücke. Erst einmal geht es auch nur um die Konstruktions- und Designunterlagen, die z.B. als CAD-Datei wie Freie Software weiter gegeben, kopiert und verändert werden können. Da in allen modernen Gütern der Anteil dieser „immateriellen“ Arbeitsergebnisse viel höher ist als früher, erhält die „Freistellung“ dieses Anteils eine hohe Bedeutung.
    Besonders interessant finde ich hier die Kritik an Patenten. Sie schützt zwar aus mikroökonomischer Sicht Firmen vor der Verwendung ihrer eigenen Idee von anderen Firmen. Markroökonomisch sind Patente eher kontroproduktiv, verhindern sie doch die schnelle Entwicklung weiterführender Idee für die gesamte Gemeinschaft.
    Ich möchte das Prinzip der Patente mit dem Wissenshorten einzelner Mitarbeiter einer Firma zum Selbstschutz vor Kündigung, dem Unentbehrlichmachen vergleichen. Wenn in einer Firma eine Kultur herrscht, in der Mitarbeiter eigengewonnenes Wissen nicht aktiv weiter geben, wie z.B. über Lessons Learned oder Best Practice Artikel oder ganz einfach auf ehrliches Antworten auf einen Lösungssuchenden, dann ist Sand im Getriebe und es geht nicht weiter voran. Mögliche Innovation werden so verhindert.

  4. April 8, 2011 um 11:32 pm

    Wieder ein interessante Artikel zum Thema Commons und bedingungsloses schenken gefunden:
    Gutes Leben mit Ecommony
    Daraus: Wichtigstes Prinzip bei den Commons ist, Besitz und Eigentum zu unterscheiden. Etwas wird besessen, solange es aktiv benutzt wird. Eigentum aber kann verkauft werden. Die Unterscheidung findet sich auch im Bürgerlichen Gesetzbuch: Der Vermieterin gehört (eigentlich „eignet“) die Wohnung, der Mieter besitzt sie.
    … „Besitz statt Eigentum“ kann sich aber auch auf Gegenstände beziehen, beispielsweise Bücher. Wer hat sich nicht schon einmal ein Buch von einer Freundin geliehen oder umgekehrt eines an einen Freund verborgt? (Und warum ist dies, im Gegensatz zur weitergegebenen Software, eigentlich nicht verboten?) In den meisten Projekten, sogar schon in einigen Wohngemeinschaften, finden sich kleine Bibliotheken.
    … Auch Nutzungsgemeinschaften tauschen in diesem Sinne unentgeltlich und ohne direkte Tauschlogik aus. „NutziGems“ basieren auf dem Prinzip, dass nicht alle alles besitzen müssen, nur um es ab und zu gebrauchen zu können. Dies können Gegenstände sein oder auch Fertigkeiten und Wissen – kurz: Ressourcen.

  5. März 31, 2011 um 10:03 pm

    Heute gemeldet: Attac-Aktive haben den Verein „Gemeingut in BürgerInnenhand“ (GiB) gegründet, der sich bundesweit für die Daseinsvorsorge stark machen wird. Ziel des Vereins ist es, bereits gegen Privatisierung aktive Gruppen miteinander zu vernetzen und ihre Position durch gemeinsame bundesweite Kampagnen zu stärken. Mit der Gründung von GiB erhalten die Akteure gegen Privatisierung einen gemeinsamen Rahmen, über den sie ihre Kräfte bündeln können. Zugleich können sie nun gemeinsam ihre Stimme für die Gemeingüter erheben und so der mächtigen Lobby der Privatisierungs-Nutznießer besser die Stirn bieten.

  6. März 31, 2011 um 9:33 pm

    Ich habe gerade den empfehlenswerten Blog von Silke Helfrich zum Thema der Commons gefunden. Dort ist u.a. eine gute Einführung in das Thema zu finden:

    Commons sind überall

    … egal ob lokal, regional oder global. Natürliche, soziale und kulturelle Ressourcen und Prozesse wie….Auen, Teiche, Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Algorithmen), Fotosynthese, Organe, Moore, Firmament, Wald, Wiesen, Weiden, Spektrum, DNA, Wasser (und Wasserkreislauf), Regen, Eis, Schnee, Elektrizität, Feuer, Stille, Heide, Kanäle, Artenvielfalt, Sinnsprüche, Wellen (Lichtwellen, Wellen des Meeres…), Land (-schaft), Meeresboden, Fischbestände, Energieträger, UV Strahlung, Stabilität des Klimas, kulturelle Vielfalt (Musik, Tänze, Sprache, Bräuche), Ozonschicht, städtische commons (Plätze, Parks, Gehsteige), Triften, Wikipedia, GPL/CC, Museen, Wissensbestände (Bibliotheken, Forschungsergebnisse/-pools, Datenbanken), Wissenschaft, Bräuche und Traditionen, Festivals, Marktplätze, Gemeinschaftsprojekte zum Leben & Arbeiten, Kunst, Bäder, Zeit?, Riffe, Märchen, soziale Netze und Räume u.v.m.

    Commons als Konzept

    Der Begriff der Gemeinschaftsgüter bezieht sich auf zwei zentrale Kategorien. Erstens auf endliche, materielle, natürliche Ressourcen wie Rohstoffe, Energieträger, Wasser, Wald u.v.m. und zweitens auf nicht fassbare, immaterielle, intellektuelle Ressourcen wie Wissen und Ideen – die codes der Informationsgesellschaft (Software) und die codes des Lebens; die Wissensallmende.

    Weiter auf dem CommonsBlog

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