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Die heutigen Wirtschaftswissenschaften sind eher Glaubenssätze und religiöse Ansichten

Ich habe gerade auf The Intelligence den weckrufenden Artikel Das Ende des Geldes? gefunden und möchte ihn zur dringenden Lektüre weiterempfehlen. Hatte ich schon mit dem Hinweise auf die Initiative der Monetative als vierte Macht zur möglichen Lösung unserer Finanzkrisenprobleme geschrieben, so befasst sich dieser Artikel mit einer Buchvorschau.

Prof. Dr. Franz Hörmann von der Wirtschaftsuniversität in Wien und Dr. Otmar Pregetter, Ökonom, Unternehmensberater und Lehrbeauftragter an mehreren Hochschulen haben ein Buch mit dem klingenden Titel „Das Ende des Geldes: Wegweiser in eine ökosoziale Gesellschaft“ geschrieben. Die Autoren gehen davon aus, dass unser Geldsystem, das auf Schuld aufbaut, vor dem Ende seiner Luftnummer steht. Sie fordern ein Umdenken und eine Neuorientierung unserer Kultur. Nicht Eigentum soll belohnt werden sondern Leistung. Nicht Wissensgesellschaft,  sondern wir brauchen eine GEWissensgesellschaft. Nicht Konkurrenz sondern Kooperation sollte im Vordergrund stehen.

Vieles hört sich nach dem an, was die RealExperimentler in ihrem Beitrag zur Zeit nach einer stattgefundenen Revolution geschrieben haben.

Mir geht seit einigen Tagen durch den Kopf, welche Verschwendung wir durch die Konkurrenz betreiben. Gerade heute konnte das nochmals unterstrichen werden. Ich war mit einer Kollegin auf einer Veranstaltung, auf der wir unsere Lösung für eine Digitale Personalakte vorgestellt haben. Vor unserer Präsentation hatten zwei Wettbewerber ihre Lösung gezeigt, die natürlich sehr ähnlich ist.

Wenn ich mir nun vorstelle, dass allein in Deutschland etwa 200 weitere Herstellern ähnliche Lösungen anbieten, komme ich ziemlich ins grübeln. Wie viele Entwickler und Supporter gleiche Lösungen entwickeln. Wie viele Vertriebsleute und Berater um die Gunst der Kunden buhlen. Am Ende geht es nicht um Funktionen sondern um Faktor, was hat intuitiv besser gefallen.

Man stelle sich nur mal vor, wenn viele gemeinsam an einer genialen Lösung mitwirkten. Die Kunden müssten kein langes Auswahlverfahren machen. Es bräuchte keinen großen Vertriebsapparat, und auch deutlich weniger Entwicklerpower.

Wir könnten Alle weniger arbeiten und hätten viel mehr Zeit, uns um unsere Freunde zu kümmern.

Denke ich da irgendwie verkehrt?

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  1. März 10, 2011 um 9:31 pm

    Hallp Martin, Tschuldigung schon wieder Dein Stammleser, bist mich ja bald los, weil ich aus den Arbeiten nicht mehr rauskommen werde, wenn der Frühling so unvermittelt zu zeitig anfängt. Ich möchte als Habtiker noch einen draufsetzen. Wenn wir mehr Zeit hätten, bräuchten wir weniger Maschinen, also weniger Ressourcen, und könnten mehr mit der Hand fertigen, was schlußendlich für die Ausprägung unserer geistigen Fähigkeiten von Vorteil ist. Der Mensch wieder in seinem natürlichen Reproduktionsprozeß, nicht auszudenken, ein Paradies… viele Grüße Mike

  2. März 11, 2011 um 10:03 am

    Hi Martin,

    nicht dass ich unser Geldsystem besonders attraktiv fände. Aber die Thesen und Aussagen erscheinen mir zum Teil etwas sonderbar. Ein Beispiel:

    „Tatsache ist aber, dass alleine schon die unterschriebene Rechnung ein Wertpapier darstellt, das man sofort um den Betrag, der draufsteht (in diesem Fall also 50 Euro) bei jeder Bank verkaufen kann. Wir haben hier durch unsere Unterschrift unser eigenes Geld erzeugt“

    Hm, also irgendwie glaub ich das jetzt mal nicht. Das mag theoretisch stimmen, aber praktisch kann ich mir keine Bank vorstellen, die dem Wirt 50 Euro im Tausch mit dem unterschriebenen Kredikartenbeleg in die Hand drückt.

    Ebenso problematisch finde ich folgende Aussage:

    „Unser Geldsystem sieht er auch hauptursächlich für die ökologischen Missstände. Und selbst die Klimadiskussion hält er für leeres Lamento, da die meisten globalen Probleme in unserer „Eigentumsgesellschaft, in der das Eigentum belohnt wird“, begründet sind.“

    Das klingt für mich nach Marketinggeschrei, um die Bedeutung der eigenen Gedanken aufzupeppen, indem das im Buch thematisierte Problem zu einer Hauptursache stilisiert wird. Wer soll das denn überhaupt beurteilen können? Ich könnte dagegen halten, dass das Hauptproblem unsere Menschliche Sehnsucht nach Sicherheit sei, die sich in dem zwanghaften Wunsch manifestiert, die Natur zu beherrschen. Eine der Folgen davon ist der Taylorismus und die Trennung von Management und Arbeit. Und die Idee, das „externe Effekte“ nichts mit dem Unternehmen zu tun haben. Das alles gibt einen giftigen Cocktail, mit dem wir die Umwelt verseuchen und damit den Ast absägen, auf dem wir sitzen.

    Aber genau das glaube ich nicht. Jedenfalls nicht als die Hauptursache. Ich würde unser Geldsystem und unsere Eigentumsgesellschaft da sehr wohl mitaufnehmen in die Liste der wichtigsten Ursachen. Aber damit verkaufe ich mein Buch nicht so gut und Panik schürend, wie die Autoren der neuen ökonomischen Prophezeiung.

    Ich hab mir das Buch eben bestellt und werde es lesen, sobald es ausgeliefert wird. Dann können wir ja weiterdiskutieren.

    HGA

    • März 11, 2011 um 1:29 pm

      Hallo Andreas,
      eines scheint mir aber ziemlich sicher, dass wir einen Fehler im System haben, nämlich die Vermehrung von Geld via Zinsen. Hier wird ja wirklich nichts geleistet. Und unsere Staatsschulden bekommen wir, da wir die Zinsen nur durch Wachsen abbauen können, so überhaupt nicht mehr runter.
      Ich war noch unentschlossen, mir das Buch zu kaufen. Ich warte daher erst einmal Deinen Eindruck ab.
      Lieben Gruß
      Martin

  3. März 11, 2011 um 3:13 pm

    Also über die Wirtschafts“wissenschaften“ hatte ich vor einer Weile auch mal geschrieben – als jemand, der tatsächlich mal BWL studiert hat, empfand ich das Studium damals auch eher als Dogmen/Ideologie als als Wissenschaft.

    „Gedanken zur Lehre der Wirtschafts’wissenschaften'“: http://konsumpf.de/?p=1554

  4. März 11, 2011 um 9:38 pm

    Hallo Peter,
    gut recherchierter Artikel. Man bekommt das Gefühl, dass wir vielen Glaskugelnsehern aufsitzen.
    Viele Grüße, Martin

  5. April 24, 2011 um 9:41 am

    Andreas Popp von der Wissensmanufaktur stellt klar, dass die Kriesen von den Wirtschaftswissenschaftlern nicht vorher gesagt werden konnten, weil sie durch den Nebel des Geldes hindurchschauen (sollen):
    Wirtschaftswissenschaftler mit dem Latein am Ende…
    Wissenschaft oder Religion?

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