Startseite > Ökologie, Ökonomie, Ethik, Gesellschaft, Politik > Endstation Fortschritt …

Endstation Fortschritt …

Fort-Schritt? Geht es mehr um ein Schreiten hin zu einem Mehr des Zuträglichen oder eher weg von diesem?

Guido Vobig beschreibt in seiner These auf seiner Plattform GOLD-DNA ein zyklisches Expandieren hin in Richtung maximaler Unordnung und einer wieder Zusammenführung hin zu maximaler Ordnung. Er sieht uns kurz vor vor dem Maximum der Unordung.

Ich hatte im letzten Jahr schon einmal ein ähnliches, allerdings einfacheres Bild gemalt. Der Artikel dazu ist: Über die Vertreibung aus dem Paradies, und warum gehen wir nicht einfach wieder dorthin zurück?

Der folgende Film umreißt so Vieles, was wir hier schon diskutiert haben. Auf youtube ist dazu Folgendes zu lesen:

Bedeutet Fortschritt zwangsläufig Verbesserung? Kann der menschliche Verstand die schnellen technologischen Veränderungen der letzten Jahrhunderte überhaupt erfassen? Ist weiteres kontinuierliches Wachstum anzustreben? Oder lauten die Schlagworte für die nächsten Jahrzehnte nicht eher sparen, reduzieren, den Konsum einschränken? Dazu äußern sich in dem Dokumentarfilm von Mathieu Roy und Harold Crooks Wissenschaftler, Philosophen, politische Aktivisten, ehemalige Finanzmanager und international anerkannte Forscher. Die Autoren berufen sich auf den Bestseller des kanadischen Wissenschaftspublizisten Ronald Wright “Eine kurze Geschichte des Fortschritts”. Wrights zentrale These lautet, die Zivilisationen seien eine nach der anderen in die “Fallen des Fortschritts” getappt und dabei vernichtet worden. Unter “Fallen” versteht er den unwiderstehlichen Sog neuer Technologien, die zwar unmittelbare Bedürfnisse befriedigen, aber längerfristig die Zukunft belasten. Mit Blick auf die Erschöpfung der Naturvorkommen, auf Überbevölkerung, Versteppung sowie ökologische und ökonomische Katastrophen stimmen manche Philosophen in Wrights Alarmruf ein, andere vertrauen darauf, dass der Fortschritt die Menschheit nicht nur bedroht, sondern auch eine gegenteilige Rolle als wichtiger Überlebensfaktor spielt. Der Kosmologe Stephen Hawking zieht die Besiedlung anderer Planeten in Erwägung. Der Biologe Craig Venter, dessen Team das menschliche Erbgut entschlüsselt hat, entwirft synthetische Organismen, die — so hofft er — Nahrung und Kraftstoff für alle produzieren können. Dem hält der Professor für Umweltwissenschaften Vaclav Smil entgegen, dass fünf Milliarden arme Menschen auf der Erde davon träumen, Zugang zum Wohlstand zu bekommen. Sein Fazit: Wenn wir dem Ressourcen- und Energiekonsum der Industrieländer keine Grenzen setzen, steuern wir auf eine Katastrophe zu. Die Primatologin Jane Goodall, die Schriftstellerin Margaret Atwood und Aktivisten aus dem Kongo, aus Kanada und den USA dagegen hoffen auf den menschlichen Erfindungsreichtum und die Entwicklung eines ethischen Bewusstseins.

Wenn wir also sehen, was wie abläuft, was kann der Einzelne tun, damit seine Nachkommen noch etwas von ihrem Geschenkt des Lebens haben können?

Es bleibt nur eins: Bewusst fragen, wie etwas produziert wurde und wie ich durch mein eigenes Verhalten das Unzuträgliches nicht mehr befeuere, oder positiv formuliert, handel so, dass das Leben zuträglicher werden kann. Dazu ist es notwendig, zu erkennen, was los ist. Denn sonst bleibt es ungefragt, wie bisher.

Diese kleine Geschichte mit fünf Affen zeigt unser Verhalten sehr gut auf:

 

  1. Juli 11, 2012 um 6:25 nachmittags | #1

    > Über die Vertreibung aus dem Paradies, und warum gehen wir nicht einfach wieder dorthin zurück?

    Ich habe vor kurzem eine Studie gelesen, das Kulturen, bei denen der Wohlstand gleichmässig verteilt ist, generell glücklicher sind, inklusive den immer noch Wohlhabenderen, die ja dann im Vergleich zu den Wohlhabenden der “Kontrollen” weniger haben.

    Trotzdem steht der “Persuit of Happiness” des Kapitalismus amerikanischer Machart für viele als das erstrebenswerte Modell da, weil sie es für einen grösseren Glücksgaranten halten.

    • Juli 11, 2012 um 6:46 nachmittags | #2

      Ja, Sahra, inzwischen gibt es wohl eine Reihe von Studie, die nachweisen, dass es für den Zusammenhalt einer Gemeinschaft zuträglicher ist, wenn die Scheere nicht so weit auseinander liegt.
      Dass wir in unseren kapitalistischen Systemen so denken, liegt allein daran, dass die herrschende Meinung immer die Meinung der Herrschenden ist. Und so ist unsere Geschichte die der Besatzer und Habenden. Denn alternative Lebensformen werden meist immer schlechter in den Schulen dargestellt, oder erst gar nicht. So z.B. die Ideen des Anarchismus.
      Manipulation ist die Kunst Jener, die die Nase etwas weiter voraus haben als der Rest der Gesellschaft. Und weil sie zudem nicht weise sind sondern auf ihren eigenen Vorteil aus sind, wird der Rest dumm gehalten.
      LG Martin

  2. Juli 11, 2012 um 9:33 nachmittags | #3

    Zwei Ergänzungen, die offenlegen, was es mit dem Fortschritt auf sich hat:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Beschleunigungskrise#Globale_Beschleunigungskrise

    Daraus folgendes Zitat:

    Die Wirklichkeit auf Erden, in der wir selbst Mitspieler sind, ist ein komplexes dynamisches System, das dauernd in Bewegung („dynamisch“) ist, im Fluss, und sich immerzu weiter entwickelt, dessen innere Zusammenhänge von Ursachen und Wirkungen aber so vielfältig und verflochten („komplex“) sind, dass niemand alle darin steckenden Möglichkeiten aufzählen kann, auch nicht der leistungsfähigste Computer. Niemand kann die Entwicklung eines solchen Systems vorausberechnen, außer in Form von Wahrscheinlichkeiten für verhältnismäßig kurze Zeiträume – wie man es von der Wettervorhersage kennt.

    Trotz seiner Ruhelosigkeit und Veränderlichkeit kann ein solches System sehr beständig sein und eine typische Gestalt annehmen. Das sieht man besonders deutlich an einem lebenden Organismus: Es herrscht ein „Fließgleichgewicht“ zwischen Aufbau und Abbau. Die Beständigkeit des Fließgleichgewichts, des Fortlebens und der Evolution als ganzer beruht darauf, dass fast alle Prozesse in Zyklen verlaufen. Dieselben „eingespielten“ Prozesse werden immer wieder aufs Neue durchlaufen, auch wenn es dabei ständig zu kleinen Abweichungen kommt, zu Fehlern und Störungen. Wenn die Störungen nicht zu groß sind, pendelt sich das System als ganzes immer wieder in die bewährten Zyklen ein – darin besteht ja die Bewährung – und findet manchmal sogar zu einer Verbesserung, durch die es noch raffinierter mit Fehlern zurechtkommen kann. Ein System, das sich keine Fehler erlauben kann, ist nicht lebensfähig. Kann es sich aber Fehler erlauben, dann sind es genau diese ständigen Neuerungen, die Abweichungen und Störungen, die den Fortschritt zu einem immer komplexeren Zusammenspiel, einer zunehmenden Ordnung bewirken.

    GOLD-DNA beschreibt in der Tat nichts anderes … aber, und hier kommt die Einzigartigkeit der Entwicklung ins Spiel, die durchaus als kosmischer Lernprozess verstanden werden kann, der Fortschritt vom Natürlichen weg, hin zu immer mehr Künstlichem, ist ein bewusster Akt, gar eine NOTWENDIGKEIT, denn in der Realität manifestiert sich dieser Lernprozess als Evolution des Lebens, in Wirklichkeit aber ist es die Devolution von Bewusstsein.

    Die entscheidende Frage lautet: Wer lernt hier von wem ? Lernt der Mensch von der Natur oder die Natur vom Menschen ? Man mag der Ansicht sein, dass der Mensch immer mehr von der Natur VERLERNT, und die Natur NICHTS vom Menschen lernen braucht, aber im Reich von Sirenengesang und weißen Leinwänden überrascht eine solche Ansicht keineswegs.

    Sehen wir die verkörperten Bewusstseine der Menschen und der aller anderen Lebensformen als zwei Proportionen an, wobei zweitere Proportion als NATUR bezeichnet wird, dann wird die ganze Angelegenheit des Fortschritts offensichtlich:

    Der Mensch geht im Laufe der Expansion aus dem natürlichen Fortschritt der Natur hervor, während der Mensch im Laufe der WEITEREN Expansion mehr und mehr künstlichen Fortschritt erschafft bzw. realisiert. WOFÜR ?

    DAMIT DIE NATUR IM NÄCHSTEN KOSMISCHEN LERNPROZESS DIE ENTWICKLUNG DES FOLGEUNIVERSUMS VORANTREIBEN KANN … UNTER OPTIMALEREN VORAUSSETZUNGEN, ALS ES IM AKTUELLEN UNIVERSUM GESCHIEHT.

    Der Mensch testet die Fehlertoleranz der Natur aus, durch Einbringung künstlichen Fortschritts … und darin werden wir offensichtlich immer besser. Ist das ein Grund uns kollektiv auf die Schultern zu klopfen und stolz zu sein ?

