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matriarchale versus patriarchale Wirtschaft

Ich habe gerade einen Artikel von Helmut Kretzl in den Salzburger Nachrichten mit dem Titel Frauen versus Männerwirtschaft gefunden, in dem über die Arbeiten zweier Wirtschaftswissenschafterinnen berichtet wird. Hatte ich ja schon mehrfach darüber geschrieben, dass wir mit unserem aktuellen Wirtschaftssystem nicht mehr lange so weiter machen können, die beiden Frauen gehen ebenfalls stark mit ihr in die Kritik. So sagt Frau Werlhof:

… die gesamte Gesellschaftsordnung (ist) patriarchal geprägt …. Die jetzigen Krisen seien „der vorläufig letzte Ausdruck einer Wirtschaftsweise, die nicht die Versorgung der Bedürfnisse der Menschen zum vorrangigen Ziel hat, sondern in erster Linie die Versorgung der Bedürfnisse des Kapitals“: nämlich Akkumulation durch Profit. Damit werde am Ende der Kette kein wirklich konkreter, sondern vor allem ein abstrakter Reichtum produziert, „eben Kapital, in Form von Geld – auch virtuellem ’Finanzkapital’ und von Waren, Maschinerie, und Kommando, also Befehlsstrukturen“.

Weiter heißt es in dem Artikel:

Werlhof plädiert für eine „mütterlich-matriarchale Wirtschaftsweise“, die die konkreten Bedürfnisse aller Menschen im Auge habe. Matriarchat will sie dabei nicht als Frauenherrschaft verstanden wissen, „sondern als Herrschaftsfreiheit für alle“. Oberstes Gebot in dieser Ordnung wäre „die Kooperation mit anstatt die Zerstörung von Natur“, das sei auch in den noch bestehenden Matriarchaten weltweit zu beobachten.

Nur sehen sie derzeit kaum eine Chance zum Umbau unserer Wirtschaft. Denn das Kapital hat jetzt die Macht und kein Interesse, diese zu verlieren.

Dass dem so ist, und wir Bürger da sofort wenig ausrichten können, werden derzeit immer mehr Menschen bewusst. Aber ich bin mir sicher, wenn wir immer mehr darüber reden, dass es uns besser gehen wird, wenn wir wieder sinnvoller leben und arbeiten, dann könnte mittelfristig sich doch etwas bewegen.

Nachtrag vom 04.06.2016: Ich habe gerade einen Artikel gepostet, der diese beiden Pole nochmals mit Blick auf die Beschaffenheit zweier Geldsysteme betrachtet. Wie ich finde ergänzend lesenswert:
Lassen wir das Geld für uns arbeiten, statt dass wir für das Geld arbeiten müssen …

Kategorien:Gesellschaft Schlagwörter: , ,
  1. Mai 27, 2012 um 11:31 pm

    Es gibt einen neuen Artikel, der das Leben in einer matriarchalen Gesellschaft beschreibt. Darin ist zu lesen:

    Es fehlte die moralische Vorstellung von der Welt, auch von der Menschenwelt, die die Welt in Gut und Böse einteilt. Es gab keine Abspaltung und Ausgrenzung des Bösen und damit auch keinen Schuldigen, ganz zu schweigen von einem Konzept von Schuld. Vielmehr war ihre Grundvorstellung von der Welt und dem Leben die des ständigen Wechsels, bei dem sich die hellen und die dunklen Seiten gesetzmäßig ablösten. Die dunkle Seite wurde auch nicht als ›böse‹ gewertet, sondern sie war ebenso notwendig wie die helle Seite: Tag und Nacht, Sommer und Winter, Kommen und Gehen, Leben und Tod waren notwendig und bedingten einander.

    Insgesamt scheint mir das eine sehr viel stabilere und nachhaltigere Lebensweise darzustellen. Allerdings wird das Modell der Familie für viele als zu abwegig gesehen werden. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass viele heute schon alleinerziehende Mütter (auch Väter?) dem Modell etwas abgewinnen könnten …

  2. März 26, 2011 um 11:12 pm

    Liebe Tordis,
    leider scheint in unseren Schulen zu wenig über alternative Lebensformen gesprochen, so dass nur Halbwissen vorhanden ist, das dann meist auch noch negativ besetzt ist. Seit ich die Seiten http://matriarchat.info und „rette sich, wer kann“ von Hannelore Vonier durchstöbert habe, bin ich mir ziemlich sicher, dass eine gut funktionierende Gesellschaft nur so funktionieren kann. Denn hier sind alle Gesellschaftsmitglieder auf Augenhöhe in den Konsensentscheidungen beteiligt. Also Keiner hat Macht über einen Anderen. Das kann doch nur gut sein …
    LG, Martin

