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Keine gute Kultur, sagt mir meine Intuition: konstante Arbeitslosenzahl, Zocken mit Geld, Hungern durch Fleisch, riskante Großprojekte …

Ich habe seit Monaten ein ungutes Gefühl, was den Zusammenhalt unserer Gemeinschaft betrifft. Derzeit haben wir wohl keine gute Kultur:

Wir warten seit über 20 Jahren darauf, dass die Arbeitslosenzahl zurück geht. Tut sie aber nicht. Nun kann man über vermeintlich faule Menschen reden. Oder meinen, dass jeder dorthin ziehen muss, wo er arbeiten kann, weil es besser für die Gemeinschaft ist, da sie dann entlastet wird, soziale Entwurzelung hin oder her. Wenn´s denn da auch Arbeit gäbe …

Wenn aber die Arbeitslosen nicht weniger werden, weil nicht mehr Erwerbsarbeit generiert werden kann, weil der Bedarf an Waren gedeckt ist und auch immer mehr automatisiert wird, aktuell durch die Cloudisierung der Computerwelt, müsste die Gemeinschaft sich dann nicht eingestehen, dass die konstante Arbeitslosigkeit auf Alle verteilt, oder auch anders ausgedrückt, die vorhandene Arbeit auf Alle verteilt werden sollte? Ist eigentlich ein einfacher Dreisatz, den auch unsere so genannten „bildungsfernen“ Bürger rechnen können. Weil wir das nicht tun, geht die Angst um, selbst erwischt zu werden, selbst arbeitslos zu werden, besonders in der bisher gut gehenden Mittelschicht. Das Rennen im Hamsterkäfig läuft. Ellenbogen raus, nur nicht ich.

Keine gute Kultur, sagt mir meine Intuition: Siehe unsere 3 Millionen depressiven Bundesbürger. Was, wenn es noch schlimmer wird? Bricht unser Gemeinschaft dann auseinander und es geht ins Chaos und Gewalt? Achtung: nicht Hierarchie. Das ist genau das Gegenteil! Da geht es um wohl organisiert sein, um Entscheidungen im Konsens ohne Beherrschung, Ellenbogen eingezogen, so wie wir besser leben sollten. Wenn ein bedingungsloses Grundeinkommen funktioniert, könnte dies zusätzlich helfen.

Dann auch noch die Finanzkrisen, wo die Experten sich einig sind, dass die nächste so sicher kommt wie das Amen in der Kirche. Weil wir alle Zocken wollen. Gut, am meisten die, die so viel Geld in der Kriegskasse haben, dass schon ihr Portogeld ausreicht, um die Krisen zu verursachen. Wenn dann noch die Banken selbst Geld schöpfen, in dem Phantasieprodukte auf den Markt geworfen werden, die keiner mehr versteht, nicht mal die Bank-eignen Berater.

Keine gute Kultur, sagt mir meine Intuition: Sollten wir dann nicht zumindest unser Geld zu den Banken bringen, die nicht zocken und für uns nachhaltige Projekte fördern?

Dann noch die beginnenden Unruhen in den Staaten, wo das Essen immer teurer wird, weil wir so viel Fleisch essen (die Produktion eines Kilos Rindfleisch benötigt die 14 fache Menge an Futter, Wasser sogar noch viel mehr). Und jetzt auch noch vermehrt den angebauten Mais in unseren Tank kippen, um von A nach B zu kommen. Müssen wir uns dann wundern, wenn der Groll dieser Völker uns vor der eigenen Haustür heimsucht in Form von Bomben?

Keine gute Kultur, sagt mir meine Intuition: Wenn wir nur ein wenig mehr auf Fleisch verzichten, würden die Agrarprodukte automatisch weniger nachgefragt und wieder kaufbar werden. Und der Groll der Armen auf die Reichen würde wieder geringer.

Und dann gibt es da die Großprojekte (Nürnberg-München, Hamburg, Stuttgart, jetzt auch noch Fähmarn) wo kaum noch Jemand planerisch den Durchblick hat, weil zu komplex, und nicht auf die Intuition gehört wird, die da schreit: Finger weg, das wird zu teuer und nutzt uns nicht wirklich. Es wird dann nur noch ein fragwürdiges Denkmal für die Promotoren. Und der Bürger kann nur den Kopf schütteln: „Wenn sie mich gefragt hätten, aber es fragt mich ja keiner …“

Keine gute Kultur, sagt mir meine Intuition: Es zeigt sich immer mehr, dass die Schwarmintelligenz die der Experten sticht. Ist es dann nicht an der Zeit, dass wir mehr beteiligt werden? Dann tragen wir die Projekte auch alle gemeinsam und können dahinter stehen.

Ich wünschte mir, dass wir Bürger wieder mehr unsere Verantwortung in die Hand nehmen, uns mehr selbstbestimmt in eine Wir-Gemeinschaft begeben als fremdbestimmt in eine Ellenbogengesellschaft, in der keiner mehr dem anderen hilft, weil er selbst keine Hilfe mehr erwarten darf.

Mehr Freiheit bedeutet auch mehr Verantwortung. Ob wir das aber wirklich wollen? Oder sind wir alle Lemminge, die offenen Auges ins Verderben laufen?

Aber da habe ich eine große Hoffnung. Denn, wenn wir die vorhandene Arbeit verteilen, ist mehr Zeit für unsere gesellschaftliche Verantwortung da. Wir könnten uns wieder mehr Zeit für das Sorgen um den Anderen nehmen. Das ist übrigens auch das matriarchale Prinzip unserer indigenen Völker, das leider immer noch mit dem Herrschen durch die Frau verwechselt wird. Das Sorgen um den Anderen, auch im Feiern im Kiez oder Fedel, schweißt die Gemeinschaft wieder zusammen.

Und wenn wir dann auch noch sinnvoller arbeiten, sollten wir unsere Depressionen wieder loswerden, weil wir dann glücklicher sind!

  1. April 1, 2011 um 8:55 am

    Rate mal welches Buch Mahatma Gandi verteilt hat? Am Ende hat ihn auch ein Killer gestreckt, aber es ist beachtlich was er erreicht hat. Ich bin mir nicht sicher was passiert, vor 60 Jahren sind Andersdenkende noch hingerichtet worden (Lumumba, Che), dann gab es Stasiknast oder Berufsverbot, auch die Bundesrepublik ist nicht zimperlicher gewesen als der Osten, heute sind die Methoden feiner geworden. Deshalb erst soziales Netz, weil sonst keine Kugel sondern das völlige soziale Aus vor der Tür steht. Zur Zeit sitzen sie aber so fest im Sattel, das sie erst einmal nur sammel (Vorratsdatenspeicherung). Ich glaube schon das da eine Menge ausgewertet wird (Raster). Schönen Tag und Wochenende ich fahr mal wieder nach Hause. Mike

  2. April 1, 2011 um 3:41 pm

    Martin schreibt und hat recht: »Wenn wir heute von Revolution schwätzen, dann wollen wir jemanden in seinem Wirkungskreis einschränken oder eigentlich stürzen, der sich zu verteidigen weiß.«
    Ja. Maßnahmen, gegen die sich Angesprochene wehren können, sind untauglich. Wenn wir das als Konsens festhalten, ist schon viel gewonnen.

  3. April 4, 2011 um 9:52 pm

    Prof. Gunther Dueck schreibt über die ethische Mitte und der ausgereizten Grenze:
    „Wir verlieren unsere Mitte.
    Die Mitte ist das, was allgemein geboten erscheint.
    Weiter draußen ist eine Grenze, deren Überschreiten verboten werden muss. Dort leben wir.“

  4. Mai 29, 2011 um 6:27 pm

    Ich habe auf den NachDenkSeiten noch einen lesenswerten Artikel gefunden, der sich mit dem Lambsdorfpapier, datierend auf mehr als 25 Jahre vor unserer Zeitrechnung, beschäftig und aufzeigt, dass hier schon das Drehbuch für dsa Regieren hin zur Abkühlung auf soziale Kälte geschrieben wurde:
    25 Jahre Lambsdorff-Papier – ein Konzept des Scheiterns und des Niedergangs

  5. August 27, 2011 um 11:26 pm

    Armut ist falsch verteilter Reichtum, so lautet der Titel von Arnd Zickgraf über ein Gespräch mit Thomas Beyer, Sprecher der Nationalen Armutskonferenz, über soziales Gewissen und gute Arbeit.

    Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung hat kein Vermögen – immer mehr Menschen sind verschuldet. Doch Armut wird verdrängt in einer Gesellschaft, in der Gewinner alles bekommen und Verlierer in der Versenkung verschwinden. Kein Wunder, dass vor diesem Hintergrund nur wenige die Nationale Armutskonferenz (nak) kennen – die sozialpolitische Lobby deutscher Wohlfahrtsverbände und Gewerkschaften, die auch Mitglied des Europäischen Netzwerkes zur Armutsbekämpfung (EAPN) ist.

    Arnd Zickgraf:

    Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt. Reiche werden immer reicher, Arme immer ärmer. Steckt Deutschland mit seiner Sozialpolitik auch andere Länder der Europäischen Union an?

    Thomas Beyer:

    Wenn es schon das reichste Land Europas nicht schafft, dass die Schere zwischen Armen und Reichen weniger auseinandergeht, mit welcher Berechtigung schaut es dann auf andere Länder herab?

    Deutschland wird in zweifacher Hinsicht seiner Verantwortung nicht gerecht: Wir schaffen es nicht, im eigenen Land die gesellschaftlichen Verhältnisse sozial gerecht zu ordnen – und wir geben damit anderen EU-Ländern die falschen Signale.

  6. federleichtes
    April 19, 2012 um 4:57 am

    Könnte man hier mal diskutieren über einen gesellschaftskulturellen Entwurf?

  7. April 19, 2012 um 9:03 am

    Mike schrieb:
    “Wir können uns hier im Internet über vieles austauschen und ich bin dafür sehr dankbar und aufgeschlossen, aber verändern…. so wie in der Geschichte, durch einen Machtwechsel, läßt sich diese stark vernetzte Gesellschaft nicht. Aber auf Grund der immer deutlicher werdenden Mißverhältnisse sind m. E. kleinere Veränderungen schon machbar, aber mit Revolutionen im herkömmlichen Sinne haben die rein gar nichts zu tun. Ob sie ausreichen werden, damit unsere Kinder noch ein menschenwürdiges Leben führen können, ist schwer zu beantworten und hängt von der Masse tragfähiger sozialer Netzwerke ab, die wir schaffen müssen!“

    OCCUPY zeigt es auf. Kaum noch Spuren davon im Außen, aber im Innern beschäftigen sich mehr und mehr Menschen mit den Missständen der Realität und kommunizieren dieses über das Netz. Sich mit den Missständen zu beschäftigen ist der Kern von OCCUPY, nicht BESETZEN, sondern BESCHÄFTIGEN. BESETZEN ist die Übersetzung als Nocebo. BESCHÄFTIGEN bzw. IN ANSPRUCH NEHMEN ist die Übersetzung als Placebo.

    Keine Aktion kann ohne Reaktion bleiben. Und während im Außen das Nocebo wirkt, immer mehr Nebenwirkungen hervorrufend, machen sich im Innern bereits erste Wirkungen des Placebos bemerkbar.

    Nocebo = Ich werde schaden = Dissonanz = reaktive Unordnung
    Placebo = Ich werde gefallen = Konsonanz = aktive Ordnung

    Daher sind Nocebos in der Expansion das Mittel zur Wahl, egal, für welche Krankheit, egal, für wie real sie erachtet wird. Placebos werden in diesem Rahmen eher belächelt und ihr Wirkungsspektrum verkannt. In der Optimierung werden Nocebos dagegen als das erkannt werden, was sie wirklich sind, während Placebos in aller Munde sein werden.

    Somit läuft die Revolution im Innern bereits, flächenddeckend.

    Gruß Guido
    http://www.gold-dna.de

    • April 19, 2012 um 10:23 am

      Das finde ich mal eine gute Interpretation der OCCUPY-Bewegung.

      Manche meinen, dass auch diese Bewegung von den Mächtigen, symbolisiert durch die Spitze der Pyramide auf den Dollarnoten, initialisiert sein. Allerdings wollen diese ja gerade nicht, dass sich die Menschen mit damit beschäftigen, was Leben wirklich ausmachen könnte, oder?

  8. April 19, 2012 um 10:36 am

    Ich denke, dass es keine Frage des WOLLENS ist. Es sind einfach MÖGLICHKEITEN. Es gehören immer zwei Proportionen dazu … die Asymmetrie und die Symmetrie. Unterdrückung und schädliche Einflüsse können nur wachsen, wenn ihnen die Möglichkeit dazu gegeben wird. Je mehr Aufmerksamkeit und Beobachtung, desto weniger Spielraum … in der Quantentheorie ist dieses auch als Quanten-Zeno-Paradoxon bekannt. Damit lässt sich eindrucksvoll zeigen, wie sich Bilder in der Realität manifestieren.

    Gruß Guido

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