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Könnte das Bedingungslose Grundeinkommen uns zu einem würdevolleren Leben führen?

Auf meiner Suche nach der Antwort auf die Frage, ob Anarchie ein möglicher, funktionierender Gesellschaftsentwurf sein kann, mit einem organisierten Miteinander (also ohne Chaos) ohne Herrschaft (also ohne Gewalt), bin ich mal wieder auf das Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommens gestoßen. Denn dieser Kulturdenkanstoß war vor Kurzem (8.1.2011) im Petitionsauschuss des Bundestags (ePetition), mit an die 53.000 Unterschriften im Rücken, und wurde von der Petetnin und sehr authenthisch wirkenden Tagesmutter Susanne Wiest (Profil auf taz.de) über 2 Stunden „verteidigt“.

„Alle Macht geht vom Volke aus“, so beginnt Sie mit einem Zitat aus unserem Grundegesetz ihren etwa 10 minütige Vortrag. Daher müssten wir unter dem Blickwinkel der Gerechtigkeit etwas gegen die Armut Derjenigen tun, die entweder durch Arbeitslosigkeit oder durch geringbezahlte Jobs ein unwürdiges Leben fristen. Seit Jahren sei zu beobachten, dass es immer mehr Menschen gibt, die in diese Situation kommen. Ein Weg hin in die Vollbeschäftigung sei genau nicht zu beobachten. Ganz im Gegenteil, durch immer mehr Automation fallen immer mehr Arbeitsplätze weg.

Die Petition wird nun weiter bearbeitet. Ein erstes Fazit ist vom Ausschuss schon gegeben: es wird befürchtet, dass der Anreiz arbeiten zu wollen nicht gegeben ist und es zu viele Menschen geben wird, die dann nichts tun werden. Das ist typsich für Menschen, die Menschen als grundsätzlich schlecht beurteilen. Dass der Mensch im Gegenteil ein stark in sich motivierter ist, habe ich schon in zwei weiteren Artikeln behandelt: Böse Menschen – gute Menschen: die X-Y-Theorie und in einem zu Dan Pink´s Vortrag zu unserer intrinsischen Motivation mit Wir müssen nicht motiviert sonder nur nicht demotiviert werden!

Dass die Menschen ein feines Gespür für die Gefahr haben, dass sie auch in diesen Teil der Geselschaft fallen können, dass sie ihren Job verlieren können, lässt sich allein an der deutlich gestiegenen Zahl an unserer neuen Volksseuche Depression Erkrankten erkennen (siehe Post: Hoher wirtschaftlicher Schaden wegen Depression: Über 3 Millionen Deutsche in Behandlung). Die Angst, ein unwürdiges Leben firsten zu müssen, geht also um.

Einen ebenfalls alternativen Gesellschaftsentwurf hat auch Prof. Gunther Dueck in seinem neuesten Buch Aufbrechen!: Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen formuliert. Auch er sieht, dass es immer weniger Arbeitsplätze durch zunehmende Automatisierung gerade im Dienstleistungsbereich gibt. Dafür aber steigenden Bedarf dort, wo Experten gesucht sind. Er sagt, dass wir jeden Menschen mit in die neue Exzellenzgesellschaft nehmen könnten, wenn wir nur wollten. Jeder Mensch hat Spaß am Lernen, wenn man es mit ihm richtig macht. Wenn wir also schon in den ersten 6 Jahren, in der das Gerhirn seine wichtigsten Strukturen ausbildet, alle Kinder richtig, d.h. spielerisch fördert, und auch anschließend Lernumgebungen bietet, die weiter den Spaß am Lernen ermöglicht, sollte wir also alle mitnehmen können, siehe Post: Wer es im Leben zu etwas bringen will, muss früh trainieren! Das weiß die Wissenschaft schon lange, nur die Politik nicht.

Unterm Strich sehe ich hier mehrere Aspekte:

Wenn wir alle zu Experten machen konnten, sind fast alle gleich, also könnte auch schon hierbei ein gleiches Grundgehalt möglich sein.

Herr Dueck schaut aber nur auf Deutschland. Weil alle Experten sind, gibt es in Deutschland genügend Arbeit für alle. Aber wie sieht es dann mit den Armen in unseren Nachbarländern aus. Ich denke, dass der Ansatz, alle gleichermaßen optimal zu fördern richtig ist, dass aber dann immer auf Grund von Automatisierung noch zu wenig Arbeit vorhanden sein wird. Also müssten wir alle weniger Arbeiten oder wir machen es so, dass die, die mehr Arbeiten wollen, weil sie sich damit selbstverwirklichen können, dies tun lassen und andere eben nicht. Aber wir lassen dabei alle würdig leben.

Im Sinne der Gemeinschaft stellt sich mir inzwischen eine ethische Frage: dürfen wir Mitmenschen, die aus biologischen Gründen oder aus Umgebungsgründen nicht mitkommen können, dazu verurteilen, ein unwürdiges Leben zu führen?

Aber da wir auch hier wieder kulturell wirtschaftlich ticken, wie ich das schon in dem Artikel Wenn Du Gutes für den Menschen erreichen willst, argumentiere wirtschaftlich! behandelt habe, hier weitere Argumente, warum wir in unserer Gesellschaft alle mitnehmen sollten:

Wenn Alle würdig leben, weil sie z.B. von Anfang an gut gefördert wurden, aber auch nicht im Regen stehen gelassen werden, wenn Änderungen stattfinden müssen, was die Regel ist, dann gibt es weniger Verbrechen. Es braucht weniger Gesetze, Polizei, Gerichte, Anwälte, Gefängnisse (hm, sagen Anarchisten auch  …). D.h. die immensen Gemeinschaftslasten werden frei zur Förderung unserer Kinder. Sie sehen, eine positive Spirale, genau im Gegensatz zu der negativen, in der wir seit Jahren stecken.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie die Arbeiten an der Petition weiter gehen. Ob unsere gewählten Volksvertreter ernsthaft an den Entwürfen arbeiten oder einfach nur vom Tisch schieben werden, weil zu utopistisch. Dass etwas getan werden muss, ist jedenfalls unverkennbar, wie dies unsere Gemeinschaft schon bei Stuttgart 21 signalisiert hat. Es gilt unbedingt, unser Grundgesetz ist zu achten: „Alle Macht geht vom Volke aus“.

Kategorien:Gesellschaft Schlagwörter: , , , ,
  1. ‎[WvnSnn]
    Januar 7, 2011 um 7:53 pm

    Bitte Blick auf

  2. Januar 7, 2011 um 11:33 pm

    Andreas Zeuch hat auf seinem integral.blog einen Post geschrieben, der sehr deutlich macht, dass wir ohne so etwas wie ein Grundeinkommen das perfide System der Unterdrückung von Arbeitern in den anderen Ländern am Leben erhalten.
    Wer in Deutschland wenig zum Leben hat, wird bei den Billigläden einkaufen müssen und fördert damit die noch schlimmere Ausbeutung von Anderen.
    Besonders die Videos zu KiK und H&M sollten sehr nachdenklich stimmen:
    Misstrauen und Kontrolle pur: Das KiK-System

  3. Januar 8, 2011 um 9:09 pm

    Um das Bedingungungslose Grundeinkommen auf den Weg zu bringen, scheint mir allein eine wirtschaftliche Überzeugung hilfreich, siehe meinen neuen Post:
    Wenn Du Gutes für den Menschen erreichen willst, argumentiere wirtschaftlich!

  4. ilka vogelgesang
    Januar 19, 2011 um 6:07 pm

    Ich finde eure Idee mit dem grundeinkommen sehr gut. Erst dachte ich : na, warum gleich so viel: 1.500,- ist ne Menge Geld. Aber das Argument mit dem Einkaufen bei Billigläden zieht. Insofern ja: 1.500,- . Aber man kann den Menschen natürlich nicht vorschreiben, ob sies nun für den Bioladen ausgeben oder (fragwürdige) Urlaubsreisen damit finanzieren!!?? – Also das Umdenken in möglichst vielen KÖpfen ist da auch gefragt. Und das fängt – we ihr ja schon gesagt habt – bei den Kindern an, denn erwachsene tun sich oft schwer damit. Aber unser schulsystem und damit unsere Kinder sind in der Hand derjenigen, die nichts ändern wollen!! (natürlich aus Angst). – Aber wie bekommen wir die Angst aus denen raus? – Sollen wir alle zum Psychiater? – Und von denen gibt es genug, die genau dieselbe Angst haben und daher anderen gar nicht helfen können!

    Jedenfalls bin ich bei der nächsten Unterschriftensammlung dabei.

    Liebe Grüße
    Ilka

  5. Januar 31, 2011 um 7:02 pm

    Ein sehr schöner Post zur weiteren Vertiefung in das Thema:
    Wer macht die unbeliebten Arbeiten? Zum blinden Fleck des Grundeinkommens

  6. Mai 27, 2011 um 2:55 pm

    Sozialphilosoph Oskar Negt macht deutlich, warum das Grundeinkommen nicht an Bedingungen geknüpft sein sollte:

  7. September 7, 2011 um 6:45 pm

    Cool, die USA hat schon kurz davor gestanden, ein Grundeinkommen einzuführen:
    Nixons bedingungsloses Grundeinkommen

    Die USA standen 1970 vor der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Präsident Nixons Plan hätte das Land grundlegend verändert,

    schreibt Leser C. Johann auf Zeit Online

  8. thebeyers
    Januar 9, 2012 um 5:34 am

    Man darf nicht vergessen, dass es auch den Tausch gibt. Als Vater zweier Kinder glaube ich, dass es extrem wichtig ist, den Tausch und das Geben (Don) in die Spielwelt unserer Kinder zu implementieren.

    Ich muss also nicht bei hm ,Kik einkaufen, trotzdem hast du recht Martin. Es ist schwer, man muss die Strukturen häufig mit tragen. Ausbeutung der 3. Welt, allein, wenn ich bei Lidl einkaufen muss.

    Noch ein Nachtrag; Wenn man ein BG fordert braucht man keinen Mindestlohn zu fordern,
    dies ist einwichtiger Aspekt.

    • Januar 9, 2012 um 9:20 am

      Ja, mit dem BG fällt so einiges weg. Kindergeld und Rente muss nicht mehr verwaltet werden.
      Jeder arbeitet so lange, wie er kann oder will. Warum muss ich als Rentner plötzlich die Hände in den Schoß legen, wenn ich doch noch Spaß an der Arbeit habe?

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