Startseite > Gesellschaft > Wie viel Beschleunigung in der Wirtschaft hält der Mensch aus?

Wie viel Beschleunigung in der Wirtschaft hält der Mensch aus?

Ich habe gerade den sehr interessanten Artikel Prozesse – Mut zur Geschwindigkeit von Jens-Uwe Meyer veröffentlicht auf dem Web-Portal Havard Business Manager gelesen und kämpfe gerade mit widerstreitenden Gefühlen. Der Artikeln berichtet darüber, wie die derzeit erfolgreichsten Firmen der Welt ihre Innovationsprozesse eingerichtet haben und gibt Empfehlungen, was man davon für sich nutzen sollte.

Mikroökynomisch betrachtet bin ich begeistert, gibt der Artikel uns doch ein paar Ideen mit, wie wir selbst Innovation besser betreiben könnten. Makroökonomisch frage ich mich, ob da irgendein Gewinn bleibt, wenn nun alle Firmen in der Welt so innovativ sind und immer schneller immer nützlichere Produkte entwickeln. Ok, auf der einen Seite profitieren wir Konsumenten, weil Produkte immer besser und günstiger zu haben sind.

Aber was passiert sonst noch? Die Innovationsteams werden immer härter angetrieben, um noch schneller Ideen zu entwickeln. Mir kommt das Bild des Hamsters im Rad in den Sinn. Denn was nützt das Aufbringen dieser Innovationsenergie? Hier erfolgt ein immer härter werdender Wettkampf zwischen Marktbegleitern. Wenn ich als Physiker auf das Gesamtsystem Weltwirtschaft schaue, d.h. makroökynomisch, dann ist die Summe aller Umsätze im Prinzip immer gleich. Mikroökonomisch gibt es immer schneller schwankende Ausschläge in Abhängigkeit der Treffsicherheit, mit der die Innovationsteam den Bedarf der Abnehmer getroffen haben.

Die erfolgreichen Firmen stellen dann mehr Arbeiter ein, die weniger erfolgreichen entlassen dagegen. Im Schnitt über die Welt betrachten, wie gesagt, alles gleich. Nur dass die Menschen als fremdbestimmter Spielball zwischen den Firmen hin und her müssen, um sich nun an anderer Stellen den Lebensunterhalt zu sichern. Immer mit der Angst, dazwischen in eine unwürdige Situation zu geraten: Arbeitslosigkeit. Wer profitiert, muss an dieser Stelle  nicht angeführt werden.

Ist Ihnen schwindlich geworden? Mir bei dieser Vorstellung irgendwo schon. Wie viel mehr und wie lange hält das ein Mensch aus? Ich hatte ja schon festgestellt: Hoher wirtschaftlicher Schaden wegen Depression: Über 3 Millionen Deutsche in Behandlung.

Wenn wir als Weltgemeinschaft im Schnitt eigentlich keinen echten Gewinn haben, warum müssen wir uns so abstrampeln? Nur damit wir, wenn unser Team nicht innovativ genug war, woanders einen neuen Versuch  machen? Wo es dann womöglich auch nicht lange dauert, bis ein Anderer wieder eine bessere Idee hatte?

Ob da unsere Völker, die im Einklang mit der Natur gelebt haben und zum Teil auch noch leben, uns nicht doch einen besseren Weg weisen können? Sie kennen keine Konkurrenz, denn sie teilen gleichberechtigt weil nicht beherrscht, und produzieren nur das, was wirklich zum Leben benötigt wird und sind im Schnitt deutlich glücklicher als jeder von uns und damit nachweislich sogar deutlich gesünder (siehe die Artikelserie von Hannelore Vonnier).

Wir müssten ja nicht exakt so einfach leben. Sie nutzen ja schließlich auch Werkzeuge, die im Laufe der Jahrtausende erfunden und verfeinert wurden, um das wenige zum Leben zu produzieren. Die Frage ist, wie viel Wohlstand zum Glücklichsein, d.h. für ein würdevolles, erfülltes Leben nötig ist, damit alle in Gewaltfreiheit geordnet miteinander leben können …

Kategorien:Gesellschaft Schlagwörter: , ,
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. Dezember 26, 2013 um 9:51 am

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: