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Was uns eine Geschichte vom Versteigern eines toten Esels über unser ethisches Wirtschaften lehrt …

Eselwechsel

Eselwechsel

Chuck hat von einem Farmer einen Esel gekauft, der aber sogleich stirbt. Er verlost ihn.
„Verlosen? Einen toten Esel?“
„Ich verrate den Leuten nicht, dass er tot ist.“ sagt Chuck zu dem Farmer.
Nach ein paar Wochen treffen sich die Beiden wieder. Was aus dem Esel geworden ist?
„Na, ich habe ihn verlost, das Los für zwei Dollar, 500 Lose verkauft, macht 1.000 Dollar“
„Hat sich Niemand beschwert?“
„Nur der Kerl, der den Esel gewonnen hat. Dem habe ich die zwei Dollar zurückgegeben.“

Aus gegebenem Lebensmittelskandal: Diese kleine Geschichte geht seit dem Zusammenbruch von Enron und den vielen folgenden Firmenaffären (siehe auch Warum man sich um die Einhaltung von Regeln kümmern sollte und nicht wegschauen) des „neuen Marktes“ um und vermittelt ein ungutes Bauchgefühl. Prof. Günther Ortmann nimmt diese Geschichte als Aufhänger zur Diskussion, um über die Geschäftsmoral und das Dilemma immer neuer Regelwerke in seinem Artikel „Verlosung eines toten Esels – Über Führung, Organisation und Moral“ in der Zeitschrift für Führung und Organisation von Mai 2010 zu sprechen.

Sicher wollen Alle, dass die Verlosung von Eseln nicht stattfinden darf. Auf der anderen Seite: Wenn ich davon ausgehen muss, dass das auch andere tun, warum sollte ich es nicht tun, wenn ich sonst verliere?

Also stellen wir uns immer weiter Regeln auf, um zu verhindern, dass keine Toten-Esel-Verloser auf dem Markt agieren können, ohne dass sie an den Pranger gestellt werden, wenn sie auffallen.

Auf der anderen Seite müssen wir das Einhalten von Regeln steuern, was uns mehr und mehr Geld kostet (siehe auch Überregulierung: An die Stelle einer sozialmoralischen Selbststeuerung tritt die soziale Fremdsteuerung durch Vermehrung von Vorschriften und Gesetzen). Und da haben wir das Dilemma. Warum soll ich Geld in das Einhalten von Regeln ausgeben, indem ich ein Compliance Management System implementiere und ggf. auch noch eine Software zur Unterstützung des internen Kontrollsystems (siehe auch IKS ist nicht die Abkürzung von Ikarus sondern steht für Internes Kontrollsystem) einführe, wenn ich davon ausgehen muss, das das andere nicht machen?

Mal etwas quer gedacht:

Warum geben wir uns Regeln?
Weil wir uns vor Anderen schützen wollen?
Warum wollen wir uns schützen?
Weil wir Angst haben, dass uns ein Leid angetan wird?

Was, wenn wir als Einzelne keine Angst haben müssen, weil die paar Tote-Esel-Verloser der gesamten Gemeinschaft kaum Schaden zufügen können, weil sie früh genug auffallen und an den Pranger kommen, und die Geschädigten von der Gemeinschaft entschädigt würden?

D.h. würde eine „Zwangs“versicherung zur Abdeckung von Verlust durch Betrug günstiger sein, als für jeden neuen Betrugsfall ein neues Regelwerk und damit mehr Aufgaben im Compliance Management zu verursachen?

Kategorien:Ethik, Geschichten Schlagwörter: , ,
  1. Februar 21, 2012 um 10:29 am

    Ja Nick, das ist es wieder zu lernen: Eigenverantwortung zu übernehmen, so dass es keine Regeln mehr braucht, bis auf die, Niemandem zu schaden.
    Und dann müssen wir uns nur anschauen, wie wir aufwachsen und wie die Kinder indigener Völker. Denn diese leben genau mit dieser einen Regel. Ihre Kinder wachsen ohne Lob und Tadel auf sondern durch Versuch und Irrtum. So lernen sie auf Basis ihrer Intuition, sich durch das Leben zu leben. Sie gehen so quasi durch die Schule des Lebens. Wolfgang erzählte gestern nochmals von der Ausbildung der Nubier: zuerst das Gemüt festigen und dann das Wissen drauf geben, wie beim Bestellen eines Ackers.
    Wir selbst bekommen auch noch das letzte von unseren Eltern abgenommen, später in der Schule, noch später von unserem Vorgesetzen. Wo bitte soll in einem solchen System die Eigenverantwortung gelernt werden können?
    Das passt dann zum Ansatz des ganzheitlichen Bildungssytems, wie ich das heute noch in meinem neuen Artikel kurz mit drin habe:
    Warum betreiben wir eine so RIESENBLÖDHEIT und quälen uns gegenseitig?
    LG Martin

  1. Januar 21, 2011 um 11:25 am

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