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Fand unser kultureller Wandel von der Anarchie zur heutigen Hierarchie vor 7000 Jahren statt? Schuld war der Klimawechsel

Auf meiner Suche nach der Frage, ob Anarchie ein mögliches Gesellschaftskonzept sein könnte oder dieses doch zu utopisch ist, habe ich den Blog von Hannelore Vonier entdeckt. Er ist ein echtes Schatzkästchen und ich kan nur empfehlen, sich die Zeit für die vielen anregenden Artikel zu nehmen. Hannelore  studiert die Sitten und Sprachen von heutigen, noch lebenden matriarchalen “ungepanzerten” Gesellschaften, Naturvölkern und Ureinwohnern, und hat u.a. in einer Artikelserie versucht zu erklären, wie sich vor etwa 7000 Jahren der Kulturwandel von einer Lebensform ohne Unterdrückung zu einer mit vollzogen haben könnte.

Sie führt an, dass die verschiedensten Forschungen zeigen, dass unsere Vorfahren in einem absoluten Vertrauen mit ihrer Umwelt lebten und sich als Teil des ewigen Kreislaufes sahen. Vor etwa 7000 setzte in Nordafrika und in Zentralasien ein extremer Kilmawandel ein und brachte die blühenden Landschaften langsam zu erliegen. Es sind auch heute noch Wüsten.

Der extreme Hunger führte dazu, dass sich die Menschen zum ersten Mal gegen die anderen Futterinteressenten, die Raubtiere erwehren mussten. Nun gab es statt des Tiers als Freund (->Nahrungsquelle ->Freude) diesen als Feind (Tötung -> Stolz -> Neid). Die emitionalen Strukturen wandelte sich. Es gab nun auch Besitz. Der Hirte führte die Herde. Und damit kam der Keim der Hierarchie in unsere emotionale Welt.

CIh zietiere besser Hannelore, denn besser kann man es kaum formulierent: „Vertrauen und Zuversicht in die natürliche Harmonie allen Seins verschwanden und wurden durch die Sorgen um verfügbaren Lebensunterhalt ersetzt. Angst, nicht genug zu haben, existenzielle Angst vor dem Verhungern, gehörte ab jetzt zu den Konversations-Netzen, die die Generationen der nächsten Jahrtausende prägten.

Vor etwa 6000 Jahren eroberten dann diese nun patriarchialisch ausgerichteten indogermanischen Stämme auch das damals noch nicht-patriarchalische Gebiet Europas und bereiteten so auch unsere aktuelle Kultur, wo sich nun Alles aber der frühen Kindheit um Kampf („pass auf Dein Spielzeug auf, verteidige es“), Konkurrenz/Rivalität („ich bin aber besser als Du“, Zensuren, Sport) und Neid („der hat aber mehr als ich bekomen“) dreht.

Folgende Erkenntnisse ergeben sich mir:

Klimawandel gab es schon immer, auch ohne unser zu tun und es gibt kein Verlass, dass sich das ändert. Und ob wir hier wirklich etwas zusteuern können ist schwer zu beweisen. Noch sind die Berechnungsmodelle immer noch wenig sicher.

Ein Gesellschaftsmodell ohne Gewalt (Herrscher) scheint mir nur möglich ohne Besitz und mit einem absoluten Vertrauen jedes Mitgliedes der Gemeinschaft, dass es ihm an Nichts fehlen wird. D.h. also auch ohne die gegenwart eines Feindes, der diesen Frieden zerstören könnte. Das heißt auch, dass alle Menschen auf der Welt in einer solchen Kultur leben müssten. Und das leider auch nur so lange, wie keine Katastrophe dazu führt, das Leben nicht mehr sichern zu können.

Wenn wir Bürger zu der Erkenntnis kämen, dass eine solche Kultur die lebenswerteste wäre, die wir erreichen müssten, dann liegt ein ziemlich langer Weg vor uns, dort hin zu kommen.

Was, wenn wir es aber schaffen könnten, zumindest in kleinen Bereichen schon einmal anzufangen? z.B. damit, dass keiner mehr Angst haben müsste, am Rande der Gesellschaft in einem unwürdigen Leben sein Dasein fristen zu müssen, weil der Job verloren geht, man krank wird oder aus welchem Grund auch immer. So besehen, könnte ein Bedingungsloses Einkommen oder vielleicht besser eine Grundsicherung Sinn machen, die ein entsprechend würdiges Leben ermöglicht.

Allerdings ist die Frage, was denn ein würdigvolles Leben ist, schwierig zu beantworten. Wenn wir den Maßstab an unsere Vorfahren anlegen, wird sicher das nicht funktionieren.

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  1. August 15, 2011 um 9:30 am

    super ansatz, vielen dank

  2. Guido Riga
    August 15, 2011 um 10:16 am

    Den Blog von Hannelore Vonier kenne ich schon länger,ja ein Schatzkästchen.Allerdings kann ich die Obamamanie und die sehr…kritischen bis ablehnende Meinung von Hannelore Vonier zu einem begingungslosen Grundeinkommen nicht teilen.

    • August 15, 2011 um 10:22 am

      Nun, das BGE wird tatsächlich stark schwarz / weiß gesehen. Ich kenne viele sehr sozial eingestellte, die für das BGE ablehnen, während andere sich vorstellen können, dass das funktioniert.

  3. August 15, 2011 um 10:59 am

    Es gibt wieder einen wichtigen Artikel zum Thema Matriarchate. Es ist ein Interview, das Andrea Schorsch mit der Matriarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth führte und n-tv online letzte Woche veröffentlicht wurde:
    Wie lebt es sich im Matriarchat?
    „Frauenherrschaft? Das ist Unfug!“

    All ihre politischen Entscheidungen fallen tatsächlich in Einstimmigkeit. Und das nicht nur im Clan, sondern im ganzen Dorf und in der Region. Das geschieht über ein sehr ausgeklügeltes System von verschiedenen Räten. Der Clan-Rat kommt zusammen, dann der Dorf-Rat und dann der Regional-Rat. Die Beratungen zeugen davon, dass die Menschen eine enorm hohe kommunikative Kompetenz haben. Sie beraten so lange, bis sich über ein Problem, das die Region betrifft, alle Menschen dieser Region einig sind. Ich habe das selbst in China miterlebt. Das funktioniert. Es ist ein politisches Muster, das von vornherein Hierarchie, Klassen, Abwertung und Mundtotmachen von anderen unterbindet. Da sind alle – auch die Minderheiten – integriert, und alle haben was zu sagen. Ich muss natürlich hinzufügen: Es sind keine Riesen-Gesellschaften wie unsere, sondern kleinere.

  4. August 15, 2011 um 12:24 pm

    der artikel ist der grund unseres hierseins 🙂
    ich sag ja, facebook ist ob aller vorbehalte eben doch gut.

  1. Dezember 4, 2016 um 7:57 pm

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