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Führen Blogger, Twitterer und Wiki-Autoren ein erfüllteres Leben? Arbeit versus selbstbestimmte Aufgaben?

Ich kommen gerade wieder vom Joggen zurück und wer mich kennt, weiß, dass ich während des Laufens meine Gedanken zu Themen, die mich beschäftigen, sei es meine Erwerbsarbeit betreffende Themen oder ein Menschelndes.  Warum Bewegung beim Denken hilft, wird u.a. im Buch Als die Wörter tanzen lernten besprochen.

In den letzten Tagen habe ich mich etwas in die Lebensformen heutiger, indigener Völker, die ohne Zentralgewalt leben, beschäftigt. Diesen Lebensgemeinschaften gemein ist, dass sie keinen Begriff für Besitz oder Konkurrenz kennen und ihr Essen teilen anstatt einzuteilen (Nomaden teilen Weidegrund ein). Auch kennen Sie den Begriff Arbeit nicht. Es gibt viele Tätigkeiten, die gemeinsam erledigt werden und die ihnen Erfüllung gibt (siehe die Artikelserie von Hannlelore Vonniere).

Was mich dann wieder zu der Frage zurückbrachte, was uns und damit auch mich antreibt, meine Erwerbsarbeit gut zu machen. Inzwischen ist mir klar, dass ich dann am besten arbeite, wenn ich genügend selbstbestimmt bin und damit eine hohe Eigenmotivation habe (siehe Post Lassen sich Geschäftsprozesse besser verbessern, wenn man die Mitarbeiter mehr motiviert?). Und wenn ich wieder etwas geschafft habe, erfüllt es mich, macht mich glücklich, d.h. ich belohne mich selbst. Aber warum eigentlich? Ich bin mir inzwischen sicher: weil es für die Gemeinschaft der Firma einen Nutzen bringt, ich teile.

Ich schreibe seit 2005 Artikel. Angefangen hat es mit Fachartikeln zum technischen Geschäftsprozessmanagement, die ich kostenfrei auf dem BPM-Netzwerk veröffentlicht habe. Und da es hier um die Optimierung von Arbeit geht, zunehmend über Fragen des Softskills, d.h. das Menschelnde. Und da viele dieser faszinierenden menschelnden Themen aber keinen direkten Bezug zu meiner Erwerbsarbeit haben, blogge ich seit etwa einem Jahr auf unserem Firmenblog während meiner Freizeit, sprich es ist zu meinem „Hobby“ geworden. Inzwischen habe ich mich entschlossen, diese Themen auf einem eigenen, diesen Bog zu veröffentlichen.

Aber warum mache ich dies? Ich bekomme doch kein Geld dafür? Viele andere Blogger tun das auch so. Klar, es geht auch um Reputation und Darstellung meiner Fittness (siehe Der verloren gegangene Schatz Darwins: die sexuelle Selektion – Wir haben ein großes Gehirn, weil der Mann buhlt und die Frau wählt). Meine Emotionen geben mir ein gutes Gefühl, ich bin erfüllt, wenn ich meine neuen Erkenntnisse teilen kann.

Ich vermute, dass es den vielen anderen Bloggern ähnlich geht. Und ich bin immer wieder erstaunt, wie viele fundierte Information hier kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Dazu gehören auch die vielen Artikel in Wikipedia. Und auch das Twittern hilft hier enorm weiter, erfahre ich doch schnell, welche neuen Erkenntnisse wieder zur Verfügung stehen. Auch dieser Service ist ein Teilen ohne Geldtransfer, es geht um Geben und nehmen.

Und auffällig ist: da es keinen Besitz gibt (Blogger schreiben explizit, dass ihre Inhalte frei sind und eine Wiederverwendung gewünscht ist), gibt es auch keine Hierarchien, d.h. es gibt (noch?) keine Macht, die Vorschriften macht. Es geht um Freiwilligkeit. Und es geht nicht um Arbeit, denn Arbeit wird entlohnt. Es ist ähnlich wie die vielen Tätigkeiten (ich spreche extra nicht von Arbett), die von freiwilligen Helfern geleistet werden, damit es Menschen, die es weniger gut haben, besser geht.

Sind wir Menschen in unseren Veranlagungen doch eher auf gemeinsames Handeln auf Augenhöhe und damit teilend ausgestattet, weil uns das erfüllt (glücklich macht), und nicht fremdbestimmend (Eltern die Kinder, Lehrer die Schüler, Firmenleiter die Belegschaft, Manager die Mitarbeiter)? Bringt uns das Beschäftigen mit selbstbestimmten Tätigkeiten mehr Erfüllung und führt zu besseren Ergebnissen für die Gemeinschaft, auch für die Firmengemeinschaft?

Und was die interaktiven und damit sozialen Web 2.0 basierenden Plattformen Blog,  Twitter und Wikis anbetrifft: krempeln sie unsere Gesellschaft um? Mehr Teilhabe (Wissenstransfer, siehe Was uns Milchflaschen-aufpickende Meisen über einen effektiven Wissentransfer lehren), mehr Kollaboration, mehr Freiwilligkeit ohne Druck?

Kategorien:Gesellschaft Schlagwörter: , , ,
  1. Januar 7, 2011 um 10:05 am

    Interessante Gedanken, also ich persönlich glaube dass einerseits die Erwerbszwänge und der Druck der Gemeinschaft einen gewissen Einfluss haben, wenn es darum geht wirklich einer Arbeit nach zu gehen, egal wie diese nun aussieht. Deutlich besser erfolgreiche und auch erfreulicher ist aber wenn man es schafft auch eine Eigenmotivation aufzubauen, dafür ist dann aber wohl eine gewisse Identifizierung mit der Arbeit nötig. Erst wenn ich selbst etwas steuern und beitragen kann und am Ende auch Erfolge sehe, kann ich mich wirklich selbst motivieren.

  2. Januar 9, 2011 um 10:54 pm

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Selbstbestimmtes Arbeiten bringt auf jeden Fall mehr Erfüllung.

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