    Peter Kafka gibt die Antwort:

    Wir, die „Anführer“ der Evolution, sind – paradoxerweise, wie es scheint – von „Mutter Natur“ zu den Erfindern und Unternehmern herangezogen worden, als die wir uns heute daran machen, den ganzen Globus möglichst schnell und möglichst einheitlich zu kolonisieren und rundum zu erneuern. Die Krise ist also in der Evolution veranlagt und unvermeidbar. Sie bedeutet aber nicht notwendigerweise den Untergang der menschlichen Zivilisation. Die „Anführer“ der irdischen Evolution – die Menschen – sind, wenn sie imstande waren, die Krise herbeizuführen, wahrscheinlich auch imstande, schnell genug zu lernen, wie sie zu überwinden ist.

    Gruß Guido
    http://www.gold-dna.de

    .

  3. Heinrich Schmitt
    Juli 11, 2012 um 9:42 nachmittags | #4

    “”Die herrschende Meinung (ist) immer die Meinung der Herrschenden”".Sehr richtig.
    Ein gutes Beispiel ist die Medienlandschaft in den Entwicklungslaendern: diese unsaeglichen Soap-operas spielen grundsaetzlich in den Kreisen der Reichen und “Schoenen” und sie haben fast alle das gleiche Strickmuster – nur unterbrochen durch
    Werbespots, in denen vorwiegend Produkte westlicher Industrielaender -allen voran Deutschland- angepriesen werden;Dinge, die sich sich 80% der Menschen auf den Philippinen , in Aegypten usw. nie werden leisten koennen !

    • Juli 11, 2012 um 9:52 nachmittags | #5

      Aber auch hier werden doch auch eher Familien gezeigt, denen es richtig gut geht, d.h. die oberen 70-90%. Als Möhrchen für “Wenn ihr das Statussymbol kauft, seit ihr doch fast schon wie sie … ”
      Daher schaue ich auch nicht mehr rein, und es kommt zur Entspannung und mehr Gelassenheit. Das Habenwollen verfliegt immer mehr …

  4. Juli 12, 2012 um 9:44 vormittags | #6

    Fortschritt und Einschränkung von Konsum und Zerstörung sind alles andere als Gegensätze. Ein Beispiel hierzu: Der Trend zu erneuerbaren Energien (da wird der techn. Fortschritt erst noch richtig losgehen) oder die Green Economy, die sich nach und nach durchsetzen wird. Es gibt keine Endstation Fortschritt, sondern immer wieder neue Anfänge.

  5. Juli 13, 2012 um 2:11 nachmittags | #7

    Wieder ein Beispiel dafür, dass alle Antworten im Grunde längst vorhanden sind:

    Gruß Guido

  6. Juli 13, 2012 um 2:35 nachmittags | #8

    Wieder ein schönes Beispiel dafür, dass im Grunde nahezu alle Antworten längst vorhanden sind:

    Gruß Guido

  7. Juli 13, 2012 um 6:39 nachmittags | #9

    Ein Link und viele Worte:

    http://www.langelieder.de/kafka-zza.html

    Aber sehr lesenswert … denn alles läuft in die notwendige Richtung aus dem Meer aller Möglichkeiten heraus …

    Gruß Guido

  8. Juli 16, 2012 um 1:09 vormittags | #10

    Sorry für das Doppellisting des Buchtipps … WORDPRESS hat so seine Macken zwischendurch.

    Noch etwas zum Thema Fortschritt und zur Unterscheidung von natürlichem und künstlichem Fortschritt:

    Die Natur kommt mit einem Minimum an Energie aus, um Benötigtes aus Vorhandenem zu erschaffen, vorausgesetzt es steht ausreichend Zeit zur Verfügung.

    Der Mensch dagegen geht den künstlichen Weg und verbraucht immer mehr Energie, um Unnötiges aus Nichtvorhandenem zu erschaffen … und das immer schneller.

    Gruß Guido

  9. Juli 22, 2012 um 12:17 vormittags | #11

    Und da darf natürlich das HIGGS-Teilchen nicht fehlen, dieser Medienstar mit wissenschaftlichen Wurzeln, der eigenartige Blüten hervorbringt und einen trügerischen Duft verströmt:

    http://www.gold-dna.de/updatemai.html#up245

    Es wird sich doch nicht gar als künstliche Blume entpuppen, von der Nick an anderer Stelle geschrieben hat …

    Gruß Guido

  10. Heinrich Schmitt
    Juli 31, 2012 um 9:32 vormittags | #12

    Sahra: mir klingelt immer noch ein Satz von Helmut Kohl im Ohr: “”Ja wollt ihr denn, dass wir ein Volk von lauter Gleichen Armen werden?”" Da hat er’s dummdreist auf den Punkt gebracht.!

  11. August 9, 2012 um 11:41 vormittags | #13

    Wieder ein Beispiel für die Bildwerdung von realen Möglichkeiten des Fortschritts:

    http://theintelligence.de/index.php/gesellschaft/zeitgeist/4759-21-dez-2012-ein-neuer-zyklus-ohne-coca-cola.html

    You can’t beat the feeling …

    Gruß Guido

  1. Keine Trackbacks bisher.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 1.689 Followern an

%d Bloggern gefällt das: