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Stell Dir vor es war Revolution und danach sähe unsere Welt wie folgt aus

“Stellt euch vor, eine Revolution hätte stattgefunden. Stellt euch vor, die „Sachzwänge“ und ökonomischen „Naturgesetze“ würden nicht existieren. Stellt Euch vor, die gesellschaftliche „Wirklichkeit“ existiert nur deshalb, weil ihr sie akzeptiert. Die Parteien haben Euch längst schon sitzen gelassen, Ihr braucht nur noch die Konsequenzen zu ziehen. Ob man will oder nicht: Es geht von vorne los! Ein neues Spiel hat begonnen und ihr könnt die Regeln bestimmen. Ab dem 11. Oktober habt Ihr die Möglichkeit, diese Regeln genauer festzulegen: Dann beginnt die bundesweite Ausschreibung „Wir sind Revolution“. Tausende von Menschen sollen ihre Vorschläge einsenden, wie die neue Gesellschaftsordnung aussieht. Du auch! Sei mit dabei! Schreib uns, wie Deiner Ansicht nach die Zukunft aussehen soll. Was muss sich durch die Revolution verändert haben? Alternativlos war gestern – denk anders und neu!”

So lautet der Aufruf auf der Web-Site Ich bin Revolution also sind wir zu einem Ideen-Wettbewerb der anderen Art.

Ich hatte schon von dem RealExperiment berichtet. Die initierende Gruppe hat sich nun auch beteiligt und ist auch gleich unter die letzten 12 Beiträge gekommen, die nun von uns Bürgern gekürt werden können. Und da ich den Ideen-Beitrag richtig gut finde mache ich jetzt mal Cut und Paste und hänge Ihn gleich hier runter. Bevor ich das tue, noch kurz der Hinweis:

Wenn der Beitrag gefällt, kann er hier direkt positiv bewertet werden.  Dort sind auch die anderen Beiträge im Forum zugängig.

<<<<< Nun der Beitrag (hier das PDF) >>>>>

Das „RealExperiment sinnvoll · wirtschaften“
Gebhard Borck, Markus Stegfellner & Dr. Andreas Zeuch

Drei Dinge, die sich gegenüber der vorrevolutionären Gesellschaft verändert haben müssen

Eins_ Freiwillige Arbeit als Spiel

Menschen arbeiten, um sich zu verwirklichen und nicht mehr, weil sie müssen. Arbeit ist Spiel. Denn Schiller hat Recht: Nur da, wo der Mensch spielt, ist er wirklich Mensch.

Zwei_ Der Staat für seine Menschen

Das bedingungslose Grundeinkommen ist dauerhaft eingeführt und die bisher übliche Leistungsbesteuerung
ist durch Konsum- und Kapitaltransferabgaben ersetzt.

Drei_ Spielerisch bildend

Wir haben auch in der Bildung unseren natürlichen Drang, das Leben zu spielen wiederentdeckt. Wir fokussieren auf zentrale Metakompetenzen anstatt nur Fachwissen zu vermitteln:
Persönlichkeitsentwicklung, indvididuelle Wertebildung, Offenheit für Neues und Andersartiges und Entscheidungs- und Sozialkompetenz.

Wie unterscheidet sich das politische und wirtschaftliche System der neuen Gesellschaft von der vorrevolutionären Gesellschaft?

Das politische System_

Unsere Berufung ist die Veränderung unserer Wirtschaft als gesellschaftlicher Motor. Allerdings gibt es Aspekte, die – ähnlich wie in der Veränderung der Wirtschaft – auch in der Politik eine Rolle spielen sollten.

Erstens werden insbesondere bei großen Infrastrukturprojekten (S21, Elbphilharmonie…) Bürger über innovative EntscheidungsDesigns in die Entscheidung von Beginn an einbezogen. Die ineffektive Expertokratie und politische Elitenbildung, in der gewählte Politiker über den Zeitraum der Legislaturperiode alleine entscheiden, ist abgeschafft.

Zweitens werden auf allen politischen Ebenen wie Ausschüssen, Landtagen und im Bundestag zeitgemäße Kommunikationswerkzeuge wie Open Space, DIALOG und dergleichen mehr eingesetzt. Die klassische politische Debatte, häufig nah an der Polemik, ist Vergangenheit.

Drittens brauchen Unternehmen, die sich nach den veränderten Paradigmen organisieren und handeln, andere Menschen. Über diesen Bedarf werden Unternehmen zwangsläufig Einfluss auf die Bildungspolitik nehmen. So entsteht langsam ein spielerisches Bildungsklima.

Das wirtschaftliche System_

Die grundlegenden ökonomischen Paradigmen von Vorhersagbarkeit und Kontrolle sind abgelöst. Wir haben das, was Nassim Nicholas Taleb als „epistemische Arroganz“ bezeichnet hat – sprich: die Überschätzung des eigenen Wissens und die Unterschätzung des eigenen Nichtwissens -, ins positive Gegenteil verwandelt: Die epistemische Bescheidenheit. Wir versuchen nicht mehr mit Gewalt die Pseudokontrolle über die Zukunft und die steigende Komplexität zu erlangen, sondern sehen ein, dass immer wieder Unerwartetes geschieht und unsere Pläne über den Haufen wirft. Wir sind uns bewusst, dass wir viel weniger wissen und viel mehr nicht wissen, als uns lieb ist. Und verhalten uns entsprechend. Wir konzentrieren uns mehr auf unsere urmenschliche Fähigkeiten wie Improvisation, Intuition, Empathie und Denken. Wir hören auf, uns zwanghaft nach Plänen zu richten und erbost bis depressiv zu reagieren, wenn es anders kommt, als erwartet.

Außerdem ist die normative Theorie des Homo oeconomicus Vergangenheit. Wir sehen uns nicht mehr als Eigennutzenmaximierungsmaschinen, Permanentkalkulatoren und Fremdkapitalverzinser. Stattdessen ist breitflächig anerkannt, dass wir in ökonomischen Beziehungen nach zwischenmenschlicher Stabilität und Fairness streben (was immer wieder im „Ultimatumspiel“ transkulturell gezeigt wurde) und das unsere Entscheidungen maßgeblich von unseren Emotionen, unserer Intuition und unserem Unbewussten beeinflusst sind. Die Folge sind völlig neue Entscheidungsprozesse in Unternehmen und Organisationen, die dem Rechnung tragen. Das auch deshalb, weil wir anerkannt haben, dass die Weisheit der Vielen der Expertokratie der Wenigen deutlich überlegen ist.

Daraus folgen auch neue organisatorische und juristische Strukturen, in denen sich Unternehmen organisieren. Die übliche hierarchische „Tannenbaum“-Struktur mit Weisungsbefugnis, wie wir sie aus  Organigrammen kennen, löst sich zu Gunsten eines Zellstruktur-Designs auf. Grafisch würde dies eher einem Atommodell entsprechen. Anders gesagt: Unternehmen organisieren sich nicht mehr von oben nach  unten, sondern von außen nach innen.

Ebenso wichtig: Führung wird nicht mehr fixiert. Es gibt keine Führungskräfte mehr im alten  Sinne: Einmal Chef, immer Chef. Vielmehr gibt es die „nomadische Führung“: Von Projekt zu Projekt, von Situation zu  Situation wird der Staffelstab der Führung an den- oder diejenige weitergereicht, der oder die aus Sicht der Beteiligten am besten führen kann. Die Herausforderung liegt darin, diese Übergabe so effektiv und  effizient zu gestalten wie möglich, damit unsere Unternehmen nicht zu Debattierclubs verkommen.

Diese vier Aspekte führen dazu, dass in der nachrevolutionären Zeit nicht mehr 89% aller Arbeitnehmer Dienst nach Vorschrift schieben oder bereits innerlich gekündigt haben (Gallup Engagement-Index 2009) weil 88% (!) unter mittelmäßiger oder schlechter Arbeit leiden (DGB Index „Gute Arbeit“ 2009) – statt dessen sind mindestens die Hälfte dieser Menschen mit Freude bei ihrer guten Arbeit. Weil ihre Arbeit für sie Sinn hat.

Wie finden wir schnell und effektiv weitere Unterstützer der Revolution?

Das RealExperiment braucht Öffentlichkeit_

Erstens veröffentlichen wir bereits seit September 2010 das RealExperiment durch diverse Internet-Kanäle: Der Blog des RealExperiments (realexperiment.de), unser integral.blog, diverse Twitterkanäle, unser YouTube-Kanal und eine Facebook Fan-Seite. Auf diesem Weg bekamen wir schnell Unterstützung für die virtuelle Ausbreitung, zum Beispiel durch unser Banner, das auf diversen Internetseiten integriert wurde, durch zahlreiche Follower unserer Twitterkanäle, die unsere Tweets weiterreichen und empfehlen und durch Interviews über das RealExperiment (netzpiloten.de). Diesen Weg werden wir weiterverfolgen.

Zweitens sind wir auch physisch unterwegs. Unser Format „walk-to-talk“ haben wir 2010 bereits in Berlin, Dresden, Hamburg, Stuttgart und Wien durchgeführt. Wir bieten Interessenten Termine, zu denen man uns treffen kann, um das RealExperiment intensiv persönlich bei einem Spaziergang zu diskutieren. Die bisherigen Teilnehmer empfehlen uns weiter und berichten über uns. Last but not least sind wir auf  Veranstaltungen wie der Utopia-Konferenz 2010 als Speaker auf dem Podium und präsentieren das RealExperiment, das wir wiederum als Videomitschnitt über unseren YouTube-Kanal verbreiten. Hier schließt  sich der Kreis zwischen virtueller Welt und physischer Realität.

Unterstützer zur Finanzierung_

Auf diesen beiden Wegen suchen wir auch nach finanzieller Unterstützung. Wir haben bereits die ersten Schenkungen erhalten und potentielle Geldgeber angeschrieben. Anfang  Februar 2011 findet zudem der  erste Kennenlerntag des RealExperiments statt. Wir treffen Menschen, die auf irgendeine Weise – sei es als Mitarbeiter, als Geldgeber, als Medien- oder wissenschaftlicher Begleiter – einen eigenen Beitrag dazu  leisten wollen, das RealExperiment zu verbreiten und zu leben.

<<<<< Ende des Beitrag >>>>>>

Andreas Zeuch, einer der Initiatoren, hat ein bemerkenswertes Buch mit dem Titel Feel it!: So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen geschrieben, in dem viele der oben genannten Punkte im Detail besprochen werden. Er nennt darin auch weitere wichtige Quellen, die die Thesen des Antrags ebenfalls untermauern.

Und dass ein solches Arbeiten wie beschrieben gar nicht so utopisch ist, habe ich diese Woche schon in einem Artikel über die Firma Semco hier gespostet: Wahnsinn, Utopie oder einfach nur die zukünftige Art der Firmenführung

  1. März 10, 2011 um 11:29 vormittags

    Hallo Martin, ich bin als Langsamleser noch nicht ganz durch, aber ich habe Bauchweh. Die Idee ist schön, toll, aus vielen mir einfallenden Gründen, nicht realistisch . Grundeinkommen zu Lasten der Hungernden, kann das jemand ausschließen (E 10), nein. Die meisten Menschen können heute mit dem Überbau Staat nichts mehr anfangen, ich will es vorsichtig ausdrücken. Schon kleinere Maßstäbe sind schwierig. Montag hatte ich z.B: eine lange Diskussion um das erste Wächterhaus in Halle, die Vertragslaufzeit läuft in einem Jahr aus. Schon da ist es schwierig unter den jetzigen Nutzern, wohl bemerkt Künstler, Initiativen freizusetzen. Sie wollten mir was zuarbeiten, die Zeit drängt, bis heute keine Reaktion. Ich glaube und da werde ich mich wohl auch hin entwickeln, wir sind mit unseren technischen Möglichkeiten überfordert. Wir verlangen einen zu hohen Gegenwert für unsere Tätigkeit. Wir haben das natürliche Umfeld des homo sapiens verlassen, Vertreibung aus dem Paradies. Bevor wir anfangen Regeln festzulegen, sollten wir überlegen, wie wir weiterleben können, als Ort, als Region, als Kontinent, um der Erde in ihrer Artenvielfalt eine möglichst lange Lebensdauer zu ermöglichen. Es gibt nur einen Gegener das sind wir selbst.

  2. März 20, 2011 um 10:19 nachmittags

    Sehr schöner Film über das Bedingungslose Grundeinkommen, in dem gut dargestellt wird, wie sich das Lebensgefühl dabei verändert: http://www.3sat.de/mediathek/mediathek.php?obj=22981&mode=play
    Auch Fragen zum Thema: “Wer macht die Drecksarbeit” oder wie sieht es mit den “Faulen” aus, werden diskutiert.

  3. März 23, 2011 um 11:09 nachmittags

    Na bitte, der Beitrag von RealExperiment ist unter den 4 von 12, die nun in Stuttgart in die Endrunde gehen: Die Jury hat entschieden
    Ich drücke weiter die Daumen!

  4. April 3, 2011 um 10:04 nachmittags

    Hier sind die Videos zu den Vorstellungen anzuschauen. Interessant ist auch das erste Video mit Richard David Precht, der nochmals die vielen Fragen aufwirft, die wir derzeit stellen müssen und zu denen wir Antworten finden sollten, wenn wir gesellschaftlich und wirtschaftlich wieder genesen wollten.

  5. Oktober 29, 2012 um 7:28 nachmittags

    Eine zukünftige Währung sollte von den Ökosystemen der Erde gedeckt sein.

  6. Sarah Stern
    März 30, 2014 um 7:39 vormittags

    “Sacred Economics”

    http://sacred-economics.com/

    Gibt es auch als frei zu lesende Online Version in mehreren Sprachen.

    “Read Online” anklicken

    http://www.scorpio-verlag.de/Buecher/118/Oekonomie-der-Verbundenheit.html

  1. März 22, 2011 um 9:45 vormittags

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