  3. tordis
    März 26, 2011 um 8:45 pm

    ihr lieben, ihr versteht da was ein bisschen falsch.

    begriffe wie „patriarchat“ lassen leider vom namen her falsche schlüsse ziehen. weil ja vater drinsteckt, der ja ein mann ist, sei also ein patriarchat ein system das aus männern besteht. falsch!
    man muss da viel abstrakter denken.

    das patriarchat und das matriarchat sind personenungebundene systeme.
    so wie zum beispiel eine organisation (zB firma) ein personenungebundenes system ist: alle mitarbeiter sind austauschbar, ob jetzt herr x oder frau y am fliessband steht ist für die produktion egal. es kann jede xbeliebige person diesen arbeitsschritt ausführen. weil irgendwo festgelegt ist, wie sie sich in der funktion als fliessbandkraft zu verhalten hat.
    dass „austauschbar“ klingt jetzt hart, aber so kann eine firma auch über mehrere generationen fortgeführt werden. wenn der chef stirbt, kann sein sohn den laden übernehmen. ist auch ein austausch.
    die firma selbst ist also die ansammlung von handlungen, kommunikationen, denkweisen, werten, zielen. NICHT die personen!!!

    mit dem matriarchat ist es das selbe. ob da jetzt frauen oder männer handeln ist im grunde egal. daher gibt es frauen wie margaret thatcher und männer, die kooperativ handeln. das system schreibt was vor, wer sich danach richtet, wird belohnt. es gibt auch männer, die sich nicht nach den regeln der patriarchalen gesellschaft richten und diese erfahren einige nachteile (homosexuelle, besonders sanfte („weibliche“) männer, welche die gerne dinge tun die sonst frauen zugeschrieben werden (schminken, rosa bekleidung, röcke), früher auch lange haare…)

    (und dieses ewige „frauen können besser wirtschaften weil sie eine vagina haben“ geht mir schon dermassen auf die nerven! sage ich als feministin.)

  4. März 14, 2011 um 6:02 pm

    Prof. Dueck hat einen genialen Text zu diesem Thema geschrieben, seihe meinen neuen Post: Wollen wir lieber kooperativ Alle gewinnen oder konkurrierend nur Wenige gewinnen lassen?

  5. Cri
    März 14, 2011 um 1:02 pm

    Politikerinnen müssen sich der Macht des Geldes beugen? Vielleicht sollten wir hier mal neben dem Thema „Risikobereitschaft“ auch über das Thema „Gier“ sprechen. Ob diese bei Frauen und Männern so unterschiedlich ausgeprägt ist, da bin ich mir alles andere als sicher. Frauen, und ich bin selbst eine, sind leider nicht PER SE die besseren Menschen. Oder wie war das noch „hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau“? Und was schließen wir dann in unserem patriarchialen Wirtschaftssystem daraus? Die Frau haben keinen Einfluß? Oder einen möglicherweise einen falschen?

  6. Cri
    März 14, 2011 um 12:14 pm

    Sorry Lilith, aber Ihre Aussage „Kapital sollte zum Wohl von uns allen in Frauenhänden liegen.“ kann ich so nicht teilen. Angela Merkel, Margaret, Hasina Wajed (z.Z. Regierungschefin von Bangladesch), Imelda Marcos, Cristina Elisabet Fernández de Kirchner und viele andere. Na, möchten Sie von diesen Frauen regiert werden?

    • März 14, 2011 um 12:31 pm

      Hm, dass Politikerinnen sich auch der Macht des Geldes beugen müssen, heißt eigentlich nicht, dass sie nicht anders und damit besser zum Gemeinwohl mit Geld umgehen würden. Ich habe schon mehrfach gelesen, dass Männer im Falle von Geldanlagen risikobereiter als Frauen sind.

  7. März 13, 2011 um 5:33 pm

    Mütterlich-matriarchale Wirtschaftsweise, das hört sich innovativ an. Wie patriarchales Wirtschaften in die Finanzkrise geführt hat, haben wir ja alle gesehen – Frauen würden viel umsichtiger und vorausschauender wirtschaften, sie sind schon von ihrer Biologie her auf Nachhaltigkeit angelegt. Kapital selbst ist nicht schlecht, sollte jedoch zum Wohl von uns allen in Frauenhänden liegen.
    http://www.frauen-quote.de/

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